Freie Vorträge

Poster der 48. DDG-Tagung Akademische Lehre P001 Neuer Lernzielkatalog Dermatologie des Forums Akademische Lehre: Konsensfindung zu Basiskompetenzen Ochsendorf F.1, Bandholz T.2, Emmert S.3, Hartmann K.4, Hartmann M.5, Hornung T.6, Jünger M.7, Moll I.8, Psotta-Schachtner C.9, Spornraft-Ragaller P.10, Ständer S.11, E von Stebut-Borschitz E.12, Löser C.13, Hamm H.14 1

Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum, Frankfurt/M, Germany 2 Hautarztpraxis, Kiel, Germany 3 Universitäts-Hautklinik, Göttingen, Germany 4 Klinik u. Poliklinik f. Dermatologie u. Venerologie, Köln, Germany 5 Universitäts-Hautklinik, Heidelberg, Germany 6 Klinik u. Poliklinik f. Dermatologie, Bonn, Germany 7 Klinik u. Poliklinik f. Hautkrankheiten, Greifswald, Germany 8 Klinik u. Poliklinik f. Dermatologie u. Venerologie, Hamburg, Germany 9 Klinik f. Dermatologie u. Allergologie, Ulm, Germany 10 Klinik u. Poliklinik f. Dermatologie, Dresden, Germany 11 Klinik u. Poliklinik f. Hautkrankheiten, Münster, Germany 12 Universitäts-Hautklinik, Mainz, Germany 13 Hautklinik, Ludwigshafen, Germany 14 Klinik u. Poliklinik f. Dermatologie, Venerologie u. Allergologie, Würzburg, Germany

Fragestellung: Nur 2 Drittel der deutschen medizinischen Fakultäten besitzen einen Lernzielkatalog für das dermatologische Fachgebiet. Vorhandene Kataloge haben lange Listen, die im gegebenen Zeitrahmen kaum vermittelbar sind, zumal das Fachwissen immer schneller veraltet. Eine bundesweite Einigung auf unverzichtbare Basiskompetenzen der Studierenden wäre wünschenswert. Methodik: Das „Forum Akademische Lehre“ der DDG hat sich die Erstellung eines verschlankten Lernzielkatalogs für unser Fachgebiet zum Ziel gesetzt und ist bemüht, Erkrankungen und Fertigkeiten sowie den Umfang an Kenntnissen hierüber zu definieren, die sich jeder Medizinstudierende am Ende seines Studiums überprüfbar angeeignet haben soll. Der Katalog beschränkt sich bewusst auf das Kernfach Dermatologie/Venerologie und klammert die Bereiche der Zusatzbezeichnungen aus. Bei den Erkrankungen wurden 3 Kategorien zugrunde gelegt: Level 1 (grün = knows, Basiskenntnisse): einordnen können; Level 2 (gelb = knows how, erweiterte Kenntnisse): in der Praxis damit umgehen können (Kenntnis der Beschwerden, Erscheinungen, diagnostischer u. therapeutischer Möglichkeiten); Level 3 (rot = shows, eingehende Kenntnisse): unter Aufsicht selbständig managen können. Diese Liste wird derzeit noch mittels weiterer Delphi-Befragungen optimiert, an denen sich alle deutschen Hautkliniken beteiligen können. Ergebnis: Als Zwischenergebnis zeigte sich, dass die ursprüngliche Liste der Erkrankungen (n = 160) deutlich reduziert werden konnte (n = 119; Level 1: ursprünglich 82, aktuell 74; Level 2: 49, jetzt 37; Level 3: 29, jetzt 8). Bei den Fertigkeiten wurden folgende Stufen definiert: „gehört“ n = 6, „gesehen“ n = 5 und „gemacht“ n = 5.

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DOI: 10.1111/ddg.12658

Schlussfolgerung: Der neue, fakultätsübergreifend konsentierte Katalog ist eher geeignet, im Alltag auch tatsächlich gelehrt zu werden als die ursprüngliche Auflistung. Er kann als Basis für einen Lernzielkatalog dienen, den jede Fakultät gemäß ihrer besonderen Schwerpunkte modifizieren kann.

P002 Lehrsituation des Fachs Dermatologie an den deutschen medizinischen Fakultäten Ochsendorf F.1, Emmert S.2, Hamm H.3, Hartmann K.4, Hartmann M.5, Jünger M.6, Psotta-Schachtner C.7, Ständer S.8, E von Stebut-Borschitz E.9, Löser C.10 1

Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum, Frankfurt/M, Germany 2 Universitäts-Hautklinik, Göttingen, Germany 3 Klinik u. Poliklinik f. Dermatologie, Venerologie u. Allergologie, Würzburg, Germany 4 Klinik u. Poliklinik f. Dermatologie u. Venerologie, Köln, Germany 5 Universitäts-Hautklinik, Heidelberg, Germany 6 Klinik u. Poliklinik f. Hautkrankheiten, Greifswald, Germany 7 Klinik f. Dermatologie u. Allergologie, Ulm, Germany 8 Klinik u. Poliklinik f. Hautkrankheiten, Münster, Germany 9 Universitäts-Hautklinik, Mainz, Germany 10 Hautklinik, Ludwigshafen, Germany

Fragestellung: Die dermatologische Lehre trifft in deutschen Universitätskliniken auf völlig unterschiedliche Rahmenbedingungen. Welche Strukturen liegen vor? Welche Veranstaltungen werden an den verschiedenen Standorten in welchem Umfang durchgeführt? Methodik: Das „Forum Akademische Lehre“ der DDG hat in einer Online-Befragung an allen medizinischen Fakultäten Deutschlands (n = 36) u.a. nach Lernzielkatalogen, Lernressourcen, Prüfungen, Dozentenschulungen, Veranstaltungen und deren Umfang, beteiligten Dozenten und fakultativen Angeboten gefragt. Ergebnis: Nach zweimaligem Anschreiben antworteten 64% der Universitätskliniken. Durch mehrfaches Nachfragen konnte ein nahezu vollständiger Rücklauf erreicht werden. Es zeigte sich ein sehr heterogenes Bild. Ein dermatologisches Praktikum wird überall angeboten, Untersuchungskurse nur bei etwa 50%. Ein verbindlicher Lernzielkatalog lag bei 20/30 Fakultäten vor, war aber lokal sehr unterschiedlich strukturiert. Am häufigsten wurden im Unterricht Powerpoint-Präsentationen eingesetzt. Fragenkataloge bzw. ein Review-System für Prüfungen gab es nur bei der Hälfte, Standards für mündliche Prüfungen nur bei ca. 15%. Die Hauptvorlesung umfasste im Schnitt 19 Stunden (Minimum 8, Maximum 36), daran waren durchschnittlich 7 Dozenten beteiligt. Die Gruppengröße beim Bed-Side-Teaching variierte von 3 – 18 Studierenden (Median 5). Am Praktikum waren 2 – 30 Dozenten beteiligt (Median 10). Die Zahl der PJ-Studierenden variierte von 2 – 8 (Median 4), 66% der Kliniken boten PJ-Seminare an. Der Umfang der Vorlesung „Dermatologie für Zahnmediziner“ variierte von 2 – 35 Stunden (Durchschnitt 20). Schlussfolgerung: Offensichtlich ist die lokale Lehrsituation bezüglich Dermatologie sehr heterogen. Die erhobenen Daten können auf Fortentwicklungsmöglichkeiten hinweisen und Argumentationshilfe sein, diese Verbesserungen vor Ort umzusetzen.

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Allergologie P003 Schnitzler Syndrom mit promptem Ansprechen auf Omalizumab Grundmann S.A.1, Brehler R.1 1

Universitätsklinikum Münster, Klinik für Hautkrankheiten, Münster, Germany

Bei einer 58-Jährigen bestanden seit 4 Jahren rezidivierende, mäßig juckende Urtikae mit bis zu 24 h Persistenz. Die fast täglich auftretenden Schübe (>100 Quaddeln) waren von systemischen Beschwerden (Unwohlsein, Arthralgien, Rückschmerzen, Leistungsminderung, Schüttelfrost) begleitet. Triggerfaktoren waren nicht eruierbar. Die Patientin war bis auf eine Rhinokonjunktivitis allergica gesund. An Vortherapien wurden hochdosierte Antihistaminika, Montelukast, Cyclosporin A, Hydroxychloroquin und Dapson erfolglos versucht, unter systemischen Steroiden trat unter Ausschleichen ein Rezidiv auf. In der Untersuchung fiel eine Lymphadenopathie auf. Bei mäßiger CRP Erhöhung (100 Nävi. Im Gegensatz dazu traten nävusassoziierte Melanome signifikant seltener bei Patienten mit stark erhöhtem Melanomerkrankungsrisiko auf (atypisches Nävussyndrom, FAMMM-Syndrom, >1 Melanom in der Vorgeschichte). Zusammenfassung: Im Rahmen dieser prospektiven Beobachtungsstudie konnten nävusassoziierte Melanome mit einer hohen Frequenz von 54,2% bei einer Gruppe von 832 Hochrisikopatienten festgestellt werden. Patientencharakteristika wie hohe Nävusanzahl mit stammbetonter Verteilung könnten als ein wichtiges Argument für Verlaufskontrollen mittels der sequentiellen Dermatoskopie und zusätzlichen Übersichtsaufnahmen herangezogen werden, um nävusassoziierte Melanome frühzeitig zu diagnostizieren.

P082 Behandlung mit Secukinumab bewirkt rasche Besserung der subjektiven Belastung durch Psoriasis Körber A.1, Lebwohl M.2, Mordin M.3, Mallaya U.G.4, Gnanasakthy A.4, Fox T.5 1

Universitätsklinikum, Essen, Germany Mt. Sinai Medical Center, New York, United States 3 RTI Health Solutions, Ann Arbor, United States 4 Novartis Pharmaceuticals Corporation, East Hanover, United States 5 Novartis Pharma AG, Basel, Switzerland 2

Einführung: Secukinumab (AIN457), ein vollständig humaner monoklonaler Antikörper gegen Interleukin-17A, wurde in klinischen Studien der Phase 3 hinsichtlich der Wirksamkeit und Sicherheit bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis untersucht. Diese Analyse betrachtet die Korrelation von der Ansprechgeschwindigkeit der Verbesserung der Hautsymptomatik und den beiden Scores für die Lebensqualität DLQI (Dermatology Life Quality Index) und der visuellen Analogskala (VAS) des EQ-5D (EuroQoL 5-Dimension Health Status Questionnaire). Methoden: Diese gepoolte Analyse bezieht sich auf ERASURE und FIXTURE, zwei multizentrische Studien der Phase 3. Patienten ≥18 Jahren wurden (einschließlich einer Gruppe mit 50 mg Etanercept zweimal wöchentlich) für die subkutane Behandlung randomisiert (150 mg Secukinumab, 300 mg Secukinumab und

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Placebo). Für die vorliegende Analyse wurde die klinische Besserung der Psoriasis in Woche 12 anhand des PASI (Psoriasis Area and Severity Index) beurteilt. Der DLQI und der EQ-5D wurden zu Beginn der Studie und in Woche 4, 8, 12, 24, 36 und 52 evaluiert. Die mediane Zeit bis zum Ansprechen wurde nach der Kaplan-Meier-Methode anhand eines Vergleichs der PASI75- und PASI90-Gruppen mittels stratifiziertem Log-Rank-Test geschätzt (Stratifizierung nach geographischer Region und Körpergewicht). Ergebnisse: Die mediane Zeit bis zum Ansprechen gemäß DLQI war in der PASI90-Gruppe im Vergleich zur PASI75-Gruppe signifikant kürzer (DLQI-Ansprechen: 8 vs. 12 Wochen, p< 0,05). Die mediane Zeit bis zum Ansprechen gemäß EQ-5D VAS betrug in beiden Gruppen (PASI90/PASI75) 4 Wochen. Fazit: Die Behandlung mit Secukinumab bewirkt bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis eine rasche Besserung der subjektiven Beeinträchtigung der Lebensqualität. Bei PASI90-Respondern tritt diese Besserung schneller ein als bei PASI75-Respondern.

P083 Psoriasis-Patienten mit PASI90-Response erzielen deutlichere Besserungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität als Patienten mit PASI75-Response Philipp S.1, McLeod L.2, Mallya U.G.3, Fox T.4, Strober B.5,6 1

Charité Universitätsmedizin, Berlin, Germany, 2RTI Health Solutions, Research Triangle Park, United States, 3Novartis Pharmaceuticals Corporation, East Hanover, United States, 4Novartis Pharma AG, Basel, Switzerland, 5University of Connecticut Health Center, Farmington, United States, 6Probity Medical Research, Waterloo, Canada

Einführung und Ziele: Secukinumab (AIN457), ein vollständig humaner monoklonaler Antikörper gegen Interleukin-17A, wurde in klinischen Phase-3-Studien hinsichtlich der Wirksamkeit und Sicherheit bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis beurteilt. Mit dieser Analyse wird der Nutzen einer Besserung der objektiven Symptomfreiheit (definiert als PASI90-Status vs. PASI75-Status) für das subjektive Ansprechen beurteilt. Material und Methoden: Patienten ≥18 Jahren wurden in ERASURE 1:1:1 und in FIXTURE 1:1:1:1 (einschließlich einer Gruppe mit 50 mg Etanercept zweimal wöchentlich) für die subkutane Behandlung randomisiert (150 mg Secukinumab, 300 mg Secukinumab und Placebo). DLQI (Dermatology Life Quality Index) und EQ-5D (EuroQoL 5-Dimension Health Status Questionnaire) wurden zu Beginn der Studie und in Woche 4, 8, 12, 24, 36 und 52 beurteilt. Patienten, die ein klinisches (PASI90 oder PASI75) und subjektives Ansprechen (DLQI (0 oder1) oder EQ-5D VAS (Besserung um mindestens 7 Punkte) erreichten, wurden mittels Chi-Quadrat-Test verglichen. Ergebnisse: Unter den 1144 für Secukinumab randomisierten Patienten waren in Woche 12 550 PASI90-Responder (48,3%) und 292 PASI75-Responder (25,5%). Die Zahl der Patienten, die sowohl klinisch als auch gemäß DLQI ansprachen, war in Woche 12 unter den PASI90-Respondern signifikant höher als unter den PASI75-Respondern (70,0% vs. 48,1%, p < 0,05). Die Ansprechraten gemäß EQ-5 D VAS in Woche 12 waren zwischen PASI90- und PASI75-Respondern vergleichbar (73,8% vs. 70,9%, p > 0,05).

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Fazit: Der Rückgang der Symptome der Psoriasis ist mit Besserungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und des Gesundheitszustandes verbunden, dabei zeigen PASI90-Responder einen signifikant besseren (niedrigeren) DLQI als PASI75-Responder.

P084 Secukinumab bewirkt eine nachhaltige Verbesserung des Patientenfeedbacks über ein Jahr Wilsmann-Theis D.1, Sherif B.2, Mallya U.G.3, Fox T.4, Gottlieb A.5 1

Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Universität Bonn, Bonn, Germany 2 RTI Health Solutions, Research Triangle Park, United States 3 Novartis Pharmaceuticals Corporation, East Hanover, United States 4 Novartis Pharma AG, Basel, Switzerland 5 Tufts Medical Center, Boston, United States

Secukinumab (AIN457), ein vollständig humaner monoklonaler Antikörper gegen Interleukin-17A, wurde in klinischen Phase-3-Studien hinsichtlich der Wirksamkeit und Sicherheit bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis beurteilt. Diese Analyse stellt die Langzeitwirkung der Secukinumabtherapie über 52 Wochen in den Mittelpunkt der Untersuchung. Patienten ≥18 Jahren wurden in ERASURE 1:1:1 und in FIXTURE 1:1:1:1 (einschließlich einer Gruppe mit 50 mg Etanercept zweimal wöchentlich) randomisiert (150 mg / 300 mg Secukinumab und Placebo). Secukinumab wurde über 4 Wochen 1x wöchentlich und ab Woche 4 alle 4 Wochen subkutan verabreicht. Die klinische Besserung der Psoriasis wurde anhand des PASI (Psoriasis Area and Severity Index) und das Patientenfeedback anhand des Dermatology Life Quality Index (DLQI) und der visuellen Analogskala (VAS) des EQ-5D (EuroQOL 5-Dimension Health Status Questionnaire) beurteilt. Nachhaltiges Ansprechen war als PASI90 oder besser in Woche 24 und keine Einschränkung der Lebensqualität (DLQI-Score 0 oder 1) bis Woche 52 definiert. Ähnliche Analysen wurden für den PASI90 in Woche 24 und das EQ-5D-Ansprechen (Anstieg auf der EQ-5D VAS um mindestens 7 Punkte) durchgeführt. Von den 572 für 300 mg Secukinumab randomisierten Patienten erzielten 70% (398/572) in Woche 24 einen PASI90. Von genau diesen Patienten meldeten 81% (324/398) keine Einschränkung der Lebensqualität (DLQI 0 oder 1). Hiervon zeigten 86% (278/324) auch in Woche 52 noch einen PASI90. Ähnliche Ergebnisse wurden für die Beibehaltung des Gesundheitszustands erzielt, gemessen anhand des EQ-5D-VAS-Ansprechens. Insbesondere konnten 91% der Patienten, die in Woche 24 ein fast oder ganz symptomfreies s Hautbild (> = PASI90) und eine deutliche Verbesserung des Gesundheitszustands erreicht hatten, beides über 1 Jahr beibehalten.

P085 Methode der multiplen Imputation bestätigt Wirksamkeit von Secukinumab in der Praxis: FIXTURE und ERASURE Daten zu mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis Reich K.1,2, Langley R.G.3, Fox T.4, Gong Y.5, Güttner A.4 1

Dermatologikum, Hamburg, Germany

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SCIderm Research Institute, Hamburg, Germany Dalhousie University, Halifax, Canada 4 Novartis Pharma AG, Basel, Switzerland 5 Beijing Novartis Pharma Co. Ltd, Shanghai, China 3

Diese Analyse der Daten aus zwei zulassungsrelevanten randomisierten placebokontrollierten multizentrischen 52-wöchigen Phase-3-Studien zu Secukinumab bei Psoriasis untersucht den Einfluss verschiedener Datenimputationsmethoden auf die Beurteilung der Wirksamkeit. Gemäß Prüfplan wurden fehlende Wirksamkeitsdaten mittels Non-Responder-Imputation (NRI) imputiert, einer konservativen Imputationsstrategie, bei der alle fehlenden Daten unabhängig vom eigentlichen Grund des Fehlens als Non-Response klassifiziert werden. Die Wirksamkeit (Anteil der Patienten mit einer Besserung des Psoriasis Area and Severity Index um ≥90% gegenüber Studienbeginn [PASI90]) wurde unter Anwendung anderer Imputationsmethoden erneut analysiert: erhobene Daten (keine Imputation; in die Wirksamkeitsanalyse werden nur Patienten eingeschlossen, für die an den Endpunkten Daten vorliegen), LOCF (Last Observation Carried Forward; Imputation mit dem letzten verfügbaren Ansprechen eines Patienten) und multiple Imputation (MI; jeder fehlende Wert wird durch mehrere Werte ersetzt, die eine Gesamtverteilung der möglichen Daten darstellen). Mit beiden Dosen Secukinumab vs. Placebo und Etanercept wurden alle primären und die wichtigsten sekundären Endpunkte erreicht. Mit den Methoden LOCF und MI wurden vergleichbare PASI90-Raten geschätzt. Der Anteil an PASI90-Respondern bei Anwendung der NRI war zahlenmäßig durchweg geringer als die mit den anderen Methoden erzielten Schätzungen. Die verschiedenen Imputationsmethoden resultierten in abweichenden Schätzungen der Wirksamkeit, wobei die prüfplangemäße NRI durchweg die niedrigsten Schätzwerte ergab. Die stringente Übernahme der Non-Response für alle fehlenden Daten spiegelt die klinische Realität nicht wider und ergibt wahrscheinlich eine ungenauere Schätzung der tatsächlichen Ansprechrate als die MI.

P086 Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit bei simultaner oder sequentieller Behandlung zweier unterschiedlicher Körperregionen mit Ingenolmebutat: Die FIELD-Studie “Head & Body” Pellacani G.1, Larsson T.2, Gilzinger A.3 1

Università di Modena e Reggio Emilia, Clinica Dermatologica dell’Università di Modena e Reggio Emilia, Modena, Italy 2 LEO Pharma A/S, Ballerup, Denmark 3 LEO Pharma GmbH, Medical Department, Neu-Isenburg, Germany

Fragestellung: Diese Studie wurde durchgeführt, um Sicherheit und Wirksamkeit der gleichzeitigen Anwendung mit einem sequentiellen Therapieregime zu vergleichen, wenn zwei unterschiedliche Areale – je eines im Gesicht oder auf der Kopfhaut (150 μ g/g) und eines an Stamm oder Extremitäten (500 μ g/g) – mit Ingenolmebutat behandelt wurden. Methodik: Randomisierte, offene, multinationale Phase III-Studie. Die Patienten wiesen 4–8 klinisch typische sichtbare AK-Läsionen in je einem zusammenhängenden Areal von 25 cm2 im Gesicht oder auf der Kopfhaut sowie an Stamm oder Extremitäten

Poster der 48. DDG-Tagung

auf und erhielten nach Randomisierung entweder eine simultane Behandlung beider Areale oder im Abstand von 8 Wochen. Ergebnis: Insgesamt wurden 199 Patienten randomisiert, n = 101 erhielten eine simultane und n = 98 eine sequentielle Behandlung mit Ingenolmebutat 150μg/g und 500μ g/g Gel für AK in Kopf – bzw. Körperlokalisationen. In der Gruppe mit sequentieller Behandlung komplettierten 78% der Patienten die Studie vs 91% bei simultaner Behandlung . 1 bzw. 2 Patienten zogen Ihre Einwilligung aufgrund aufgetretener unerwünschter Ereignisse (UEs) zurück. Es traten keine statistisch signifikanten Unterschiede des mittleren LSR-Scores an Tag 3 auf (9.7 vs 10.4). Innerhalb der Behandlungsareale wurden 4 bzw.16 UEs berichtet, am häufigsten Juckreiz und Schmerz an der Anwendungsstelle. Die komplette Abheilungsrate nach 8 Wochen war in beiden Armen vergleichbar (52.7% bei simultaner, 46.9% sequentieller Therapie), ebenso die Reduktion an Läsionen (83.4% vs 79.1%). Die von den Patienten berichteten TSQM-Score nach 8 und 16 Wochen waren in beiden Armen gleich. Schlussfolgerung: Die simultane und die sequentielle AK-Therapie unterschiedlicher Köperregionen mit Ingenolmebutat zeigte die gleiche Verträglichkeit und Wirksamkeit. Die Ergebnisse stellen für die klinische Praxis und die Patienten alternative und geeignete Behandlungsmöglichkeiten in der AK-Behandlung mit Ingenolmebutat bereit.

P087 Komorbidität als Prädiktor für “Drug survival” bei Patienten mit Psoriasis Jacobi A.1, Rustenbach S.J.1, Augustin M.1 1

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Hamburg, Germany

Hintergrund: Psoriasis erfordert häufig eine lebenslange Therapie. Dabei wird die Dauer der jeweiligen Behandlung als Drug survival bezeichnet und dient als Marker für den Behandlungserfolg. Komorbiditäten könnten darauf Einfluss haben. Methoden: In dieser retrospektiven Analyse wurden Überlebensraten und Outcome-Parameter bei 67 Psoriasispatienten analysiert, die im Rahmen der Routineversorgung mit Biologics behandelt wurden. Ergebnisse: Insgesamt wurden bei 67 Psoriasis-Patienten 125 Behandlungsperioden mit Adalimumab (n = 37), Efalizumab (n = 9), Etanercept (n = 55), Infliximab (n = 13) und Ustekinumab (n = 11) durchgeführt. 64,2%, der Psoriasis-Patienten waren männlich. Zum Zeitpunkt der ersten Biologic-Behandlung war das Alter 47 (39–52) Jahre und die Erkrankungsdauer betrug 23 (17–31) Jahre. Der Beobachtungszeitraum dauerte ca. 4,2 (0,5– 6,2) Jahre. Die Differenz des Drug Survival zwischen Adalimumab und Infliximab (p = 0,028) und Etanercept und Infliximab (p = 0,01) war bei Psoriasispatienten, die gleichzeitig an Psoriasis-Arthritis (PsA) litten, statistisch signifikant. Im Allgemeinen wiesen die Patienten mit PsA eine signifikant längere Drug-Survival-Rate auf (p = 0,010). Im Hinblick auf Komorbiditäten vom metabolischen Syndrom war die Differenz für Drug Survival zwischen Adalimumab und Infliximab (p = 0,005), Etanercept und Efalizumab (p = 0,027) und Etanercept und Infliximab (p = 0,001) statistisch signifikant. Im Allgemeinen wiesen Patienten mit Komorbidität eine signifikant kürzere Drug-Survival-Zeit auf als Patienten ohne Komorbidität (p = 0,033).

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Schlussfolgerung: Die Effektivität von Biologics nimmt im Laufe der Zeit ab. Patienten mit Komorbiditäten des metabolischen Syndroms wiesen einen stärkeren Verlust an Behandlungsadhärenz für Biologics auf, als Patienten ohne Komorbidität.

Lehrreiche Fälle (Diagnostik) P088 Photoallergisches Kontaktekzem auf 4-tert-Butyl-4methoxy-dibenzoylmethan Herbert V.G.1, Karimi J.1, Booken N.1 1

Dermatologikum Hamburg, Hamburg, Germany

Das photoallergische Kontaktekzem ist eine Typ-IV-Reaktion der Haut als Antwort auf die Kombination von Allergen und UV-Licht (meist UVA), wobei die applizierte Substanz nicht obligat phototoxisch ist. Häufige Photoallergene sind Sonnenschutzmittel, Duftstoffe, antibakterielle Substanzen und Medikamente. Die Dermatitis tritt in lichtexponierten Arealen auf. Wir berichten über einen 66-jährigen Patienten, der seit 25 Jahren über rezidivierende Ekzeme nach Sonnenexposition leidet und sich uns mit einem solchen vorstellte. Heliotropes Makromuster mit unscharfen ekzematösen Streuherden. Starker Pruritus. Bekannte AD. Bei der Arbeitsdiagnose photoallergisches Kontaktekzem wurden verschiedene Untersuchungen eingeleitet. Laboruntersuchungen incl. Differential-BB, klinische Chemie, Allergieprofil bei Erwachsenen unauffällig, Gesamt IgE normwertig. UVA MED 15 J/ cm2, herabgesetzte UVB MED 25 mJ/cm2. Unauffällige Photoprovokation für UVA, UVB. Epikutantestung mit den DGK-Standardreihen unauffällig. Photopatchtest: Nach 72 h im belichteten Areal 2-fach positive Reaktion auf 4-tert-Butyl-4-methoxy-dibenzoylmethan und die eigenen Lichtschutzmittel „La Roche Posay Anthelios XL LSF 50+“ und „Eucerin Sun Allergy Protection Sun Creme-Gel SPF 25 und 50“. Wir empfahlen neben einer topischen antientzündlichen Therapie im Schub eine konsequente Allergenmeidung und Vermeidung von direkter Sonnenstrahlung sowie einen alternativen Sonnenschutz mit z.B. Allergika Vivisun 20 Cremegel. 4-tert-Butyl-4-methoxy-dibenzoylmethan zählt zur Gruppe der Lichtschutzsubstanzen, filtert UV-A-Strahlen und ist ein häufiger Bestandteil von Sonnenschutzmitteln und Kosmetika mit hohem Lichtschutzfaktor. Diese Kasuistik soll verdeutlichen, dass die Bedeutung von Sonnenschutzmitteln als Ursache der photoallergischen Kontaktdermatitis nicht außer Acht gelassen werden darf, insbesondere da das Krankheitsbild bei fortgesetzter Allergenexposition in eine chronische, sich verselbstständigende Form übergehen kann.

P089 Eine Soforttypreaktion auf Kürbiskerne-Trick or treat with pumpkinseed Tuchenhagen A.-M.1 1 Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken Wiesbaden, Klinik für Dermatologie und Allergologie, Wiesbaden, Germany

Wir berichten über einen 31-jährigen Patienten, der während des Verzehrs von Kürbiskernbrot eine Lippenschwellung,

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Poster der 48. DDG-Tagung

Zungenschwellung und Dyspnoe entwickelt hatte. Eine notärztliche Versorgung der Anaphylaxie hatte eine schnelle Besserung der Symptome erbracht. Im Rahmen der allergologischen Diagnostik konnten wir im Prick-to-Pricktest sowie laborchemisch eine Soforttypsensibilisierung gegenüber Kürbiskernen nachweisen.

P090 Chronische Ulcera crurum als initiale Manifestation einer Polyarteriitis nodosa: ein Fallbericht Kratzsch J.M.1, Simon J.-C.1, Voth H.1 1

Universitätsklinikum Leipzig, Dermatologie, Leipzig, Germany

Wir präsentieren den Fall einer 55-jährigen Patientin, die sich über mehrere Jahre mit therapieresistenten chronischen Ulcera crurum vorstellte. Im Verlauf kam es bei der Patientin spontan zu mehreren Episoden fokaler neurologischer Defizite, die sich in der cerebralen Bildgebung als ischämische Hirninfarkte darstellten. In der Subtraktionsangiographie ließen sich vaskulitische Veränderungen sowohl der Hirngefäße als auch der kleinen Nierenarterien nachweisen. In Zusammenschau der klinischen und angiologischen Befunde wurde die Diagnose einer systemischen Polyarteriitis nodosa mit kutaner, nephrogener und cerebraler Beteiligung gestellt. Eine Cyclophosphamid-Bolustherapie in 4-wöchigen Abständen erreichte nicht nur eine neurologische Stabilisierung, sondern auch eine beinahe komplette Abheilung der großflächigen Ulzerationen. Die Polyarteriitis nodosa (PAN) ist eine seltene nekrotisierende Vaskulitis der mittelgroßen und kleinen arteriellen Gefäße. Klinisch findet man bei ca. 1/3 aller PAN-Patienten eine kutane Beteiligung. Systemmanifestationen zeigen sich hauptsächlich im Bereich des Gastrointestinaltraktes, am zentralen und peripheren Nervensystem, an den Gelenken und an den Muskeln. Primäre und sekundäre Vaskulitiden sind mit ca. 13,5% keine seltene Ursache chronischer Wunden, wobei sich die PAN initial nur vereinzelt monosymptomatisch als Ulcus cruris manifestiert. Zusammenfassend sollte bei chronischen Ulzerationen frühzeitig auch an Systemvaskulitiden gedacht werden. Zur initialen Diagnostik empfiehlt sich neben der genauen Anamnese eine ausreichend tiefe Biopsie, die den Ulkusrandbereich und das subkutane Fettgewebe mit einschließt. Bei histologischem Verdacht auf eine nekrotisierende Vaskulitis sollten zeitnah bildgebende Untersuchungen zum Ausschluss von Systemmanifestationen erfolgen.

P091 Tinea incognita nach Meerschweinchenkontakt – eine Dermatomykose durch einen neuen zoophilen Dermatophyten Uhrlaß S.1, Walther T.2, Krüger C.1, Nenoff P.1 1

Labor für medizinische Mikrobiologie, Mölbis, Germany Hautarztpraxis, Leipzig-Schönefeld, Germany

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Bei einer 47jährigen Frau bestanden erythematöse, papulöse, pustulöse und randbetonte Läsionen am Zeigefinger der linken Hand sowie erythrosquamöse Papeln und Plaques am linken Augenlid. Unter dem Verdacht auf ein sekundär bakteriell infiziertes Kontaktekzem wurde mit einem topischen Glukokortikoid (Prednisolon) sowie einer Harnstoff und Macrogollaurylether

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enthaltenden Emulsion behandelt, ohne dass es zu einer Besserung kam. Neben Staphylococcus aureus ließ sich aus beiden Läsionen der zoophile Dermatophyt Trichophyton (T.) Spezies von Arthroderma (A.) benhamiae sowohl kulturell isolieren als auch mittels Polymerasekettenreaktion (PCR) nachweisen. Infektionsquelle für diesen makroskopisch meist gelb pigmentierten und schnell wachsenden Dermatophyten sind fast immer Meerschweinchen (Cavia porcellus form. domestica). Die an einer Depression leidende Frau hielt die Tiere auf Anraten ihres Psychotherapeuten. Die Unterscheidung zu zoophilen Stämmen von Trichophyton interdigitale (frühere Bezeichnung Trichophyton mentagrophytes) ist nicht immer einfach, zumal auch diese lange bekannte Spezies von kleinen Nagetieren – nicht nur Meerschweinchen – auf den Menschen übertragen wird. In einigen Regionen Deutschlands ist T. Spezies von A. benhamiae mittlerweile häufiger als z. B. Microsporum canis. Ausgedehnte Formen der Tinea corporis, insbesondere jedoch die Tinea faciei und auch die Tinea capitis sollten – wie hier geschehen – systemisch behandelt werden. Mittel der Wahl für die orale Therapie ist Terbinafin, Alternativen stellen Fluconazol und Itraconazol dar. Die Patientin erlitt ca. ein halbes Jahr später ein Rezidiv der Tinea faciei. Die entzündliche, follikulär gebundene Läsion oberhalb der Lippe war verkrustet und ließ an eine bakteriell infizierte Herpes-simplex-Virus- (HSV-) Infektion denken. Die HSV-PCR war jedoch negativ. Wegen wiederholtem Nachweis von T. Spezies von A. benhamiae musste erneut systemisch mit Terbinafin behandelt werden.

P092 Gesichtsschwellung und Hydroa-vacciniforme-artige Hautveränderungen: kutane Indikatorläsionen einer systemischen EBV-assoziierten T-Zell-Lymphoproliferation mit Entwicklung eines aggressiven extranodalen EBV-assoziierten NK/T-Zell-Lymphoms Toksoy A.1, Benoit S.1, Buder-Bakhaya K.1, Geissinger E.2, Rosenwald A.2, Grigoleit G.U.3, Knop S.3, Goebeler M.1, Wobser M.1 1 Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum Würzburg, Würzburg, Germany 2 Institut für Pathologie, Universität Würzburg, Würzburg, Germany 3 Medizinische Klinik II, Universitätsklinikum Würzburg, Würzburg, Germany

Eine immunkompetente, 45-jährige Patientin türkischer Herkunft stellte sich mit seit vier Jahren persistierenden Schwellungen und krustösen Papeln im Gesicht sowie enoralen Aphthen vor. Zuletzt zeigten sich rezidivierende Fieberschübe und ein Gewichtsverlust. Der histologische Nachweis einer oligoklonalen EBV-positiven T-Zell-Population in Haut und Mundschleimhaut sowie in Lymphknoten und Knochenmark erbrachte in Zusammenschau mit Klinik, Bildgebung und serologischem Nachweis von EBVDNA (6 × 103 Kopien/ml) und EBV-IgG-Antikörpern die Diagnose einer chronisch aktiven EBV- (CAEBV-) assoziierten T-Zell-Lymphoproliferation. Unter einer Chemotherapie mit CHOP (und experimenteller Intensivierung durch den Anti-CD20-Antikörper Rituximab bei unzureichendem Rückgang der EBV-Kopienzahl) zeigte sich zunächst ein systemisches Ansprechen bei allerdings weiterem Progress der Hydroa-vacciniforme-artigen Hautveränderungen. Vier Monate nach Primärdiagnose und insgesamt vier Jahre nach erstmaligem Auftreten der kutanen Indikatorläsionen wurde die Erstdiagnose eines konsekutiven EBV-assoziierten

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NK-T-Zelllymphoms mit hepatischer Manifestation gestellt. Nach zumindest partiellem Ansprechen sämtlicher Krankheitsmanifestationen auf eine Hochdosischemotherapie (SMILE) erfolgte eine allogene Stammzelltransplantation. CAEBV-Infektionen können mit B-, T- oder NK-Zell-proliferativen Erkrankungen assoziiert sein, wobei insbesondere bei Entwicklung eines hochaggressiven EBV-assoziierten NK/T-ZellLymphoms die Prognose trotz intensiver Therapiemaßnahmen häufig infaust ist. Die Mehrheit der CAEBV-Infektionen sind im asiatischen Raum sowie im Kontext einer Immunsuppression zu finden. Mögliche kutane Manifestationen bestehen in einer Gesichtsschwellung, enoralen Aphthen oder einer Hydroa-vacciniforme-artigen Symptomatik, welche bei unserer Patientin mittels histologischer Sicherung den Schlüssel zur Diagnosestellung und entsprechenden Therapie lieferten.

P093 Schmerzhaftes, therapierefraktäres Ulcus bei einer 75 jährigen Frau Petrucha M.1, Weigert O.1, Hermes B.1 1 Vivantes Klinikum Friedrichshain, Dermatologie und Phlebologie, Berlin, Germany

Vorstellig wird eine 75 jährige Patientin mit einem äußerst schmerzhaften, oberflächlichen, 220 × 200 mm großen Ulcus am linken Oberschenkel proximal lateral. Als Kind litt die Patientin an einer Knochentuberkulose des linken Knies und einer Tuberculosis cutis colliquativa links zervikal. Zu ersten Hautveränderungen am linken Oberschenkel kam es 2008 in Form einer schmerzhaften flächigen Verhärtung. Die bisherige ambulante Therapie umfasste nach bioptischer Diagnose einer Sarkoidose über 5 Jahre hochklassige steroidale Externa, zumeist okklusiv. Die stationäre Aufnahme an unserer Klinik erfolgte Ende 2013 wegen Größenprogredienz des Ulcus und massiver Schmerzen bei den Verbandwechseln. Die umfangreiche Diagnostik mit mehrfacher Tbc PCR, Quantiferontest, Bildgebungen und Labor war unauffällig. Histologisch zeigte sich eine granulomatöse Dermatitis ohne säurefeste Stäbchen oder Pilzelemente. Eine initiale parenterale antibiotische Therapie unter der Arbeitsdiagnose einer irritativ-toxischen Dermatitis blieb ohne Effekt. Nach Vorliegen der Histologie gaben wir mit geringem Erfolg unter der Arbeitsdiagnose eines vegetierenden Pyoderma gangränosum Prednisolon 1,5mg/kg und Azathioprin 50 mg/die. Vier Wochen nach Aufnahme wurde in allen angelegten Kulturen Mycobacterium tuberculosis nachgewiesen. Mit der Diagnose Lupus vulgaris erfolgte der Wechsel auf ein tuberkulostatisches Therpieregime mit rascher Schmerzfreiheit und allmählicher Wundheilung über Monate. Bemerkenswert erscheinen in unserem Fall sowohl die ungewöhnliche Klinik mit der nässenden, erosiv – ulzerösen Wundfläche, als auch der wegweisende Stellenwert der Mikrobiologie. Für eine adäquate Therapie des üblicherweise paucibazillären Lupus vulgaris ist bei aller sonstiger aufwendiger Diagnostik nach wie vor der kulturelle Nachweis des Erregers der Goldstandard. Die Geduld, zu der man durch die lange Generationszeit der Mykobakterien gezwungen wird, stellt für Patienten und Ärzte eine große Herausforderung dar.

P094 Lichen sclerosus et atrophicus auf Radioderm – ein Fallbericht

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Meyer K.M.1, Haferkamp S.1, Schreml S.1, Hohenleutner U.1, Berneburg M.1, Jaeger T.1 1 Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Universität Regensburg, Dermatologie, Regensburg, Germany

Kasuistik: Eine 60-jährige Patientin stellte sich in unserer Klinik mit seit 14 Jahren bestehenden weißlich-porzellanartigen, fokal hämorrhagischen Makulae im Bereich der linken Brust vor. Aufgrund eines invasiv duktalen Mammakarzioms war von Februar bis April 2001 in diesem Areal eine adjuvante Radiotherapie (bis 50,4 Gy) durchgeführt worden. Kurz nach Abschluss der Bestrahlung seien erstmals Hautveränderungen aufgetreten, welche sich im Verlauf auf ein etwa 15 × 20 cm messendes Areal ausgebreitet hätten. Eine entnommene Hautbiopsie sicherte die Verdachtsdiagnose eines Lichen sclerosus et atrophicus. Kommentar: Als Folge einer Radiotherapie können akute oder chronische Hautreaktionen auftreten. Häufigste Nebenwirkungen sind die Radiodermatitis und die radiogene Fibrose zu nennen. Auf dem Boden einer chronischen Radiodermatitis können sich auch Hauttumore wie Basalzellkarzinome oder Angiosarkome entwickeln. Weitaus seltener sind andere postradiogene entzündliche Folgeerkrankungen der Haut in der Literatur beschrieben wie Morphea, Morbus Grover, Wells-Syndrom und Sweet-Syndrom. 1985 wurden erstmals und bislang auch die zwei einzigen Fälle eines Lichen sclerosus et atrophicus (LSA) nach vorausgegangener Radiotherapie bei Mammakarzinom beschrieben. Die Ätiologie des LSA ist weitgehend unbekannt, da jedoch Traumen in manchen Fällen als provozierender Faktor diskutiert werden, könnte der LSA eine isomorphe Antwort auf die Traumatisierung des Gewebes durch Bestrahlung darstellen.

P095 Dermatitis medusica migrans? Engelmann C.1, Edelmann R.1, Heronimus K.C.1, Mechtel D.1 1 Heinrich-Braun-Klinikum, Hautkrankheiten und Allergologie, Zwickau, Germany

Wir berichten über zwei männliche Patienten, die nach Schwimmen im Meer in Sri Lanka über zirzinäre urtikarielle erythematöse Hautveränderungen an beiden Fußrücken mit blutiger Wundsekretion klagten. Vor Ort wurde unter der Diagnose einer „jellyfish dermatitis“ topisch mit Hydrocortison und systemisch mit Cetirizin und Clindamycin ohne nennenswerten Erfolg behandelt. Auf Grund der Anamnese und des klinischen Bildes gingen wir von einem Quallenkontakt im Sinne einer Dermatitis medusica mit konsekutivem gramnegativen Fußinfekt aus und behandelten systemisch mit Ampicillin/Sulbactam und Prednisolon in absteigender Dosierung. Nach initialem Ansprechen zeigte sich eine gangartige Ausbreitung der zunächst durch die Tentakel vermuteten Hautveränderungen. Die Biopsie zeigte lediglich eine toxische Dermatitis im Sinne der Dermatitis medusica. Bei Progress der Hautveränderungen begannen wir unter dem klinischen Verdacht einer (zusätzlichen) Larva migrans mit Ivermectin, worunter beide Patienten eine rasche Besserung berichteten. Insbesondere bei „Reisedermatosen“ und nach Vorbehandlung ist das initiale klinische Bild nicht immer eindeutig. Auch die Hautbiopsie kann, wenn nicht repräsentativ ausgewählt, ohne

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nennenswerte Hilfe sein. Bei unklaren Hautveränderungen sollten diese im Verlauf regelmäßig neu beurteilt und die Therapie entsprechend des klinischen Bildes, der Anamnese und der möglichen Differentialdiagnosen überdacht und umgestellt werden.

P096 Multibazilläre Lepra – ein Fallbericht Brüning J.-H.1, Schubert S.2, Lübbert C.2, Ziemer M.1, Simon J.-C.1, Kunz M.1 1

Universität Leipzig, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Leipzig, Germany 2 Universität Leipzig, Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie, Leipzig, Germany

Hintergrund: Die Lepra ist eine chronische granulomatöse Erkrankung verursacht durch Infektion mit Mycobacterium leprae. Neben der Einteilung nach Ridley-Jopling anhand des klinischen und Immunstatus in tuberkuloide und lepromatöse Lepra unterteilt man die Lepra laut WHO anhand eines Hautabstrichs oder der Anzahl auftretener Läsionen in paucibazillär und multibazillär. Diagnosekriterien sind hypopigmentierte oder erythematöse Makulae mit Sensibilitätsverlust, histologisch verdickte periphere Nerven mit Verlust von Hautadnexstrukturen sowie ein positiver bakterieller Abstrich. Je nach klinischer Form wird die Lepra mit Rifampicin, Clofazimine und Dapson in unterschiedlichen Kombinationsschemata therapiert. Fallbeschreibung: Ein 35-jähriger brasilianischer Patient zeigte im Bereich der oberen Extremitäten großflächige, hypopigmentierte, sensibilitätsgeminderte flache Plaques und derbe Makulae mit Alopezie. Zusätzlich bestand im Bereich der Hände eine schmerzhafte endgradige Bewegungseinschränkung. Die Beschwerden waren über Jahre langsam progredient.Es erfolgte eine histologische Untersuchung, ein Nasen-Rachenabstrich, eine infektiologische und serologische Untersuchung, sowie eine Neuro-und Thermographie. Bei spezifischem IgM-Antikörpernachweis gegen das phenolische Glycolipid-1 (PGL-I)1:1200 und positivem Abstrich wurde die Diagnose einer multibazillären Lepra gestellt. Unter Kombinationstherapie mit Rifampicin 600mg/mtl, Dapson 100mg/tgl und Clofazimine 100–200mg/tgl zeigte der Patient nach 6 Monaten eine Befundverbesserung. Die Therapie wird zur Zeit fortgeführt. Eine aufgetretene Typ-1 Leprareaktion wurde mit oralem Prednisolon und Clofazimine in erhöhter Dosierung behandelt. Fazit: Die Lepra zeigt klinisch ein vielfältiges Bild und sollte bei entsprechender Anamnese und Klinik auch in unseren Breiten als Diagnose mit in Betracht gezogen werden. Die multibazilläre Lepra erfordert oft eine Kombinationstherapie und monatelange Behandlung.

P097 Unfreiwillige Reexposition – einfach nur Pech? Paulmann M.1, Mockenhaupt M.1 1

Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Dokumentationszentrum schwerer Hautreaktionen, Freiburg, Germany

Schwere blasenbildende Hautreaktionen wie Stevens-Johnson-Syndrom (SJS), Toxisch epidermale Nekrolyse (TEN) und

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Generalisiertes bullöses fixes Arzneiexanthem (GBFDE) werden überwiegend durch Arzneimittel induziert. Es bestehen Erytheme und Blasen der Haut und bei SJS/TEN auch Erosionen der Schleimhaut. Die Reaktionen sind selten, verlaufen aber häufig tödlich. Für die Prognose ist die Abgrenzung von GBFDE und SJS/TEN entscheidend. Eine 82jährige Patientin entwickelte erythematöse Plaques mit Blasenbildung am gesamten Integument. Die Schleimhäute waren unauffällig. Die Histologie zeigte eine subepidermale Spaltbildung, Epidermisnekrosen und ein perivaskuläres Entzündungsinfiltrat; die Immunfluoreszenz war negativ. Aufgrund dieser Befunde wurde die Diagnose eines GBFDE gestellt. Metamizol konnte als Auslöser identifiziert werden. Der Epikutantest in loco war negativ, dennoch wurde ein Allergiepaß ausgestellt. 3 Jahre später kam es erneut zu einem GBFDE nach Metamizol. Eine 91jährige Patientin entwickelte eine Rötung mit Blasenbildung sowie erosiver Lippenbeteiligung. Der Befund war im Verlauf stark progredient und führte zu einer großflächigen Epidermolyse. Die Histologie zeigte einen wie oben beschriebenen Befund, so dass ebenfalls die Diagnose eines GBFDE gestellt wurde. Mögliche Auslöser waren Metamizol und Cefuroxim. Ein Verdachtsallergiepaß wurde ausgestellt und nach Abheilung sollte ein Epikutantest in loco durchgeführt werden. Zuvor erhielt die Patientin erneut Metamizol und entwickelte ein Zweitereignis innerhalb von 3 Monaten. Beide Patientinnen konnten trotz ihres hohen Alters und einer Hautablösung von mehr als 10% nach 2–3wöchiger stationärer Behandlung entlassen werden. Beide erlitten trotz bekanntem Auslöser und vorhandenem Allergiepaß eine erneute Reaktion. Häufig sind Wiederholungsereignisse schwerer und führen zum Tod (22% Letalität). Zum Schutz der Patienten sollten auffällige Alternativen, z.B. Armband mit Angabe des Allergens, gefunden werden.

P098 Erythema-nodosum-artige Pannikulitis und Exanthem unter Systemtherapie mit Vemurafenib bei metastasiertem Melanom Behle V.1, Hamm H.1, Gesierich A.1, Kneitz H.1, Goebeler M.1 1

Würzburg, Dermatologie, Würzburg, Germany

Kutane Nebenwirkungen durch den B-RAF-Inhibitor Vemurafenib sind ein häufig beschriebenes Phänomen. Insbesondere treten Exantheme, Sonnenbrände aufgrund erhöhter Photosensibilität, Verrucae, Keratoakanthome und Plattenepithelkarzinome auf. Wir berichten über eine 68-jährige Patientin mit Melanom im Stadium IV, bei der sich am 6. Einnahmetag des B-RAF-Inhibitors erythematöse, druckschmerzhafte Nodi an Gesäß und proximalen Oberschenkeln ausbildeten. In der Probebiopsie zeigte sich das Bild einer frischen septo-lobulären Pannikulitis mit reichlich neutrophilen Granulozyten, passend zum Initialstadium eines Erythema nodosum. Bereits nach zwei Tagen waren die Nodi unter topischer Therapie mit Clobetasol-Creme abgeflacht und nur noch als flaue Rötung erkennbar. Zusätzlich entwickelte die Patientin wenige Tage später ein Erythema exsudativum multiforme-artiges Exanthem mit Fieber bis zu 38,5 °C. Die Vemurafenib-Dosis wurde zunächst reduziert, bei aber nur langsam rückläufigem Exanthem abgesetzt. Im Verlauf kam es innerhalb von 10 Tagen nach Absetzen zu einer vollständigen Abheilung des

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Exanthems. Aufgrund der ausgeprägten Hautreaktion in Kombination mit Fieber entschlossen wir uns, auf den alternativ verfügbaren B-RAF-Inhibitor Dabrafenib umzustellen; hierunter entwickelten sich im Verlauf keine kutanen Nebenwirkungen. In der Literatur wurden bislang lediglich 2 Fälle einer Erythema-nodosum-artigen Pannikulitis beschrieben, die unter Therapie mit Vemurafenib auftraten. Unser Fall demonstriert, dass sich eine Erythema-nodosum-artige Pannikulitis in zeitlichem Zusammenhang mit anderen Hautreaktionen entwickeln kann und sich nach Absetzen des Auslösers unter topischer Therapie mit potenten Glukokortikoiden rasch bessert. Der Wechsel auf einen anderen BRAF-Inhibitor (Dabrafenib) führte bei unserer Patientin nicht zu einem Wiederaufflammen des Exanthems und/oder der Erythema-nodosum-artigen Pannikulitis.

P099 Nekrobiotisches Xanthogranulom Wilm A.1, Berneburg M.1, Karrer S.1 1

Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Universität Regensburg, Regensburg, Germany

Bei der 49-jährigen Patientin bestanden seit 2006 größenprogrediente, schmerzhafte, schmierig belegte, im Randbereich weit unterminierte Ulzera an Unterschenkeln und Füßen, teils mit festhaftenden Nekrosenplatten. Am gesamten Integument zeigten sich bis zu 3 cm große, derbe, rötliche subkutane Knoten. 2005 war eine Radiatio beider Orbitae bei V.a. Pseudotumoren erfolgt, seitdem Amaurosis mit kompletter Destruktion der Hornhaut und putridem Ausfluss aus beiden Orbitae. Aktenanamnestisch multiple Komobiditäten, u.a. eine monoklonale Gammopathie und ein Klippel-Trenaunay-Syndrom mit Hypertrophie rechten oberen Extremität. Histologisch zeigte sich ein bis ins subkutane Fettgewebe reichendes, xanthogranulomatöses Infiltrat mit Nekrobiosezonen und zahlreichen schaumigen Histiozyten sowie mehrkernigen Riesenzellen. Es wurde die Diagnose eines nekrobiotischen Xanthogranuloms gestellt. Eine Therapie mit 80 mg Prednisolon täglich führte zu einer zunehmenden Reepithelisierung der Ulzera, einer Rückbildung der Knoten und einem Rückgang der Schmerzsymptomatik. Das nekrobiotische Xanthogranulom, 1980 von Kossard und Winkelmann beschrieben, ist eine seltene Erkrankung unbekannter Ätiologie, die in über 80% der Fälle mit einer monoklonalen IgG Gammopathie assoziiert ist. An der Haut zeigen sich rötlich-gelbliche Papeln und Knoten mit Teleangiektasien, die zu zentral atrophischen Plaques konfluieren können. In 40% kommen sekundär Ulzerationen dazu. Am häufigten ist die Periorbitalregion betroffen, ophthalmologische Komplikationen können bis zur Erblindung führen. Extrakutane Manifestationen wie Hepatosplenomegalie sind möglich. Viele Therapieansätze zielen auf die Behandlung der zugrundeliegenden hämatologischen Erkrankung, in Fallberichten beschrieben sind z.B. Kortikosteroide, Radiatio, Plasmapherese, extrakorporale Photopherese, Chlorambucil, Cyclophosphamid, Methotrexat, Azathioprin, Dapson, Thalidomid, Lenalidomid, intravenöse Immunglobuline und Interferon.

P100 Gut differenziertes Chondrosarkom am Sternum

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Förster D.1, Baltaci M.1, Pullmann-Tesch S.1, Assaf C.1 1

Helios Klinik für Dermatologie und Venerologie, Krefeld, Germany

Eine 90-jährige Patientin stellte sich mit einem seit einem halben Jahr größenprogredienten Knoten am Sternum vor. Bei der körperlichen Inspektion sahen wir am Sternum einen faustgroßen, harten, subkutanen Tumor, der nicht verschieblich war. Die histologische Untersuchung einer Biopsie ergab Veränderungen, die zu einem Chondrosarkom passten, wobei allein durch die feingewebliche Untersuchung ein Chondrom nicht auszuschließen war. Die Computertomografie zeigte im Bereich des Manubrium sterni eine ca. 7,2 × 6,8 cm große, infiltrativ in das prästernale Fettgewebe und in die angrenzende Pektoralismuskulatur wachsende Raumforderung, mit nahezu vollständiger Destruktion des Manubrium sterni sowie des angrenzenden Corpus sterni. In Zusammenschau der Histologie mit der Bildgebung wurde die Diagnose eines gut differenzierten Chondrosarkoms gestellt. Aufgrund des fortgeschrittenen Alters und des schlechten Allgemeinzustandes der Patientin wurde eine Chemotherapie als nicht sinnvoll erachtet. Auch die Möglichkeit einer chirurgischen Sanierung war aufgrund des fortgeschrittenen Befundes nicht gegeben, so dass eine Radiatio durchgeführt wurde. Konklusion: Histologisch keine sichere Aussage über die Dignität möglich, erst durch die klinisch-pathologische Korrelation lässt sich die Dignität beurteilen. Literatur: Dürr R., Schlemmer M., Wilkowski R. et al. Arthritis+ Rheuma 27 (2007): 141–150. Petersen I., der Pathologe 34 (2013): 436–448.

P101 Pemphigus foliaceus mit Teilphänomenen eines Pemphigus vegetans Karwath M.1, Demmler D.1, Marcus E.L.1, Hannemann C.1, Fuster Estruch S.1, Müller J.1, Fischer M.1 1

Klinik für Dermatologie und Venerologie, Aue, Germany

Der Pemphigus foliaceus ist eine der häufigeren Ursachen blasenbildender Autoimmunerkrankungen. Dennoch bereitet das vielgestaltige klinische Bild immer wieder Schwierigkeiten und verzögert die korrekte Einordnung. Bei einem 85jährigen Mann bestanden seit mehreren Wochen Erosionen der Stirn und Augenlider. Die initiale Labordiagnostik unter dem Verdacht einer Kontaktdermatitis ergab keine Auffälligkeiten. Innerhalb von zwei Wochen entwickelte sich dann eine massive Pachydermie der Augenlider sowie nässende verruköse Plaques inguinal. Diverse Biopsien zeigten eine ausgeprägte durch eosinophile Granulozyten dominierte Entzündung. Erst in einer Rebiopsie fand sich eine ältere intraepidermale Blase. In der indirekten Immunfluoreszenz gelang der Nachweis von Desmoglein1-Ak. Unter einer Therapie mit Prednisolon und Azathioprin trat die vollständige Rückbildung der Pachydermie und der Erosionen. Der vorliegende Fall ist klinisch ein Mischbild eines Pemphigus foliaceus und eines Pemphigus vegetans. Ungewöhnlich ist die rasche Entwicklung von Vegetationen, die beim Pemphigus foliaceus, wenn überhaupt, erst nach längerer Krankheitsdauer auftreten.

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P102 Chronische Hautveränderungen bei erythropoetischer Protoporphyrie Meister L.1, Ochsendorf F.1, Valesky E.M.1, Kaufmann R.1 1

Universitätsklinikum Frankfurt, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Frankfurt, Germany

Hintergrund: Die erythropoetische Protoporphyrie manifestiert sich in der Regel im Kindesalter mit einer stark erhöhten Photosensitivität. Nach UV-Bestrahlung kommt es zu sonnenbrandähnlichen Erythemen, Ödemen und Quaddeln. Neben den akuten, meist reversiblen Reaktionen, gehen aber auch chronische Hautveränderungen mit der erythropoetischen Protoporhyrie einher. Fallbericht: Wir berichten über einen 60-jährigen Patienten bei dem seit dem jungen Erwachsenenalter eine erythropoetische Protoporhyrie bekannt ist. Im Rahmen einer akut verlaufenden protoporphyrin-induzierten Leberzirrhose erfolgte 20 Jahre zuvor eine Lebertransplantation. Der Patient entwickelte über Jahrzehnte an den chronisch sonnenexponierten Lokalisationen (Handrücken, Nase, Ohrenmuschel) symptomlose, flach erhabene, lichenoide Papeln mit Vergröberung des Hautreliefs. Am Nasenflügel zeigen diese Papeln einen angiofibromähnlichen Charakter, möglicherweise als Kontinuum der vorbeschriebenen lichenoiden Papeln. Schlussfolgerung: Die akuten Hautmanifestationen der erythropoetischen Protoporphyrie sind gut dokumentiert, dennoch sollten in diesem Zusammenhang auch die chronischen Hautveränderungen beachtet werden.

P103 Dramatischer Verlauf eines Pyoderma gangraenosum Herrgott I.1, Metze D.1, Broekaert S.1, Lippert U.2, Ehrchen J.1 1

Universitätsklinik Münster, Dermatologie, Münster, Germany Universitätsmedizin Göttingen, Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Göttingen, Germany

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Wir berichten über eine 64-jährige Patientin, die 2010 erstmals eine Ulzeration am Capillitium entwickelte. Histologisch wurde auswärtig die Diagnose eines Pyoderma gangraenosum gestellt. Dies sprach initial gut auf eine orale Methylprednisolon-Therapie an, zeigte jedoch eine sofortige Rezidivneigung bei Reduktion unter 4mg. Es erfolgten weitere Therapieversuche mit Azathioprin, Ciclosporin und Remicade ohne deutliches Ansprechen. In den weiterführenden Untersuchungen fand sich in der Lunge eine entzündliche Einschmelzung im rechten Unterlappen, die histologisch als Beteiligung bei Pyoderma gangraenosum gedeutet wurde. Es wurde zusätzlich eine Behandlung mit Methotrexat (MTX) begonnen. Einen Monat später (2 ½ Jahre nach Erstmanifestation) stellte sich die Patientin bei uns mit neuaufgetretenen disseminierten Hautveränderungen (HV) am Integument und einem ca. 12×12cm großem Defekt am Capillitium vor trotz bestehender hoch dosierter Immunsuppression. In der weiteren Diagnostik zeigten sich ein IgG-Mangel, ein erhöhtes Ferritin und CRP, eine Anämie und eine Thrombozythämie. Mittels erneuter Histologie der HV am Integument ergab sich nun der V.a. eine Herpes-Virus-Infektion. Mittels PCR wurde Varizella Zoster

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schließlich in mehreren Abstrichen von den HV am Integument bestätigt. Trotz sofortiger Initiierung einer hochdosierten antiviralen Therapie mit Aciclovir kam es zu einem septischen Verlauf mit Verschlechterung des Allgemeinzustandes und respiratorischer Insuffizienz. Eine Therapieeskalation mit Meronem, Vancomycin und Caspofungin zeigte keinen Effekt, so dass die Patientin leider innerhalb von wenigen Tagen verstarb. Wir stellten abschließend die Diagnose eines fatalen Herpes Zoster bei Immunsuppression mit internen Steroiden und MTX. Zusammenfassend sollten bei ungewöhnlichem Verlauf von autoinflammatorischen Erkrankungen trotz lange gesicherter Diagnose dringend infektiöse Differentialdiagnosen sowie Immundefekte (IgG-Mangel) ausgeschlossen werden.

P210 Kutanes nekrobiotisches Xanthogranulom bei Paraproteinämie mit mukokutaner und viszeraler Beteiligung. Schott R.1, Bonnekoh B.1, Reschke K.2, Franke I.1, Gollnick H.1 1

Otto-von-Guericke-Universität, Medizinische Fakultät, Klinik für Dermatologie und Venerologie, Magdeburg, Germany 2 Otto-von-Guericke-Universität, Medizinische Fakultät, Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie, Magdeburg, Germany

Eine 66-jährige Patientin wurde im März 2014 wegen enoralen Läsionen sowie multiplen gelblichen Knoten und Plaques im Gesicht, an Stamm und oberen Extremitäten sowie eines Ulcus am Labium majus pudendi vorgestellt. Unter der auswärtigen, teils bioptisch unterstützten Diagnose einer Sarkoidose-Variante mit Multiorganbefall (2012) befand sie sich in internistischer Behandlung. Als Nebendiagnose bestand ein Smoldering Myelom mit monoklonaler Gammopathie (IgG Kappa). Dermatopathologie: nekrobiotische, xanthogranulomatös infiltrierte Areale in der Dermis mit Epitheloidzellen, schaumigen Histiozyten, Riesenzellen vom Touton-Typ sowie bizarre Fremdkörperriesenzellen; innerhalb der nekrobiotischen Zone spaltförmige Lakunen entsprechend Cholesterinablagerungen; Immunhistologie für CD1a und S100 negativ. Spezialfärbung auf Stabilin-1: Schaumund Riesenzellen heterogen, jedoch überwiegend positiv (Prof. Goerdt, Mannheim). Paraklinik: mikrozytäre hypochrome Anämie, Eosinophilie, Lympho- und Monozytose, HDL-Erniedrigung, ACE-Erhöhung, HLA-B27-Positivität. Abschließende Diagnose: normolipämisches nekrobiotisches Xanthogranulom, a.e. infolge einer Paraproteinämie, mit muko-kutaner und viszeraler Manifestation. Seitens der mitbehandelnden Internisten wird ein Therapieversuch mit Bortezomib erwogen (Proteasom-Inhibitor, zugelassen beim Plasmozytom). Beim nekrobiotischen Xanthogranulom [Kossard und Winkelmann 1980] handelt sich um eine seltene Erkrankung aus dem Formenkreis der Nicht-Langerhanszell-Histiozytosen (weltweit etwa 100 Fälle beschrieben). Ätiopathogenetisch findet sich in etwa 80% der Fälle eine Assoziation zu einer Paraproteinämie. Wahrscheinlich kommt es zu einer Komplexbildung der Paraproteine und von Lipoproteinen mit konsekutiver Phagozytose und dermalen Ablagerungen. Die Behandlung der Grunderkrankung steht im Vordergrund. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ist von großer Bedeutung. Erst der dermatopathologische Befund war für die Diagnosestellung wegweisend.

Poster der 48. DDG-Tagung

Lehrreiche Fälle (Therapie) P104 Erfolgreiche Therapie einer Necrobiosis lipoidica mit PUVA und intraläsionalen Steroiden Rudolph B.M.1, Butsch F.1, Wilden S.1, Becker D.1 1

Universitätsmedizin Mainz, Hautklinik, Mainz, Germany

Bei der Necrobiosis lipoidica handelt es sich um eine seltene granulomatöse Hauterkrankung, die zumeist am ventralen Unterschenkel lokalisiert ist. Klinisch zeigen sich scharf begrenzte, atrophische, gelbliche Plaques mit bräunlichem Randsaum. Die Ätiologie ist unklar, ein Zusammenhang mit metabolischen Erkrankungen, insbesondere dem Diabetes mellitus, oder Traumata werden vermutet. Als Komplikation können Ulzerationen auftreten. Da es bisher keine etablierten Behandlungsschemata gibt, stellt die Erkrankung eine therapeutische Herausforderung dar. Wir berichten über eine 58-jährige Patientin mit seit einem Jahr progredienten gelblichen Plaques mit erythematösem Randwall am ventralen linken Unterschenkel und rechten Fußrücken. Als Vorerkrankung bestand eine Hyperlipoproteinämie. Ein Diabetes mellitus lag nicht vor, ebenso wurden keine Bagatelltraumata berichtet. Eine Probebiopsie bestätigte die Verdachtsdiagnose einer Necrobiosis lipoidica. Die Hautveränderungen bereiteten der Patientin keine subjektiven Symptome, waren aber im Verlauf größenprogredient, sodass eine Therapie mit einem lokalen Steroid begonnen wurde. Diese zeigte jedoch auch nach mehreren Wochen kein Ansprechen. Wir behandelten die Patientin daraufhin mit Creme-PUVA bis zu einer Dosis von 3,5 J/cm2 dreimal wöchentlich für insgesamt 6 Wochen, wobei auf ein striktes Bestrahlungsfeld geachtet wurde, um die umliegende gesunde Haut vor UV-Schäden zu schützen. Da sich hierunter nur eine langsame Besserung zeigte, ergänzten wir die Therapie mit intraläsionaler Verabreichung von Triamcinolon. Unter der Kombinationstherapie kam es zu einem kontinuierlichen Abblassen der Läsionen. Dieser Fall zeigt erneut, dass es sich bei der Necrobiosis lipoidica um eine therapieresistente Hauterkrankung handelt. Die Kombination aus lokaler PUVA und intraläsionalen Steroiden stellt eine mögliche erfolgversprechende Behandlungsoption dar. Beobachtungen an größeren Kollektiven sind notwendig, um das Therapieschema zu evaluieren.

dieser immer noch letalen und mit schlechter Prognose behafteten Erkrankung, es besteht eine 5-Jahres Überlebensrate von nur zwischen 10%-22%, scheint zuzunehmen. Glücklicherweise handelt es sich um einen Tumor großen Seltenheit (0,5–4% aller malignen Tumore des unteren gastrointestinalen Traktes), jedoch stellt das Anorektum bereits die dritthäufigste Lokalisation für ein Melanom nach Dermis und Retina dar. Die primäre Therapie stellt weiterhin die komplette chirurgische Entfernung dar, in welchem Ausmaß ist immer noch Bestandteil vieler Diskussionen. Sie stellt die größte Hoffnung auf Heilung für den Patienten dar. Die meist sehr späte Diagnose, bei dann bereits weit fortgeschrittener Metastasierung erschwert häufig eine erfolgreiche Therapie. Trotz neuer Therapieoptionen mit dem CTLA-4-Blocker Ipilimumab und Vemurafenib muss auch die Art der chirurgischen Behandlung erneut diskutiert werden. War die abdominoperineale Resektion häufig die Therapie der Wahl, hat die schlechte postoperative Lebensqualität, bei einem häufig nur palliativen Eingriff, zu einem Umdenken geführt:. Auch die Art und der Lymphknotenbehandlung solllte überdacht werden. Anhand von 5 Fallbeispielen, die in den letzten 18 Monaten in unserer Klinik behandelt wurden, wollten wir versuchen adäquate chirurgische Vorgehensweise aufzeigen.

P106 Nekrobiotisches Xanthogranulom Böhm B.1, Pullmann-Tesch S.1, Assaf C.1 1

HELIOS Klinikum Krefeld, Hautklinik, Krefeld, Germany

Eine 60-jährige Patientin stellte sich in unserer Ambulanz vor und berichtete über seit 6 Jahren bestehende, größenprogrediente, gelbliche, derbe, periorbitale Plaques. Laborchemisch war eine monoklonale Gammopathie vom Typ IgG lambda auffällig. Histologisch sahen wir Palisadengranulome mit Nekrobiose und Cholesterinspalten, typisch für ein nekrobiotisches Xanthogranulom. Unter einer systemischen Cyclophosphamid-Puls-Therapie, die alle vier Wochen durchgeführt wurde, sowie Unterspritzungen mit Triamcinolon Kristallsuspension zeigten die Hautveränderungen eine gute Rückbildung sowohl klinisch als auch radiologisch (MRT). Ferner konnte ein Rückgang des monoklonalen Gradienten in der Immunelektrophorese nachgewiesen werden.

P105

P107

Das anorectale mucosale Melanom (ARMM) aus chirurgischer Sicht

Eosinophile Pneumopathie als Komplikation einer mit Dapson therapierten linearen IgA Dermatose

Roblick M.H.1

Meinzer F.S.1, Nilius G.2, Lehmann P.1, Hofmann S.1

1

1

edh Hannover, Koloproktologie, Hannover, Germany

Helios Klinikum Wuppertal Barmen, Wuppertal, Germany Helios Klinik Hagen-Ambrock, Hagen, Germany

2

Das anorectal mucosal melanoma (ARMM) ist eine Tumorentität die Behandler und Patient oft gleichermaßen mit seiner Divergenz und seinen unterschiedlichen Verhalten überrascht. Beim ARMM handelt es sich um einen Subtyp des malignen Melanoms. Dieser Subtyp ist extrem aggressiv und metastasiert frühzeitig lymphogen wie auch hämatogen. 70% dieser Tumore haben bereits bei Diagnosstellung möglicherweise auf Grund der guten Gefäß- und Lymphversorgung der Anorektalregion metastasiert. Die Inzidenz

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Bei einer 69-jährigen Patientin mit juckenden disseminierten anulären erythematösen Plaques mit randständiger Blasenbildung hatten wir im Juni 2012 aufgrund von IgA-Ablagerungen an der dermoepidermalen Junktionszone in der direkten Immunfluoreszenz die Diagnose einer linearen IgA Dermatose (LAD) gestellt. Bei normwertiger Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase erfolgte eine Therapie mit Dapson 100 mg/d, worunter es rasch zur Abheilung

149

Poster der 48. DDG-Tagung

des Hautbefundes kam. Nach einigen Monaten wurde Dapson vom Hausarzt wegen Leistungsabfalls und moderater Anämie abgesetzt und durch Azathioprin 100 mg/d ersetzt. Hierunter kam es jedoch erneut zum Auftreten von Juckreiz und Bullae. Dapson wurde erneut angesetzt, wobei eine Dosis von 50 mg jeden 2. Tag schließlich als Erhaltungstherapie ausreichte. Im Verlauf klagte die zuvor bis auf eine Hypothyreose internistisch gesunde Patientin über eine zunehmende Belastungsdyspnoe, die CT-morphologisch im August 2014 einer interstitiellen Lungenerkrankung zugeordnet werden konnte. Die Lungenfunktion ergab eine restriktive Ventilationsstörung und in der BAL zeigten sich vermehrte eosinophile Granulozyten. In Zusammenschau dieser Befunde wurde die Diagnose einer fibrosierenden Lungenerkrankung vom Typ einer NSIP (nichtspezifischen interstitiellen Pneumopathie) gestellt. Dieses Krankheitsbild ist als seltene Nebenwirkung von Dapson beschrieben, weshalb Dapson abgesetzt und eine Therapie mit Prednisolon 20 mg/d über 6 Wochen eingeleitet wurde. Darunter kam es zu einer raschen Besserung der Symptomatik. Dapson gilt als Therapie der 1. Wahl bei neutrophilenreichen bullösen Autoimmundermatosen wie der LAD. Eine bekannte Nebenwirkung ist die Hämolyse und Methämoglobinämie. Interstitielle Lungenerkrankungen stellen eine seltene, aber schwerwiegende Komplikation einer Dapson-Therapie dar, die bisher vor allem bei Lepra-Patienten beobachtet wurde. Unseres Wissens nach ist dies der erste Fall einer eosinophilen Pneumopathie bei mit Dapson therapierter LAD.

P108 Der Silbermann-Argyrie der Haut nach Einnahme einer Silberkolloidlösung Butzmann C.M.1, Technau-Hafsi K.1, Bross F.1 1

Klinik für Dermatologie und Venerologie, Freiburg, Germany

Wir berichten über einen Patienten mit ausgeprägtem bläulich-grauem Hautkolorit mit besonderer Betonung des Gesichtes nach Einnahme einer selbst hergestellten Silberkolloidlösung. Die Verdachtsdiagnose einer Argyrie ließ sich histologisch bestätigen und auch im Blut konnte eine massiv erhöhte Silberkonzentration von 31,000 μ g/l (Norm ≤1 μ m/l) gemessen werden. Anamnestisch bestand bei unserem Patienten außerdem ein zeitlicher Zusammenhang zwischen der Einnahme der Silberkolloidlösung und dem erstmaligen Auftreten einer Schizophrenie. Inwiefern es einen Zusammenhang zwischen der Einnahme der Silberkolloidlösung und der Erstmanifestation der Schizophrenie gibt ist unklar. Wir entschieden uns für einen Behandlungsversuch mit dem Q-switsched 1064nm Neodym-Yttrium Aluminium Garnet Laser (Nd: YAG Laser). Die Probebehandlung an einem kleineren Areal mit 0,9 Joule/cm2 und einer Spot Größe von 3mm zeigte vier Wochen nach Behandlungsbeginn eine deutliche, narbenfreie Aufhellung des Hautareals, die auch im folgenden Jahr bestand hatte. Aufgrund der starken Schmerzhaftigkeit wäre eine Weiterführung der Therapie für unseren Patienten nur in Allgemeinanästhesie möglich gewesen. Dies wurde von dem Patienten abgelehnt. Unser Fallbericht zeigt die erfolgreiche Behandlung einer Argyrie durch Einnahme einer Silberkolloid-Lösung mittels Nd: YAG Laser. Besonders bei einer Stigmatisierung des Patienten durch sichtbare Graufärbung des Gesichtes kann sie einfach durchgeführt werden und von dauerhaftem Nutzen sein.

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P109 Erfolgreiche Behandlung einer therapieresistenten Pityriasis rubra pilaris mit Etanercept Vogel A.-S.1, Marsch W.C.1, Taube K.-M.1, Kreft B.1 1

Universitätsklinikum Halle (Saale), Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Poliklinik für Dermatologie und Venerologie, Halle (Saale), Germany

Die Pityriasis rubra pilaris ist eine seltene, überwiegend erworbene Erkrankung unbekannter Ätiologie. Bei teils auch fulminantem Beschwerdebild ist mit einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität und Komplikationen zu rechnen [1]. Klinisch manifestiert sich das Vollbild der Erkrankung oftmals durch eine Erythrodermie. Die Therapie ist schwierig und herausfordernd. Im nachfolgenden Fall soll eine therapeutische Alternative bei einem hartnäckigen, ausgeprägten Erkrankungsverlauf präsentiert werden. Der Patient litt bei Erstvorstellung seit ca. 14 Tagen unter einem progredienten, psoriasiform anmutenden Exanthem. Bei Aufnahme bestand bereits eine Erythrodermie mit auffälligen “nappes claires“ sowie wachsartigen Hyperkeratosen palmar bds. Begleitendend bestanden Juckreiz, Brennen und Schüttelfrost. Der histologische Befund war gut mit einer Pityriasis rubra pilaris vereinbar. Andere Differenzialdiagnosen konnten ausgeschlossen werden. Hinweise auf assoziierte Erkrankungen ergaben sich nicht. Trotz intensiver Therapie mittels glukokortikosteroididhaltiger Externa sowie einer Re-PUVA mit Acitretin (30 mg/d) konnte nach vier Monaten keine Beschwerderemission erzielt werden. Ebenfalls zeigte die second-line Therapie mit MTX 20mg/Woche über acht Wochen einen frustanen Behandlungsverlauf. Aufgrund der generalisierten Beschwerdesymptomatik und der Therapierefraktärität eskalierten wir daher die Medikation mit Etanercept 50 mg/Woche s.c.. Erstmals zeigte sich hierunter eine bisher anhaltende Remission. Die Pityriasis rubra pilaris ist eine chronische, teils schwer therapiebare Erkrankung [1]. Neben den bisher üblichen Behandlungsstrategien mittels Retinoiden, PUVA und in zweiter Linie Immunsuppressiva (z.B.: MTX) kann der Einsatz von TNF-alpha Antagonisten bei ausgewählten Patienten eine erfolgreiche (off-label) Alternative darstellen. [1] Wollina U. Pityriasis rubra pilaris. Hautarzt 2012; 63: 655–664

P110 Erfolgreiche Therapie einer hyperplastischen granulomatösen Gingivitis mit Dimethylfumarat Scheiba N.1, Schäkel K.1 1

Universitätsklinikum Heidelberg, Hautklinik, Heidelberg, Germany

Wir berichten über einen 13-jährigen Jungen mit einer ausgeprägten, persistierenden Hypertrophie der vestibulären Gingiva und der Oberlippe. Histopathologisch wurde eine orofaziale Granulomatose bestätigt. Ein Therapieversuch mit oralen Corticosteroiden blieb ohne Erfolg. Unter einer 10-monatigen off-label Therapie mit Dimethylfumarat per os zeigte sich bei guter Verträglichkeit ein deutlicher Rückgang der Schwellungen an Gingiva

Poster der 48. DDG-Tagung

und Oberlippe. Der Therapieerfolg hält aktuell 18 Monate nach Behandlungsende an. Der Begriff orofaziale Granulomatose(OFG) umfasst eine heterogene Gruppe nicht infektiöser, granulomatöser Schwellungen von Lippen, Zunge oder Perioralregion welche anfangs oft wiederkehrend auftritt, im späteren Verlauf jedoch auch persistieren kann. In seltenen Fällen ist eine hyperplastische Gingivitis führendes Symptom einer OFG. OFG kann im Rahmen systemischer granulomatöser Erkrankungen wie der Sarkoidose auftreten, im Rahmen des Melkersson-Rosenthal-Syndroms zusammen mit einer Lingua plicata und einer Parese des Nervus fazialis oder auch als eigenständiges Krankheitsbild ohne geklärte Ätiologie. Die therapeutischen Optionen sind limitiert, insbesondere bei hyperplastischer Gingivitis. Dimethylfumarat (DMF), ein Ester der Fumarsäure, ist zur Behandlung der Psoriasis sowie neuerdings auch der Multiplen Sklerose zugelassen. Der therapeutische Effekt beruht hauptsächlich auf einer immunmodulierenden Wirkung. An möglichen Nebenwirkungen zu nennen sind vor allem gastrointestinale Beschwerden, eine Flush-Symptomatik und Leukopenien mit teils schweren Lymphopenien, so dass regelmäßige Laborkontrollen erforderlich sind. Zusammenfassend lässt sich sagen dass Dimethylfumarat eine anhaltend effektive Therapieoption bei Patienten mit orofazialer Granulomatose und hyperplastischer Gingivitis sein kann.

P111 Disseminiertes elastolytisches Riesenzellgranulom Hannemann C.1, Müller J.1, Marcus E.-L.1, Fischer M.1 1

HELIOS Klinikum Aue, Klinik für Dermatologie und Venerologie, Aue, Germany

Das elastolytische Riesenzellgranulom ist eine seltene granulomatöse Dermatose des mittleren Lebensalters. Eine Standardtherapie existiert nicht. Bei einem 49jährigen Patienten bestanden seit 10 Jahren an den Armen und Beinen anuläre, dunkelbraune, leicht infiltrierte Plaques mit Randbetonung. Er gab an, dass diese Plaques an den Armen begonnen hätten und nunmehr stetig an Anzahl und Fläche zugenommen hätten. Subjektiv bestand ein mäßiger Juckreiz. Der histologische Befund erbrachte ein elastolytisches Riesenzellgranulom. Die Behandlung erfolgte zunächst topisch mit hochpotenten Glukokortikosteroiden in Kombination mit einer Bade-PUVA. Nachdem dieses Therapiekonzept nur zu einer zögerlichen Besserung des Befundes führte, wurden Behandlungsversuche mittels Erbium-YAG-Laser bzw. einer Kontaktkryotherapie durchgeführt. Dabei zeigte sich insbesondere die Kryotherapie als effektiv und führte zu einer Regredienz der Infiltration und Abblassen der Plaques. Bei der weiterführenden Diagnostik fand sich eine Anämie unklarer Genese. Die Ätiopathogenese des elastolytischen Riesenzellgranuloms ist unklar. Diskutiert wird eine Variante des Granuloma anulare bzw. der Necrobiosis lipoidica. Die Behandlung ist schwierig. Nach unseren Erfahrungen könnte die Kryotherapie zumindest bei einzelnen Läsionen eine Erweiterung der Therapie darstellen. Wichtig ist die Beachtung insbesondere hämatologischer Begleiterkrankungen.

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P112 Necrobiotic xanthogranuloma associated with multiple myeloma: successful treatment with autologous stem cell transplantatio Petkevicius A.1, Bytautien e˙ S.1, Makstiene J.2, Gerbutavicius R.3 1 Lithuanian University of Health Sciences, Medical Academy, Department of Skin and Venereal Diseases, Kaunas, Lithuania 2 Lithuanian University of Health Sciences, Medical Academy, Department of Pathological Anatomy, Kaunas, Lithuania 3 Lithuanian University of Health Sciences, Medical Academy, Department of Oncology and Haemathology, Kaunas, Lithuania

Introduction: Necrobiotic xanthogranuloma (NXG) is very rare, unknown ethiology, chronic progressive disease, which has no effective first choice treatment. The disease is characterised by yellow or red-orange plaques or nodules that predominantly affects the face periorbital area, then the trunk and the extremities. NXG has association with paraproteinemia, lymphoproliferative or haematologic disorders. Case report: 50-year-old man with a 1-year history of multiple cutaneous lesions and complains of weakness and fatigue. Physical examination showed of annular plaques of various sizes with raised erythematous borders around a depressed or ulcerated center, on the legs, trunk and arms; periorbital yellow nodules. Laboratory findings revealed leukopenia, thrombopenia and elevated amounts of CRP, ESR; abdominal ultrasound – splenomegaly. Serum immunoelectrophoresis revealed IgG lightchain monoclonal gammopathy; plasma cells in bone marrow were found. Histology: Large area of necrobiotic collagen, appear as amorphous eosinophilic debris, around granulomatous infiltrate, composed of histiocytes, giant cells of the Touton type, lymphocytes, plasma cells. Treatment: Usual local and systemic treatment were not effective. Haematologist confirmed multiple myeloma (MM) and treated it with 4 cycles of chemotherapy. After chemotherapy partial response was obtained. Autologous haematopoetic stem cell transplantation was performed and complete response obtained with conventional MM complete response criteria. But patient did not met stringent MM complete response criteria as serum imunofixation is weakly positive for IgG band. Free light chain ratio was normal. Conclusion: Therapeutic options for NXG are limited but treatment with autologous stem cell transplantation proved to be safe and effective also confirmed a coherency with MM.

P113 Rezidivierende kutane Leishmaniose im Gesicht Pitsch A.1, Pfeiff B.1, Dill D.1 1 Klinikum Lüdenscheid- Märkische Kliniken GmbH, Lüdenscheid, Germany

70 jähriger Patient. Im März 2014 fulminantes Rezidiv einer Leishmania infantum-Infektion der linken Gesichtshälfte und kleinknotige Infiltrate am Nasenrücken. Erstdiagnose 2011 mit Abheilung nach systemischer Miltefosin-Therapie, die von gastrointestinalen und psychischen Nebenwirkungen begleitet war. Erstes Rezidiv 2012, Abheilung unter Lokaltherapie mit Leshcutan Creme. Im

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Poster der 48. DDG-Tagung

März 2014 kein Ansprechen auf die Therapie mit Leshcutan Creme. Daraufhin systemische Therapie mit liposomalem Amphotericin B über 14 Tage in Kombination mit einer intra- und periläsionalen Injektionsbehandlung mit Antimon Präparaten (Glucantime) – zunächst in Allgemeinanästhesie. Sieben weitere Unterspritzungen z.T. unter vorheriger Gabe von Midazolam 7,5 mg p.o.. Unter diesem Regime langsame Rückbildung der Hautveränderungen. Vollständige Remission seit Mai 2014. Das Resultat ist signifikant besser als alle zuvor erreichten Befunde. In umfangreichen Sequenzierungsversuchen am Bernhard-Nocht-Institut und am Institut für Infektions- und Tropenmedizin der LMU München konnte nur Leishmania donovani Komplex nachgewiesen werden. Die Leishmanieninfektion der Haut wird in die kutane Leishmaniose der Alten und Neuen Welt eingeteilt. Die Übertragung erfolgt durch Sandmücken. Klinisch müssen folgende Differentialdiagnosen ausgeschlossen werden: Basalzellkarzionom, eosinophiles Granulom, Ekthyma, lupoide Rosazea, Lepra und Tuberculosis cutis.Die systemische Therapie ist bei den Erregern der Leishmaniose in Europa Mittel der Wahl. Zusätzlich oder alternativ zur Infiltration mit Antimonpräparaten (z.B. Glucantime), kann eine Infrarottherapie angewendet werden (Hyperthermie). Bei einzelnen Läsionen in kosmetisch nicht störender Lokalisation kann die Spontanheilung abgewartet werden. Der Verlauf der kutanen Leishmaniose ist meistens komplikationslos.

Der folgende „lehrreiche“ Fallbericht beschreibt die Behandlung einer Patientin mit Etanercept ( Ε nbrel®) in 9 Zyklen ohne Wirkungsverlust. Bei der Patientin wurden psoriasiforme Hautveränderungen im Jahre 1997 diagnostiziert. Die Erstvorstellung bei uns erfolgte im Jahr 2000 aufgrund einer ausgedehnten Psoriasis corporis und capitis. Die Finger- und Zehennägel zeigten ebenfalls Veränderungen. Bei der Patientin erfolgte initial eine Therapie mit topischen Glukokortikoiden, Cignolin, Salizylsäurepräparaten, Ganzkörper -UV-Bestrahlungen und systemischer Fumarsäure. Die orale Gabe von Fumarsäure musste aufgrund von Nebenwirkungen (Leberwerterhöhungen, gastrointestinalen Beschwerden, Urtikaria) abgesetzt werden. Aufgrund der Leberwerterhöhungen sowie eines anamnestischen HELLP-Syndroms wurde eine Therapie mit Etanercept eingeleitet. Bisher erfolgten seit 2005 9 Zyklen mit Etanercept ohne Wirkungsverlust. Nach dem Absetzen der Biologikatherapie nach jeweiligem Erreichen einer annähernden PASI 100 – Reduktion folgten jeweils 5–8 Monate Beschwerdefreiheit.

1.

Könemann M.1, Assaf C.1

2.

Enk CD et al (2003) Kutane Leishmaniose. Hautarzt 54: 506–512 Lee SA et al (2003) Therapy of cutaneous leishmaniasis. Int J Infect Dis 7: 86–93

P114 Flexible, situationsangepasste, intermittierende Langzeitbehandlung der Psoriasis vulgaris mit Etanercept ohne Wirkverlust in 9 Zyklen Kardorff B.1,2, Pakou P.3, Dorittke P.2,4 1 Haut-, Allergie-, Venen- und Laserpraxis Mönchengladbach-Rheydt, Dermatologie, Allergologie, Lasermedizin, Mönchengladbach, Germany 2 Haut-, Allergie- und Venenpraxis Korschenbroich, Dermatologie, Korschenbroich, Germany 3 Haut-, Allergie-, Venen- und Laserpraxis Mönchengladbach-Rheydt, Dermatologie, Mönchengladbach, Germany 4 Haut-, Allergie-, Venen- und Laserpraxis Mönchengladbach-Rheydt, Dermatologie, Phlebologie, Mönchengladbach, Germany

Mit der Einführung von Biologika in die antipsoriatische systemische Therapie ist die Notwendigkeit des Abbruchs einer Rotationstherapie aufgrund von Organtoxizität nicht mehr unabdingbar. Die [email protected], wie Etanercept, zeigen in der Langzeittherapie ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis. Dennoch ist oftmals eine kontinuierliche Therapie mit Biologika wegen alltäglicher Ereignisse (z. B Schwangerschaft, Infektionen, Therapieunterbrechung auf Wunsch des Patienten) nicht möglich. Die Option der Intervalltherapie an sich ermöglicht insgesamt eine bessere Lebensqualität für die Patientinnen und Patienten, da auf individuelle Lebensumstände auch individuell reagiert werden kann.

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P115 Paraneoplastische Dermatomyositis bei fortgeschrittenem Ovarialkarzinom

1

HELIOS Klinikum Krefeld, Dermatologie, Krefeld, Germany

Malignome sind häufig mit der Dermatomyositis assoziiert. Nicht selten stellt der Dermatologe die initiale Diagnose einer malignen internistischen Erkrankung aufgrund paraneoplastischer Hautveränderungen. In dem vorliegenden Fall einer Patientin mit lokal metastasiertem Ovarialkarzinom führten eine radikale Tumorresektion und die Therapie mittels adjuvanter Chemotherapie in Kombination mit monoklonalen Antikörpern und Steroiden zu einer vollständigen Remission des Ovarialkarzinoms und der Dermatomyostitis. Anlass der dermatologischen Vorstellung der 60 jährigen Patientin waren seit 4 Monaten bestehende rotblaue Verfärbungen des Gesichts sowie rötlich infiltrierte Hautveränderungen im Bereich der Hände im Sinne Gottronscher Papeln. Anamnestisch war ein kurativ therapierter Brustkrebs vor Jahren bekannt. Die Patientin beklagte Kraftlosigkeit und Muskelschmerzen. Es wurde von Nachtschweiß und Gewichtsverlust berichtet. CK und LDH waren erhöht. Die ANA zeigten sich positiv. Mikroskopisch war im Hautbiopsat eine lymphozytendominierte Entzündungsreaktion mit deutlichem Interface-Prozess nachweisbar. Ein muskuläres Biopsat zeigte den histopathologischen Befund einer Dermatomyositis. Im Tumormarker-Screening war CA-125 deutlich erhöht. Eine CT-Bildgebung und die anschließende explorative Laparoskopie ergaben eine ausgeprägte Peritonealkarzinose auf dem Boden eines serösen Ovarialkarzinoms, FIGO-Stadium IIIc (pT 3c pN1 cM0). Nach chirurgischer Tumorresektion und Chemotherapie mit Carboplatin, AUC 5, Paclitaxel in Kombination mit Bevacizumab sowie lokaler steroidaler Therapie kam es zur kompletten Remission der Dermatomyositis. Conclusio: Die Dermatomyositis ist häufig mit Malignomen assoziiert. Bei Frauen können dies insbesondere Ovarialkarzinome sein. Eine Tumoreliminierung kann eine Dermatomyositis heilen.

Poster der 48. DDG-Tagung

[Hill CL, Zhang Y, Sigurgeirsson B, et al. Frequency of specific cancer types in dermatomyositis and polymyositis: a population-based study. Lancet 2001; 357: 96–100.]

P116 Intensivmedizinische Aspekte der Toxisch Epidermalen Nekrolyse Marcus E.L.1, Wallenborn J.2, Fischer M.1 1

HELIOS Klinikum Aue, Klinik für Dermatologie und Venerologie, Aue, Germany 2 HELIOS Klinikum Aue, Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin, Aue, Germany

Die Toxische Epidermale Nekrolyse (TEN) ist eine schwere unerwünschte Arzneimittelreaktion mit hoher Letalität, die meist eine intensivmedizinische Behandlung erfordert. Dabei ist das intensivmedizinische Management neben der dermatologischen Behandlung besonders komplex. Ein 44-jähriger Mann entwickelte nach der Einnahme von Allopurinol, Ibuprofen und Etoricoxib ein generalisiertes Exanthem mit zunehmender Exfoliation und Schleimhautbeteiligung. Die klinische Diagnose einer TEN wurde histologisch bestätigt (ScorTEN bei Aufnahme: 2 Punkte). Nachdem eine ex juvantibus begonnene Prednisolontherapie mit 3mg/kg KG einen weiteren Progress auf zuletzt 80% betroffene KOF nicht verhindern konnte, erfolgte die Applikation von Infliximab (350mg). Hierdurch konnte ein weiterer Progress des TEN verhindert werden. Aufgrund der starken Schmerzen erfolgte parallel dazu die Intubation und Analgosedierung. Trotz deutlicher Besserung des Hautbefundes war der ITS-Aufenthalt durch eine erschwerte Analgesie (4fach-Kombination) und intermittierende hypertensive Entgleisungen prolongiert. Ferner kam es zu einer Besiedlung mit multiresistenten Keimen (MRSA und VRE). Dennoch konnte der Patient vollständig genesen nach vier Wochen entlassen werden. Wie bereits mehrfach beschrieben, ist Infliximab in der Behandlung der TEN gut wirksam. Darüber hinaus sind Patienten mit einer TEN intensivmedizinisch schwer zu führen, wobei insbesondere Analgosedierung, Bilanzierung, Lagerung und Antibiose besondere Herausforderungen darstellen.

Mikrobiologie P117 Ungewöhnlicher Dermatophyt bei einer entzündlichen Form einer Tinea capitis bei einem Kind Lindenlaub P.1, Kolesnik M.1, Gräser Y.2, Gollnick H.1 1

Universitätsklinikum Magdeburg A. Ö. R., Dermatologie und Venerologie, Magdeburg, Germany 2 Universitätsmedizin Berlin – Charite, Institut für Mikrobiologie und Hygiene; Nationales Konsiliarlabor für Dermatophyten, Berlin, Germany

In unserer Ambulanz stellte sich ein Mädchen (4 J.) mit occipital kahlen, schuppenden und im Verlauf pustulösen Herden vor. Das Kind besucht alle 2 Wochen seinen Vater, der in ländlicher Umgebung mit Hunden, Katzen und Kaninchen lebt. Im

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Haushalt der Mutter, wo das Kind sonst wohnt, gibt es keine Haustiere. Schuppen und Pustelabstriche wurden auf Sabouraud-2% Glucose-Agar sowie Selektivagar für pathogene Pilze überimpft und bei RT inkubiert. Nach 3 Wochen erfolgte die Differenzierung des Dermatophyten anhand der Kolonie- und Mikromorphologie. Es wuchsen kompakte, fest im Agar verankerte Kolonien mit hauchfeinem Luftmyzel, darunterliegender wachsig-knorpeliger Schicht und z. T. speichenartiger Fältelung. Das Luftmyzel war zentral rosa-violett und am Rand gelblich-orange gefärbt, ebenso die Kulturunterseite. Die Kolonien setzten einen rotbraunen, sich über den Nährboden ausbreitenden Farbstoff frei. Mikroskopisch zeigten sich nur knorriges Myzel und interkalare Chlamydosporen; Makro- und Mikrokonidien waren nicht nachweisbar. Das Isolat ähnelte am stärksten Trichophyton violaceum. Zur molekularbiologischen Differenzierung wurde die Kultur an das Nationale Konsiliarlabor für Dermatophyten gesandt. Hier wurden die ITS 1- und ITS 2-Regionen der rDNA sequenziert und das Isolat mittels der IDNS-Datenbank von SmartGene als Trichophyton rubrum (afrikanische Population) identifiziert. Auch T. violaceum (unsere Einstufung des Isolates) kommt v. a. in Afrika vor, gehört aber als eigenständige Spezies nicht zum o. g. T. rubrum -Komplex. Beim vorgestellten Fall ist dieses Resultat insofern überraschend als ein Afrika-Urlaub der Familie oder direkte Kontakte des Mädchens mit afrikanischen Kindern nicht bekannt sind. Da es sich um einen anthropophilen Dermatophyten handelt, scheiden die Haustiere vom Vater des Kindes als mögliche Infektionsquellen aus. Die Tinea capitis wurde mit Terbinafin (62,5 mg/Tag, bei < 20 kg KG) und lokal mit Ciclopirox sowie Zineryt erfolgreich behandelt.

P118 Antimikrobielle Wirksamkeit von Aminocellulosen in einem Co-Kulturmodell mit humanen HaCaT Keratinozyten und Candida albicans Finger S.1, Wiegand C.1, Liebert T.2, Heinze T.2, Hipler U.-C.1 1 Universitätsklinikum Jena, Klinik für Hautkrankheiten, Jena, Germany 2 Kompetenzzentrum Polysaccharidforschung, Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Jena, Germany

Cellulose besitzt keine antimikrobielle Wirkung, kann aber durch chemische Modifikation funktionalisiert werden. Durch gezieltes Anbinden von Aminogruppen über Nukleophile Substitution an der C6 -Position der Anhydroglukoseeinheit entstehen sogenannte Aminocellulosen (AC). Durch diese Funktionalisierung besitzen AC polykationische Eigenschaften und eine antimikrobielle Wirkung. Der Wirkmechanismus ist im Detail jedoch noch nicht erforscht. Um die Biofunktionalität und -kompatibilität der AC besser verstehen zu können, eignen sich Co-Kulturmodelle aus humanen Zellen und Mikroorganismen. AC mit Ethylendiamin (EDA) bzw. Triaminotriethylamin (TAEA) als funktioneller Gruppe wurden gegen C. albicans, humanen HaCaT Keratinozyten und im Co-Kulturmodell untersucht. Die antimikrobielle Aktivität wurde anhand von Wachstumsuntersuchungen sowie über den mikrobiellen ATP-Gehalt und Effekte auf HaCaTs über den zellulären ATP- und Proteingehalt bestimmt. Im Co-Kulturmodell erfolgte eine Quantifizierung von C. albicans mittels qPCR. Des Weiteren wurde eine EDA-AC mit RBITC

153

Poster der 48. DDG-Tagung

markiert, mit C. albicans und HaCaTs inkubiert und mikroskopisch analysiert. EDA- und TAEA-AC sind gegen C. albicans wirksam. Bei HaCaTs zeigte die EDA-AC eine bessere Zellverträglichkeit. Eine Reduktion des mikrobiellen Wachstums bei steigender AC-Konzentration wurde anhand der Quantifizierung von C. albicans in der Co-Kultur mittels qPCR nachgewiesen. Hierbei zeigte sich ebenfalls ein Vorteil der EDA-AC, da eine höhere Reduktion von C. albicans im zellverträglichen Bereich erzielt wird. Mikroskopische Analysen deuten darauf hin, dass AC mit der Oberfläche von HaCaTs und C. albicans interagieren kann. Die Biokompatibilität und die antimikrobielle Wirksamkeit von AC konnte nachgewiesen werden, wobei diese abhängig von der Funktionalisierung sind. Dabei stellte sich heraus, dass die AC mit EDA als funktioneller Gruppe für medizinische Applikationen besser geeignet ist, als die TAEA-AC.

P119 Charakterisierung der antimikrobiellen Ausrüstung von Keramikoberflächen Finger S.1, Zieger M.1, Wiegand C.1, Rode C.2, Wyrwa R.2, Grünler B.2, Hipler U.-C.1 1

Universitätsklinikum Jena, Klinik für Hautkrankheiten, Jena, Germany 2 INNOVENT e. V., Jena, Germany

Antimikrobiell wirksame Oberflächen finden bereits Anwendung im medizinischen Bereich, in der Lebensmittelindustrie, als auch im Haushalt. Dabei können die Materialien mit verschiedenen antimikrobiell aktiven Substanzen ausgestattet sein. Um die Wirksamkeit dieser Materialien untersuchen zu können, gibt es eine Vielzahl von nationalen und internationalen Standardtestverfahren. In dieser Studie wurden keramische Erzeugnisse mit Zinkoxid (ZnO) antimikrobiell ausgerüstet und nach dem Internationalen Standard ISO 22196 hinsichtlich ihrer Wirksamkeit untersucht. Dazu wurden 5cm x 5cm große Probekörper im direkten Kontakt mit den Bakterien Staphylococcus aureus (ATCC 6538), Staphylococcus epidermidis (DSM 1798), Klebsiella pneumoniae (ATCC 4352) und Pseudomonas aeruginosa (DSM 1117), sowie mit den Pilzen Candida albicans (DSM 1386), Candida glabrata (DSM 11226), Trichophyton rubrum (70K10) und Aspergillus fumigatus (DSM 819) für 24h bei 37°C inkubiert. Danach erfolgte die quantitative Evaluierung der antimikrobiellen Aktivität der Proben gegenüber den einzelnen Testmikroorganismen mittels Keimzahlbestimmung. Als Kontrolle wurden Probekörper ohne antimikrobielle Ausrüstung mitgeführt. Durch die Ausrüstung der keramischen Erzeugnisse mit ZnO konnte eine starke antibakterielle Wirksamkeit nachgewiesen werden. Gegenüber dem Schimmelpilz A. fumigatus konnte ebenfalls eine starke Wirksamkeit erzielt werden. Gegen den Dermatophyt T. rubrum waren die untersuchten Materialien nicht wirksam. Für die Hefen konnte eine leichte (C. albicans) bis signifikante (C. glabrata) antimikrobielle Aktivität nachgewiesen werden. Die Ausrüstung von keramischen Oberflächen mit ZnO zeigte eine breite antimikrobielle Wirksamkeit gegenüber pro- und eukaryotischen Mikroorganismen im direkten Kontakt. Daraus ergibt sich ein vielseitiges Potential für klinische und industrielle Anwendungen.

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© 2015 The Authors | JDDG © Blackwell Publishing Ltd. | JDDG | 1610-0379/2015/13 (Suppl. 1) 1–193

P120 Kutane Leishmaniose – eine deutsche Familie importiert ein unerwünschtes Reisesouvenir Tröbinger M.1, Rainer-Längle C.1, Gebhardt M.2, Kämpgen E.1 1

DERMATOLOGIKUM BERLIN, Berlin, Germany Dermatologikum Hamburg, Hamburg, Germany

2

Die kutane Leishmaniose (kL), bekannt als Orient-, oder Aleppobeule, befällt die Haut und verschont im Gegensatz zur viszeralen L die inneren Organe. Die Übertragung erfolgt durch Sandmücken. Reservoir sind Tiere (Nager, Hunde) oder Menschen. In 98 Staaten ist L endemisch und verursacht ca. 1,5 Millionen kutane Infektionen pro Jahr. Aufgrund der geographischen Nähe zu Deutschland sind die Endemiegebiete im südeuropäischen Mittelmeerraum (Italien, Südfrankreich, Spanien, Griechenland, Nordafrika) bedeutend. Wir berichten über 3 Mitglieder einer Familie, die über einen Zeitraum von 20 Monaten an einer kL erkrankten. T.G. hatte seit Monaten schlecht heilende knotige Hautveränderungen. Histologisch wurde die Diagnose kL gestellt und die Herde wurden operativ saniert. J.G. hatte seit einem Jahr an Größe zunehmende Papeln an der Wange. Der histologische Befund und die PCR bestätigten die Verdachtsdiagnose kL. Unter der Systemtherapie mit Miltefosine kam es zur Abheilung. S.G. zeigte entzündliche livide Knoten am Kinn und Ellenbogen. Die histologische Untersuchung und die PCR Typisierung ergaben eine Infektion mit L.infantum. Die Therapie erfolgte mit Miltefosine. Im Mittelmeerraum ist die Infektionsrate von Hunden mit L besonders hoch: auf Mallorca sind 67% infiziert. Der dort verbreitete Erreger L.infantum kann die kutane, mukokutane und viszerale L verursachen. Das Institut für Tropenmedizin, Charité Universitätsmedizin Berlin, hat in den letzten 5 Jahren 190 Fälle von kL gesammelt. 40 Fälle kamen aus Spanien und davon infizierten sich 26 auf Mallorca. Die oben genannte Familie war gelegentlich mit ihrem Hund am Strand Es Trenc auf Mallorca spazieren. Unter den Einheimischen gilt dieser Strand als Brutstätte von L übertragenden Sandmücken. Interessant für uns ist die Tatsache, dass gleich 3 Familienmitglieder in einem zeitlich versetzten Abstand an kL erkrankten. Dieses Reisesouvenir ist in Deutschland ein sicherlich unterdiagnostiziertes Importgeschehen.

P121 Pflanzensäfte aus den Blättern der Isatis tinctoria weisen starke antimikrobielle Eigenschaften gegen Bakterien, Hefen und Dermatophyten auf Hesse J.1, Wiegand C.1, Grün M.2, Fankhänel N.2, Schleicher R.3, Keiner M.3, Hipler U.-C.1 1

Universitätsklinikum Jena, Klinik für Hautkrankheiten, Jena, Germany 2 Food GmbH Analytik – Consulting, Jena, Germany, 3Nuth GmbH & Co.KG, Mihla, Germany

Waid, Isatis tinctoria L. (Brassicaceae), wurde schon in der Antike zur Behandlung von Wunden und Hautausschlägen genutzt.

Poster der 48. DDG-Tagung

Heute weiß man, dass aktive Verbindungen wie Tryptanthrin für die pharmakologische Wirkung verantwortlich sind. Im Hinblick auf die zunehmende Entwicklung von Resistenzen ist es von Interesse, die antimikrobielle Aktivität des Waids zur unterstützenden Behandlung von Wunden und Hauterkrankungen zu untersuchen. In der vorliegenden Studie wurde daher der Effekt von Waid-Pflanzensäften auf Bakterien, Hefen und Dermatophyten analysiert. Die antimikrobielle Aktivität von Waidsäften mit unterschiedlicher Verarbeitung (frische Blätter (FW1, FW2), vergorene getrocknete Blätter (VGW) und Pressrückstand grüner Blätter (PR)) gegen S. aureus, K. pneumoniae, C. albicans, M. pachydermatis und T. rubrum wurde mittels der Laser-Nephelometrie analysiert. Zudem wurden lebende Mikroorgansimen über die luminometrische Bestimmung des ATP-Gehaltes quantifiziert. Die Waidsäfte wiesen eine signifikant bakterizide und fungizide Kapazität gegen die getesteten Mikroorganismen auf. Das wachstumshemmende Potential war gegenüber Dermatophyten stärker als gegenüber Bakterien und Hefen. Während gram-negative Bakterien wie K. pneumoniae stärker inhibiert wurden als gram-positive wie S. aureus, war die antimykotische Aktivität gegenüber der Hefe M. pachydermatis stärker als gegenüber C. albicans. Insgesamt war die antimikrobielle Wirkung von FW1 und FW2 sowie PR höher als von VGW. Waid-Pflanzensäfte weisen eine starke antimikrobielle Wirksamkeit auf. Verarbeitungsprozesse beeinflussen die Wirkung der Waidsäfte, wobei angenommen werden kann, dass dabei gebildete aktive Verbindungen, für diese Unterschiede verantwortlich sind, die weiter untersucht werden sollen. Die Ergebnisse verdeutlichen die Effektivität von Waid gegenüber Bakterien und Pilzen und liefern wichtige Hinweise für die Anwendbarkeit von Waid als natürliche Quelle antimikrobieller Wirkstoffe.

P122 Magistralrezepturen für die Kombination eines Antimykotikums mit Methylprednisolonaceponat Wohlrab J.1,2, Neubert R.H.H.2,3, Sommer E.2 1

Universitätsklinikum Halle, Klinik für Dermatologie und Venerologie, Halle, Germany 2 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für angewandte Dermatopharmazie, Halle, Germany 3 Institut für Pharmazie, Halle, Germany

Eine häufige Behandlungssituation ergibt sich im klinischen Alltag durch das Auftreten von Dermatophyteninfektionen der freien Haut. Dabei stehen klinisch meistens entzündliche Phänomene im Vordergrund, die auch das subjektive Beschwerdebild des Patienten bestimmen. Nach der Diagnosesicherung orientieren sich die therapeutischen Strategien vor allem an der betroffenen Fläche, dem Erreger, an den Komorbiditäten des Patienten sowie möglicher Komedikation und beziehen lokale und systemische Therapieformen ein. Als antimykotische Wirkstoffe werden für die meist topische Therapie vor allem Azole sowie Ciclopiroxolamin empfohlen. Insbesondere für die Anfangsphase der Therapie wird zum raschen Abklingen der entzündlichen Begleitreaktion und der damit verbundenen subjektiven Beschwerden wie Juckreiz und brennende Schmerzen die Koapplikation eines Glukokortikoids praktiziert. Dabei wird insbesondere bei Azolen die Elimination des Glukokortikoids durch Interaktion über CYP3A4 reduziert, so

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dass die kutane Bioverfügbarkeit der Wirksubstanzen verändert wird. Darüberhinaus ergeben sich wegen der unterscheidlichen physikochemischen Eigenschaften der Substanzen Stabilitätsprobleme in galenischen Zubereitungen. Aus klinischer Sicht ist zu beachten, dass bei unkritischem, insbesondere langfristigem Einsatz von Glukokortikoiden die bekannten unerwünschten Effekte resultieren können. Vor diesem Hintergrund sind in der topischen Kombinationstherapie eines Antimykotikums mit einem Glukokortikoid Substanzen mit einem optimalen Therapeutischen Index (TIX) zu bevorzugen. Um in einer Magistralrezeptur diesen Anforderungen zu genügen, wurden Kombinationsrezepturen von Methylprednisolonaceponat mit 1% Clotrimazol bzw. 1% Ciclopiroxolamin für die epikutane Anwendung erarbeitet und entsprechend der aktuellen Apothekenbetriebsordnung qualitätsorientiert validiert.

Molekulare Diagnostik P123 Cytochrom b Sequenzierung aus Formalin fixierten Paraffin eingebetteten Hautbiopsien ermöglicht eine schnelle, sensitive und spezifische Diagnose der Infektion mit Leishmanien Spezies Gebhardt M.1, Ertas B.1, Falk T.M.1, Böer-Auer A.1 1

Dermatologikum Hamburg, Hamburg, Germany

Die Identifikation von Leishmanien Spezies ermöglicht die Beurteilung der Pathogenität einer Leishmaniasis und ist entscheidend für die Einleitung einer spezifischen Therapie. Gegenwärtiger Goldstandard der Diagnostik sind Histopathologie und Parasitenkultur inklusive der Analyse spezifischer Enzymmuster. Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung und der unspezifischen Klinik wird die Diagnose in Deutschland meist anhand einer Biopsie durch Nachweis von Amastigoten gestellt oder bei Vorliegen eines granulomatösen Infiltratmusters vermutet. Inzwischen stehen zusätzlich molekularbiologische Methoden zum Nachweis und zur Identifikation von Leishmanien zur Verfügung, die zumeist jedoch nicht auf die Analyse von Formalin fixiertem Paraffin eingebettetem Material zugeschnitten sind. 67 in Paraffin eingebettete- Hautbiopsien von 49 Patienten wurden mittels pan-Leishmanien Echtzeit-PCR untersucht (ss rRNA) und eine Leishmaniasis bestätigt. Die Typisierung durch überlappende Amplifikation und Sequenzierung von 3 PCR Produkten des vorderen Abschnitts (510 bp) des Cytochrom b Gens (cyt-b) der kDNA ergab 6 verschiedene Leishmanien-Spezies: 56 L. infantum, 6 L. major, 2 L. panamensis, 1 L. killicki, 1 L. aethiopica and 1 L. tropica. Alle Proben, in denen histologisch Amastigoten nachgewiesen werden konnten, wurden erfolgreich typisiert, ebenso Proben mit typischem histologischem Pattern ohne Nachweis von Amastigoten (erregerarme Präparate). In 73% der Fälle war das Land, in dem die Infektion erworben wurde, bekannt. Von diesen waren in 97% die detektierten Leishmanien Spezies endemisch. Die Cytochrom b PCR und Sequenzierung aus bereits vorhandenen Hautbiopsien führt zu einer schnellen, sensitiven und spezifischen Diagnose der kutanen Infektion mit Leishmanien Spezies und ist insbesondere dann hilfreich, wenn kein weiteres Material zur Kultivierung gewonnen werden kann.

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Poster der 48. DDG-Tagung

P124 Genotypisierung von Borrelien an paraffin-eingebetteten Hautbiopsien der kutanen Borreliose mittels IGS-, ospA- und OspC-PCR Brandt F.C.1, Ertas B.1, Falk T.M.1, Metze D.2, Böer-Auer A.1 1

Dermatologikum Hamburg, Hamburg, Germany Universitäts-Hautklinik, Münster, Germany

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Hintergrund: Die Lyme Borreliose zeigt ein breites klinisches Spektrum mit Beteiligung von Haut, Gelenken und Nervensystem. Die vielfältigen Manifestationsformen werden mit verschiedenen Borrelien-Genospezies assoziiert. Die Genotypisierung bedurfte bisher der methodisch schwierigen Borrelienkultur oder der Gewinnung von Nativgewebe. In der Praxis werden Hautbiopsien zumeist Formalin-fixiert und Paraffin-eingebettet. Polymerase Kettenreaktion (PCR) zum Nachweis von Borrelia burgdorferi sensu latu steht für dieses Material zur Verfügung, Studien zur Genotypisierung von Subspezies liegen jedoch bisher nicht vor. Methoden: 82 Paraffin-eingebettete Biopsien von 68 Patienten (Erythema migrans, n = 33), Acrodermatitis chronica atrophicans (n = 10), Lymphocytoma cutis (n = 5), Zeckenstichreaktionen (n = 20)) wurden mit PCR Assays im Bereich der IGS-Region und der ospA- und ospC-Gene untersucht mit nachfolgender Sequenzierung und phylogenetischer Analyse. Ergebnisse: 85,3% der Proben konnten mittels IGS-, ospAund ospC-PCR genotypisiert werden, hiervon waren 91.4% B. afzelii-, 6.9% B. garinii-, 1.7% B. bavariensis-Infektionen. Die OspA-Serotypisierung ergab Typ 2 (90%), Typ 3 (7.5%) und Typ 4 (2.5%). Die OspC-PCR war bei 40% der Patienten positiv und ergab 12 verschiedene Gruppen, wobei nichtinvasive Formen nur in Zeckenstichreaktionen und Erythemata migrantia nachweisbar waren. Die Infektionen mit verschiedenen Genospezies zeigten keine ausgeprägten Unterschiede, jedoch fanden sich arthralgische Beschwerden sowie perineurale Infiltrate häufiger bei Infektionen mit invasiven OspC Gruppen. Schlussfolgerungen: Die Genotypisierung von Borrelien kann in die dermatopathologische Routine als nachgeschaltete molekulare Diagnostik integriert werden. Dies kann besonders für die Frühdiagnose hilfreich sein, da Infektionen mit invasiven OspC Gruppen früher adäquat behandelt werden könnten.

P125 Beta Tubulin Gene (BT2, partiell) und die ITS rRNA Region für die DNA-Diagnostik von 30 Dermatophyten-Arten Rangno N.1, Langensiepen P.1, Uhrlaß S.2, Nenoff P.2 1

Mykolabor Dresden im IHD, Dresden, Germany Labor für medizinische Mikrobiologie Mölbis, Mölbis, Germany

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Dermatophyten sind eine Gruppe von filamentösen Pilzen, welche drei Gattungen Trichophyton spp., Microsporum spp., und Epidermophyton spp. und deren Hauptfruchtformen (Arthroderma) umfasst. Diese Pilze besitzen die Fähigkeiten, das keratinisierte Gewebe (Haut, Haare und Nägel) von Menschen und Tieren anzugreifen und dort Infektionen (Dermatophytosen) hervorzurufen. Der häufigste Fußpilzerreger ist T. rubrum, welcher in etwa 78% der Dermatophytenisolate gefunden wird. Die Epidemiologie ist von Art zu Art verschieden, wodurch eine spezifische Diagnostik

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im Vorfeld einer Behandlung von enormer Wichtigkeit ist. Traditionelle Methoden zur Identifizierung von Dermatophyten, wie makro- und mikroskopische Analyse der morphologischen Merkmale, können sehr zeitaufwändig und irreführend sein. In den letzten Jahren wurden für die Identifizierung von Dermatophyten molekulare DNA-Methoden, wie die PCR (Polymerase Chain Reaction) mit pilzspezifischen Primern bzw. Sonden und die Sequenzierung der genetischen Marker, beschrieben. Derzeit ist die ITS (Internal Transcribed Spacer) ribosomale RNA (rRNA) die am häufigste sequenzierte Region und inzwischen ein anerkannter genetischer Marker für die Diagnostik von Dermatophyten. Allerdings ist ihr Potenzial nicht ausreichend, um phylogenetisch sehr nah verwandte Spezies eindeutig zu differenzieren. Diese Studie beschreibt die Sequenzierung und Analyse des Beta-Tubulin Gens (BT2, partiell) im Vergleich zum kompletten ITS rRNA Bereich und deren Potenzial für die molekulare Diagnostik von 30 Dermatophyten-Arten. Es zeigt sich, dass das Beta-Tubulin Gen im Vergleich zur ITS rRNA, insbesondere bei Microsporum spp. ausreichende Sequenzvariabilität beinhaltet, um die Spezies voneinander zu differenzieren. Allerdings ist die Sequenzvariabilität des Beta-Tubulin Gens nicht ausreichend, um die spezifischen Primer bzw. Sonden für alle 30 Dermatophyten-Arten zu generieren.

P126 Dermatophyten-PCR mit Speziesidentifizierung an der Hautbiopsie Eckert J.C.1, Ertas B.1, Falk T.M.1, Böer-Auer A.1 1

Dermatologikum Hamburg, Hamburg, Germany

Hintergrund: Die Tinea ist eine häufige Erkrankung mit einem vielseitigen klinischen Erscheinungsbild. Besonders wenn sich das klinische Bild atypisch zeigt, dienen Biopsien zur Diagnosestellung. Trotzdem ist es nicht immer möglich Organismen im Präparat aufzufinden, ins Besondere dann, wenn zuvor Antimykotika eingesetzt wurden. In solchen Fällen kann eine PCR für Dermatophyten den gewünschten Nachweis bringen. Ziele: Erprobung eines neuen PCR Assays mit Speziesidentifizierung aus Paraffin-Proben; Vergleich des Erscheinungsbildes der Infektionen durch verschiedene Spezies. Methoden: 121 Biopsien von 92 Patienten mit dem klinischen Verdacht einer Dermatophyteninfektion wurden in diese Studie eingeschlossen. In 42 Fällen wurde die Diagnose einer Tinea histopathologisch bestätigt, in weiteren 79 Fällen wurden keine Hyphen identifiziert. Die DNA wurde aus Paraffin-Schnitten isoliert. Dem PCR-Assay im Bereich der ITS2 Region folgte die Sequenzierung. Die Schnittpräparate wurden hinsichtlich Hyphennachweis, Infiltratmuster und -zusammensetzung sowie epidermaler und follikulärer Veränderungen reevaluiert. Patientendaten, klinisches Erscheinungsbild sowie Differentialdiagnosen wurden analysiert. Ergebnisse: Mittels PCR war es möglich 98% der Dermatophyteninfektionen aufzudecken; mittels Mikroskopie waren es lediglich 84%. Erwartungsgemäß war T. rubrum die dominierende Spezies. Weitere identifizierte Spezies waren T.verrucosum (1,85%), M.canis (3,7%), E.floccosum (1,85%), T.interdigitale (3,7%), Exophiala (5,56%), Lewia (1,85%). Histologisch undiagnostiziert blieben vor allem Infektionen mit T.interdigitale, Exophilala sp. und Lewia sp.

Poster der 48. DDG-Tagung

Fazit: Der molekulare Speziesnachweis von Dermatophyten kann in die dermatopathologische Routinediagnostik integriert werden. Er ist schnell, spezifisch und verbessert die Sensitivität der histopathologischen Diagnosestellung.

Nagelerkrankungen P127 FUN: Eine nicht interventionelle Untersuchung zur Effektivität von FUMADERM® bei Nagelpsoriasis Frambach Y.1, Mohr M.2, Galli E.2, Zillikens D.2, Ludwig R.2 1

Hanse-Klinik, Lübeck, Germany Universität zu Lübeck, Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, Lübeck, Germany

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Hintergrund: Obwohl Fumaderm® heute in Deutschland das primär am häufigsten eingesetzte Systhemtherapeutikum zur Therapie der Psoriasis darstellt, gibt es bislang nur wenige Daten zur Wirksamkeit von Fumarsäureestern auf die Nagelpsoriasis. Methodik: Monozentrische, prospektive, nicht interventionelle Studie; erstmalige Verordnung von Fumaderm® aufgrund einer Psoriasis mit gleichzeitigem Nagelbefall. Primäre Studienziele: Änderung des NAPSI der Fingernägel sowie des PGA eines Zielnagels nach 2, 4, 6, 9 und 12 Monaten im Vergleich zum Ausgangsbefund. Sekundäre Endpunkte: Änderungen des Nagelmatrix- und des Nagelbettbefalls, der Lebensqualität (DLQI), des PASI, der betroffenen Körperoberfläche; Erfassung von Nebenwirkungen. Ergebnisse: Von insgesamt 34 eingeschlossenen Patienten wurden 17 (♂ 3, ♀ 14) über einen Zeitraum von mind. 6 Monaten beobachtet. Es waren nahezu alle Fingernägel (9 ±1) betroffen. Der durchschnittliche Gesamt NAPSI von 35 ± 18 Punkten reduzierte sich nach 6 Monaten um ca. 40% (p < 0,0001, gepaarter t-Test). Dabei verbesserten sich innerhalb der ersten 6 Monate die psoriatischen Veränderungen der Nagelmatrix um 45% (p < 0,001) stärker als die des Nagelbettes (–34%; p < 0,001). Ausgehend von einer initial mäßig starken Nagelpsoriasis des Zielnagels (PGA 3,1 ± 0,8) bestand nach 6 Monaten durchschnittlich ein leichter (PGA 2,1 ± 1) und nach 12 Monaten ein minimaler bis leichter Nagelbefall (PGA 1,8 ± 1). Der PASI dieser Patienten verringerte sich von durchschnittlich 9 auf 3 Punkte (p < 0,001). 13 Patienten (81%) erreichten bis zum Beobachtungsende nach 12 Monaten einen PASI-50, davon 6 Patienten (38%) einen PASI-75 und 2 Patienten (13%) einen PASI-90. Die Lebensqualität der Patienten, gemessen am DLQI, besserte sich nach 6 bzw.12 Monaten um ca. 50 bzw.60%. Schlussfolgerung: Eine Langzeittherapie mit Fumaderm stellt bei guter Verträglichkeit auch bei begleitender Nagelpsoriasis eine erfolgversprechende Therapieoption dar.

P128 Laserbehandlung der Onychomykose – eine kontrollierte, randomisierte Studie Lorenz A.1, Eberlein B.1, Ring J.1, Biedermann T.1, Seifert F.1 1

Technische Universität München, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, München, Germany

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Fragestellung: Mit der Lasertechnologie hat sich eine mögliche neue, vielversprechende Option zur Therapie der Onychomykose aufgetan, deren Wirksamkeit in der vorliegenden Studie im Seitenvergleich überprüft wurde. Methodik: Die Studie schloss 20 Patienten (11 ♀, 9 ♂, mittleres Alter = 59,35 Jahre ± 11,18 Jahre, 41–83 Jahre) mit der klinischen Diagnose einer Onychomykose beider Großzehennägel ein. Die Nägel wurden randomisiert auf Behandlungs- und Kontrollgruppe verteilt (Seitenvergleich). An drei Behandlungsterminen im Abstand von im Mittel 15,6 (2. Termin) und 41,8 Tagen (3. Termin) wurde die Therapie mit dem A.R.C. Diodenlasers (A.R.C. Laser GmbH, Nürnberg) mit λ = 1064 nm durchgeführt (300 bis 800 Joule Gesamtenergie). Vor der ersten Sitzung sowie durchschnittlich 111,6 Tage nach der letzten erfolgten Fotodokumentation der Großzehennägel und mykologische Untersuchung des Nagelmaterials (nativ und Kulturanlage). Zur Bewertung des Therapieerfolges wurde der Onychomycosis Severity Index (OSI) herangezogen. Weiterhin wurde das Schmerzerleben der Patienten während der Behandlung anhand einer numerischen Rating-Skala (NRS) bemessen. Ergebnis: 19 Patienten konnten ausgewertet werden. Die Punktezahl des OSI fiel bei den behandelten Nägeln im Mittel von 28,00 Punkten ± 8,38 P. (Spannweite: 4 bis 35 P.) vor der Therapie auf 25,67 P. ± 10,62 P. (Spannweite: 6 bis 35 P.) bei der Nachkontrolle. Bei den unbehandelten Nägeln veränderte sich die Punktezahl im Mittel von 27,74 P. ± 9,42 P. (Spannweite: 6 bis 35 P.) auf 26,83 P. ± 8,94 P. (Spannweite: 4 bis 35 P.). Im untersuchten Nagelmaterial der 38 Nägel ließ sich 27 mal ein Pilz nachweisen, bei den behandelten Nägeln 10 mal vor der Therapie, 13 mal danach. Während der Behandlung gaben die Patienten 3,5 von 10 P. (0 bis 8 P.) nach NRS an. Schlussfolgerung: Die Behandlung mit dem Diodenlaser wurde von den Patienten gut toleriert, allerdings kam es zu keiner relevanten Verbesserung der Onychomykose im Vergleich zur Kontrollgruppe.

P129 In vitro sporicidal activity of amorolfine and other antifungal drugs used for onychomycosis treatment Seidl H.P.1, Jäckel A.2, Müller J.2, Schaller M.3, Borelli C.3, Polak A.4 1

Dermatologische Klinik, TU München, München, Germany Galderma Laboratorium GmbH, Medizinische Abteilung, Düsseldorf, Germany 3 Universitäts-Hautklinik, Tübingen, Germany, 4Spitzreinweg, Aesch, Switzerland 2

Background: Nail fungus infections are a widespread health problem affecting 12% of the German population. The elimination of all pathogenic cells in the nail by antimycotics is the major challenge for therapy since the formation of dormant fungal cells, so called spores, seems to be the main cause of treatment failure and recurrence. Fungal spores can survive in the nail keratin for months due to their resistant cell wall and a minimized metabolism thereby evading the effect of antimycotics. Accordingly, the identification of the entire therapeutic profile of an antifungal drug should also address its sporicidal action. Material and methods: In the present in vitro study, the ability of amorolfine and four other antimycotics (ciclopirox,

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Poster der 48. DDG-Tagung

bifonazole, terbinafine, fluconazole) in killing microconidia of Trichophyton rubrum, chlamydospores of Epidermophyton floccosum and blastospores of Candida albicans was extensively studied since these fungi occur predominantly in onychomycosis. Results: The efficacy of all five antimycotics depended on the drug concentration and incubation time whereby 10- to 1000-fold higher concentrations were needed to achieve sporicidal activity compared to the amounts needed to inhibit growing fungus cells (MIC). Amorolfine and ciclopirox showed the same sporicidal effect and kinetics for all three varieties of spores. Both were more effective than fluconazole and bifonazole against microconidia and chlamydospores and slightly more effective against chlamydospores and blastospores than terbinafine after four days of incubation and concentrations ≥ 10 μ g/ml. In general, the usage of high concentrations of the antimycotics resulted in a loss of time dependency. Clinical relevance of the findings will be discussed. Conclusions: For the first time, it could be demonstrated systematically that sporicidal action can be reached by different antifungals used for onychomycosis treatment and that it is partially time and concentration related.

Onkologie P130 Dimethylfumarate inhibits colon carcinona cell proliferation: evidence for cell cycle arrest, apoptosis and autophagy Kaluzki I.1, Hrgovic I.1, Kaufmann R.1, Valesky E.1, Kippenberger S.1, Meissner M.1 1

Universitätsklinik Frankfurt, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Frankfurt, Germany

Background: Colorectal cancer is the second most common malignant neoplasm in women and the third most common in men. Dimethylfumarate (DMF) is employed successfully as a drug for the treatment of inflammatory skin diseases as psoriasis. Furthermore recent studies have proven that DMF has a marked anti-proliferative impact on diverse cancer entities e.g. on melanoma or head and neck cancer. With the intention of exploring its anti-tumorigenic potential, we examined the effects of DMF on human colon carcinoma cell lines. Methods: Colon carcinoma cell lines were treated with or without DMF. Effects of DMF on proliferation, cell cycle progression and apoptosis were analyzed mainly by BrdU- and LDH-assays, flow cytometry, and immunoblotting. Results: The proliferation assays showed that DMF inhibits cell proliferation. In order to find the causal mechanisms we studied the cell cycle via FACS analysis and the apoptotic pathways. In HT-29 it was shown that DMF induces a cell cycle arrest in G0/ G1 phase, which is accompanied by up-regulation of p21 and down-regulation of cyclin D1 and CDK4. Besides, up-regulation of LC3 I/II suggests that autophagy is involved in the inhibition of proliferation in HT-29. In T-84, the up-regulation of both LC3 I/II and p62 (SQSTM1) and the activation of caspase 8 indicates autophagy to be a major mechanism of action of growth inhibition prompted by DMF. In addition, the detection of an increased number of mono- and oligonucleosomes provides evidence

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that apoptosis is induced in T-84. Furthermore, we explored the anti-proliferative effect of DMF in combination with oxaliplatin. Our results show that DMF supports the action of oxaliplatin in a synergectic manner. Conclusion: Taken together, our results demonstrate that DMF has distinct anti-tumorigenic, cell line dependent effects on colon cancer cells by arresting cell cycle in G0/G1 phase as well as activating both the autophagic pathway and apoptosis.

P131 Langzeitansprechen intraspinaler Metastasen bei B-Raf-mutiertem Melanom unter DabrafenibTherapie Koop A.1, Satzger I.1, Kapp A.1, Gutzmer R.1 1 Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, Hannover, Germany

B-Raf-Inhibitoren führen bei 50–60% der Patienten mit metastasiertem, B-Raf V600-positivem, malignen Melanom (MM) zu einem Ansprechen für durchschnittlich 7 Mo. Bei Hirnfiliae liegen die Ansprechraten bei ca. 30%, die Ansprechdauern liegen bei ca. 3–4 Mo. Wir berichten von einem metastas., B-Raf-V600E mutierten 75jährigen männl. Melanompat., welchem 19 J. zuvor ein ulzeriertes MM mit 0,87 mm Tumordicke am Rücken exzidiert worden war. 09/2013 stellte sich der Pat. mit Rückenschmerzen und Bewegungseinschränkung der Beine vor; keine relevanten Erkrankungen oder Begleitmedikat. In der MRT zeigten sich mehrere Raumforderungen (RF) im Rückenmark mit Muskelinfiltration. Nach operat. Exzision einer RF im Spinalganglion S1 konnte histolog. eine Melanomfilia mit B-Raf V600E Mutation diagnostiziert werden. Das übrige Staging zeigte sich blande, sodass von 10–11/2013 eine Radiatio der RF erfolgte. Nach radiolog. Progress der intraspinalen RF, erfolgte ab 12/2013 die Therapie mit dem B-Raf-Inhibitor Dabrafenib 2×150 mg/Tag. Nach 3-monatiger Einnahme waren keine RF mehr nachweisbar. Unter der Therapie traten initial Diarrhoen auf, welche unter Mesalazinbehandlung nahezu sistierten. Zudem traten verruköse Läsionen der Haut auf, die im Verlauf spontan rückläufig waren. Ein Hand-Fuß-Syndrom (CTC 1) zeigte sich unter topischem Steroid gebessert. Die postoperative Einschränkung beim Gehen konnte durch KG und Fußheberorthese gering gebessert werden. Zum Zeitpunkt der Abstracteinr. war der Pat. seit 10 Mo. unter Dabrafenibtherapie und in kompletter Remission. Der Pat.-kasus zeigt, dass ein Langzeitansprechen intraspinaler Filiae, auch nach Progress unter einer Radiatio, unter zielgerichteten Therapien möglich ist. Aufgabe zukünftiger Studien wird es sein, angesichts neuer Therapieansätze für das fortgeschrittene MM, prädiktive Parameter für ein gutes Ansprechen und Nebenwirkungen herauszuarbeiten, um eine rationale Therapieauswahl zu ermöglichen.

P132 Duktal-ekkrines Adenokarzinom mit herdeförmiger plattenepithelialer Differenzierung mit perineuraler Ausbreitung und Knocheninfiltration Kadlecova M.1, Simon J.C.1, Kendler M.1, Ziemer M.1 1

Universitätsklinikum Leipzig, Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Leipzig, Germany

Poster der 48. DDG-Tagung

Einleitung: Wir berichten über einen Fall eines 73-jährigen Patienten mit einem seit Mai 2013 bestehenden größenprogredienten Tumor am Kopf. Methode: Mehrmalige ambulant auswärts durchgeführte Exzisionen klassifizierten den Tumor als Plattenepithelkarzinom. Aufgrund eines raschen Rezidives erfolgte die mikrographisch kontrollierte Exzision. Histologisch zeigte sich ein duktal-ekkrines Adenokarzinom mit herdeförmiger plattenepithelialer Differenzierung parietal rechts mit perineuraler Ausbereitung und Knocheninfiltration. Die CT Untersuchung des Schädels zeigte eine Infiltration bis in die Spongiosa. Die durchgeführte Staging-Untersuchung mittels PET-CT erbrachte kein Nachweis weiterer malignitätsuspekter Tumorherde. Aufgrund der Infiltration bis in der Spongiosa der Kallote und perineuraler Ausbreitung erfolgte eine Nachresektion zuerst der Tabula externa, bei R1 Ergebnis dann in Zusammenarbeit mit den Neurochirurgen und MKG Chirurgen die Tabula interna und anschließend die Defektdeckung mit einem gestieltem freiem Latissimus-dorsi-Lappen. Die cervikalen Lymphknoten wurden an Level II, III und IVa entfernt, insgesamt 8 Tumorfreie Lymphknoten. Nach einer interdisziplinären Tumorkonferenz wurde eine adjuvante Radiatio empfohlen, die der Patient aber ablehnte. Diskussion: Bei dem ekkrinem Adenokarzinom der Haut handelt es sich um einen sehr seltenen Tumor, der am ehesten von den Schweißdrüsen stammt. Charakteristisch ist das invasive Wachstum und eine hohe Rezidivrate mit bis zu 60% Risiko einer Metastasierung am häufigsten Knochen oder Lunge. Die mikrographisch kontrollierte Exzision ist Therapie der Wahl. Aufgrund der Rarität des Tumors ist zur Zeit keine Leitlinie vorhanden. Die Rolle der adjuvanten Radiatio ist unklar. Seltene aggressiv wachsende Tumore am Kopf sollten in einem interdisziplinären Tumorboard besprochen werden und bei Notwendigkeit auch interdisziplinär behandelt werden.

P133 Malignes Melanom der Großzehe – Bedeutung der operativen Diagnostik und Therapie Khojah A.1, Nestoris S.1, Riedel U.1, Keiler A.1, Blödorn-Schlicht N.2, Stege H.1 1

Dermatologische Klinik, Detmold, Germany Labor für Dermatohistopathologie, Hamburg, Germany

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Fragestellung: Die Kasuistik veranschaulicht die Bedeutung invasiver Diagnostik zum Ausschluß maligner Melanome beim Vorliegen subungualer Tumore. Methodik: Die 50-jährige Patientin litt seit ca. 12 Monaten unter einem subungualen Tumor der rechten Großzehe, der im Verlauf exazerbierte und am medialen Nagelwall ein exophytisches Wachstum mit Ulzeration zeigte. Unter der Diagnose eines Unguis incarnatus wurde auswärtig eine operative Abtragung des proliferierenden Gewebes mit elektrokaustischer Behandlung durchgeführt. Auf eine histologische Aufarbeitung wurde verzichtet. Sechs Monate danach stellte sich die Patientin mit einem hautfarbenen, halbkugeligen, subungualen Tumor und erneuten ulzerösen Veränderungen im Nagelwall in unserer Klinik vor. Das klinische Bild erlaubte keine sichere Diagnosestellung. Deshalb wurde der Tumor nach Abtragung der Nagelplatte exzidiert und dermatohistopathologisch untersucht.

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Ergebnis: Hier zeigte sich das Vorliegen eines ulzerierten nodulären malignen Melanoms mit einer Tumoreindringtiefe von über 3 mm und mehr als 2 Mitose/mm2, BRAF negativ, non in toto. Das leitliniengerechte operative und diagnostische Vorgehen erforderte die Großzehenamputation und Sentinel Lymph Node Exstirpation sowie ein Staging. Eine Metastasierung des Melanoms konnte nicht nachgewiesen werden. Die Patientin steht unter einer Interferon-alpha-Therapie (3×3 Mio. i.E.) und engmaschiger dermatoonkologischer Nachsorge. Seit 6 Monaten konnte ein Progress der Tumorerkrankung nicht nachgewiesen werden. Schlussfolgerung: Die klinische Beurteilung subungualer Tumore ist durch die Nagelplatte erschwert. Die Dignität subungualer Tumore ist stets durch einen histolopathologischen Befund zu sichern. Nur durch die Gewinnung von Biopsiematerial kann das Vorliegen maligner Tumore mit hoher Sicherheit ausgeschlossen werden. Der Verzicht auf diese Vorgehen führt zu fatalen und lebensbedrohenden Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen.

P134 Acne inversa als mutmaßliche Nebenwirkung einer Vemurafenib-Therapie Thiem A.1, Mergler R.1, Kneitz H.1, Weyandt G.1, Goebeler M.1, Gesierich A.1 1 Universitätsklinikum Würzburg, Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Würzburg, Germany

Kutane Veränderungen sind eine häufige Nebenwirkung unter Therapie mit BRAF-Inhibitoren. Dazu zählen u.a. Exantheme, verstärkte Lichtempfindlichkeit, Keratosis-pilaris-artige Hautveränderungen, Akanthome, Keratoakanthome und kutane Plattenepithelkarzinome. Zystische Veränderungen wie Milien oder Epidermalzysten werden ebenfalls häufig beschrieben. Wir stellen den Fall einer Patientin mit neu aufgetretenen entzündlichen Knoten im Sinne einer Acne inversa unter Therapie mit Vemurafenib vor. Eine 50-jährige Patientin, Nichtraucherin, im Melanom Stadium IV mit Nachweis einer BRAF-V600E-Mutation wurde mit Vemurafenib 2xtgl. 960 mg behandelt. Zwei Wochen nach Vemurafenib-Einleitung kam es zum Auftreten eines ausgeprägten, folllikulär gebundenen, pustulösen Exanthems, welches unter systemischer und lokaler Kortikosteroidtherapie sowie Unterbrechung der Vemurafenib-Gabe abheilte. Vemurafenib wurde nach zweiwöchiger Pause in einer reduzierten Dosis von 2x 720 mg/Tag wiederbegonnen, ohne dass sich ein erneutes Exanthem ausbildete. Sechszehn Wochen nach Wiedereinleitung von Vemurafenib entwickelten sich langsam größenprogrediente, erythematöse, schmerzhafte Knoten inguinal und genital beidseits. Bei fehlender Abheilung unter oraler antibiotischer Therapie mit Cefuroxim und desinfizierender Lokaltherapie wurde einer antientzündlichen Therapie mit Doxcyclin initiiert; hierunter kam es zunächst zur deutlichen Befundbesserung, im Verlauf aber zum Auftreten weiterer Knoten, so dass Exzisionen der betroffenen Areale erfolgten. Histologisch zeigte sich das Bild einer Acne inversa. Das Auftreten von Acne inversa-artigen Veränderungen unter Vemurafenib-Therapie ist bisher in der Literatur lediglich in einem Fallbericht beschrieben. Der zugrunde liegende Pathomechanismus ist unklar. Bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen

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unter einer BRAF-Inhibitor-Therapie sollte auch auf Acne inversa-artige Hautläsionen an den entsprechenden Prädilektionsstellen geachtet werden.

P135 CD4+ CD56+ blastäre Neoplasie plasmazytoider dendritischer Zellen – ein Fallbericht Mickler M.1, Rudelius M.2, Jaeger T.1, Schreml S.1, Mayer S.3, Berneburg M.1, Haferkamp S.1 1

Universitätsklinikum Regensburg, Dermatologie, Regensburg, Germany 2 Universitätsklinikum Würzburg, Pathologie, Würzburg, Germany 3 Universitätsklinikum Regensburg, Innere Medizin, Regensburg, Germany

Einleitung: Die CD4+ CD56+ blastäre Neoplasie plasmazytoider dendritischer Zellen (BNPD) ist eine seltene Erkrankung aus der Gruppe der kutanen Lymphome, die sich durch einen aggressiven Verlauf mit schlechter Prognose auszeichnet. Wir berichten von einem 82-jährigen Patienten, der sich mit einem rasch entwickelnden, seit wenigen Wochen bestehenden Tumor am oberen Rücken in unserer Klinikambulanz vorstellte. Lokalbefund: 2 cm durchmessender, runder, scharf begrenzter, rötlich-bräunlicher Tumor am oberen Rücken. Kein Juckreiz, minimale Druckschmerzhaftigkeit. Histologie: Es zeigt sich subepidermal, das gesamte Korium durchsetzend, ein dichtes Infiltrat monomorpher, blastärer Tumorzellen. Die immunhistochemische Untersuchung konnte die Expression von CD4, CD56, CD7 und CD138 der Tumorzellen nachweisen. In Zusammenschau der Befunde wurde die Diagnose einer CD4+ CD56+ blastären Neoplasie plasmazytoider dendritischer Zellen gestellt. Krankheitsverlauf: Zum Zeitpunkt der Diagnose waren bereits deutlich vergrößerte Lymphknoten sowie eine Infiltration des Knochenmarks nachweisbar. Zusätzlich bestand ein reduzierter Allgemeinzustand mit ausgeprägter B-Symptomatik. Es wurde eine Polychemotherapie mit Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin und Prednisolon (CHOP-Schema) eingeleitet. Bereits nach dem ersten Zyklus kam es zu einer deutlichen klinischen und laborchemischen Besserung. Der Patient befindet sich aktuell nach 3 Zyklen Therapie in kompletter Remission und deutlich gebessertem Allgemeinzustand. Diskussion: Bei der BNPD handelt es sich um ein seltenes und aggressives Lymphom. Meist sind ältere Patienten betroffen mit einem medianen Erkrankungsalter im 6. Lebensjahrzehnt. Die Erkrankung manifestiert sich in den meisten Fällen zunächst an der Haut, bevorzugt am Kopf oder Stamm. Häufig ist bereits bei Diagnose, wie auch in unserem Fall, eine systemische Beteiligung mit Befall des Knochenmarks und der Lymphknoten nachweisbar.

P136 Abnahme der Inzidenz BRAF-Therapie-induzierter epithelialer Hautveränderungen unter fortschreitender Therapie Kratzsch D.1, Ziemer M.1 1

Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig, Germany

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Die Entstehung epithelialer Hautveränderungen ist eine der am häufigsten beobachteten kutanen Nebenwirkungen unter BRAF-Inhibitor Therapie. Als Ursache der Keratinozytenproliferation unter pharmakologischer RAF-Blockade wird eine paradoxe Aktivierung der „mitogen activated protein kinase” (MAPK) Signalkaskade in Zellen mit BRAF-Wildtyp vermutet. Wir berichten über einen männlichen Patienten, welcher wegen eines metastasierten Melanoms seit 8 Monaten mit 2 × 960 mg Vemurafenib behandelt wird. In diesem Zeitraum entwickelte er insgesamt zahlreiche epitheliale Herde, darunter 11 Verrucae vulgares, eine Lentigo senilis und eine seborrhoische Keratose (in Assoziation mit einem melanozytären Compoundnävus). Das Maximum an verrukösen Hautveränderungen trat bereits nach 8 Wochen BRAF-Therapie mit insgesamt 7 eruptiven Verrucae vulgares auf. In den folgenden Monaten kam es zu einer deutlichen Abnahme der Neuentstehung. Studien zufolge liegt die mittlere Zeit bis zum ersten Auftreten von Verrucae vulgares unter Vemurafenib-Therapie zwischen 4 und 5 Wochen. Unter der Therapie mit Dabrafenib konnte eine deutlich spätere Entstehung von Verrucae vulgares festgestellt werden. Verlaufsbeobachtungen zur Entwicklung epithelialer Hautveränderungen unter BRAF-Therapie sind in der Literatur bisher ausstehend. Damit berichten wir erstmals von einer Abnahme der Inzidenz BRAF-Therapie-induzierter epithelialer Hautveränderungen unter zeitlich fortschreitender Vemurafenib-Therapie. Der Patient ist zum aktuellen Zeitpunkt in partieller Remission mit weiterhin kontinuierlicher Verkleinerung der Metastasen.

P137 Literaturübersicht zu epidemiologischen Daten des Porokarzinoms Schultheis K.1, Wiegand H.1, Kaufmann R.1, Meissner M.1 1

Uniklinik Frankfurt, Dermatologie, Frankfurt, Germany

Das Porokarzinom ist ein sehr seltener maligner Hauttumor, der vom intraepidermalen Teil des ekkrinen Schweißdrüsenausführungsganges ausgeht. Er macht 0,005–0.01% der kutanen Tumoren aus. Eine lymphogene und hämatogene Metastasierung ist möglich. Aufgrund der Seltenheit des Porokarzinoms ist noch wenig über den Tumor bekannt. Die Datenbank Pubmed wurde nach Artikeln durchsucht, die im Titel und/oder Abstrakt das Wort Porokarzinom enthielten (Stand 02/2014). Da es Ziel war epidemiologischen Daten zu erheben, wurden nur Fallberichte und keine Übersichtsartikel verwendet, um Doppeltauswertungen zu vermeiden. Insgesamt wurde 223 Patienten aus 140 Artikeln in die Auswertung eingeschlossen. 51% waren Frauen und 49% Männer. Das Durchschnittsalter bei Diagnosestellung lag bei 65,8 Jahren. Bei 55% der Patienten trat das Porokarzinom zwischen der 6. und 7. Lebensdekade auf. Die Lokalisationen wurden durch uns in fünf Kategorien (Kopf, obere und untere Extremitäten, Stamm und unbekannt) unterteilt. Die häufigsten Porokarzinome wurden an den unteren Extremitäten (38%) und am Kopf (27%) detektiert. 17% der Patienten entwickelten ein Lokalrezidiv, wobei in 39% der Fälle keinerlei Aussage zum Vorliegen eines Rezidives gemacht wurde. Bei 32% der Fälle wurde eine Lymphknotenmetastasierung und in 18% eine Fernmetastasierung beschrieben. 63% der Patienten mit Fernmetastasen verstarben an der Erkrankung. Bei den Patienten

Poster der 48. DDG-Tagung

mit Lymphknotenbefall (N = 71) erfolgte bei 62% (N = 44) eine Lymphadenektomie. Im Falle einer Metastasierung gibt es kein einheitliches Behandlungsschema. In den meisten Fällen wurden platinhaltige Kombinationschemotherapien durchgeführt. Das Pororkarzinom ist ein seltener Tumor, der vorwiegend in höherem Lebensalter auftritt. Es gibt keinen geschlechtsspezifischen Unterschied. Im Falle einer Metastasierung versterben mehr als die Hälfte der Patienten. Ein einheitliches Therapieschema im Fall einer Fernmetastasierung fehlt.

P138 Uniläsionale lokal rezidivierende lymphomatoide Papulose mit variabler histologischer Präsentation Wehkamp U.1, Schwarz T.1, Weichenthal M.1, Klapper W.2, Oschlies I.2 1

Klinik für Dermatologie, Universitätsklinikum, Kiel, Germany Institut für Pathologie, Hämatopathologie, Universitätsklinikum, Kiel, Germany 2

Wir berichten über eine 73 Jahre alte Patientin, die sich 2013 mit einem solitären Nodus mit einem Durchmesser von ca. 5 mm am rechten Unterschenkel in unserer Ambulanz vorstellte. Anamnestisch war 2001, 2004 und 2009 in gleicher Lokalisation eine vergleichbare Läsion exzidiert worden, retrospektiv konnten die Biopsien ab 2004 histopathologisch reevaluiert werden. Zu jedem Zeitpunkt zeigte die histopathologische Untersuchung das Bild einer lymphomatoiden Papulose (LyP). Obwohl die Rezidive immer an gleicher Lokalisation auftraten, variierte der histologische Subtyp der LyP im zeitlichen Verlauf. 2004 wurde der Befund als LyP Typ C eingestuft mit V-förmiger blastenreicher Infiltration im dermalen Anteil. 2009 kam man in Zusammenschau mit den klinischen Befunden zur Diagnose einer LyP, Typ B mit einem im Vergleich deutlich geringeren Blastenanteil. Die letzte Biopsie in 2013 ergab einen Mycosis-fungoides-ähnlichen Phänotyp mit einer epidermotropen atypischen lymphozytären Population mit teils basalem Aufreihungsphänomen und Pautrierschen Mikroabszessen; der Befund wurde letztlich als ungewöhnliche LyP Typ B klassifiziert. Eine molekular klonale Population konnte zu keinem Zeitpunkt nachgewiesen werden. Aufgrund des konstant aberranten T-Zellphänotyp in allen Proben mit variabler Expression von CD30, Positivität für zytotoxische Marker und CD43 bei Negativität für CD3, CD4 und CD8 ist jedoch von Manifestationen ein- und derselben T-Zell-Lymphoproliferation auszugehen. Differentialdiagnostisch wurden eine uniläsionale Mycosis fungoides oder ein rekurrentes großzellig anaplastisches Lymphom diskutiert. Nach klinisch-pathologischer Korrelation ist der vorliegende Fall jedoch am besten unter der Diagnose einer uniläsionalen Präsentation einer LyP zu klassifizieren. Die rezidivierend uniläsionale Präsentation einer LyP in variablen histologischen Subtypen ist unseres Wissens nach ein bisher in der Literatur nicht beschriebenes Phänomen.

P139 Das „okkulte“ Melanom Kellner I.1, Herbst R.1 1

HELIOS Klinikum Erfurt, Dermatologie und Allergologie, Erfurt, Germany

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Laut S3 Leitlinien Melanom wird „..bei Nachweis von Haut-, Lymphknoten- oder Fernmetastasen bei unbekanntem Primärmelanom die Suche nach einem extrakutanen Primarius nicht empfohlen…“ Eine 60-jährige Patientin wurde uns aufgrund einer generalisierten Metastasierung bei okkultem Primum direkt zur Therapie zugewiesen. Ein auswärtiges apparatives Staging hatte histologisch amelanotische Metastasen eines malignen Melanoms mit hilärer Lymphknoten-, Magen-, Darm-, subkutaner, pulmonaler, hepatischer und ossärer Metastasierung ergeben. Bei der initial in unserer Klinik durchgeführten Ganzkörperinspektion fanden wir im Bereich der hinteren Kommissur der rechten Labia majora einen 1cm durchmessenden wenig primentierten Tumor mit lividen Knötchen. Histologisch fanden wir ein ulceriertes noduläres Schleimhautmelanom mit Satellitenmetastasen, TD 2,5mm. Ein 60-jähriger Patient wurde uns mit einem Lymphknotenkonglomerat im Bereich der rechten Axilla vorgestellt. Bioptisch war eine Lymphknotenmetastase eines malignen Melanoms diagnostiziert worden. Eine hautärztliche Untersuchung war im Heimatkrankenhaus erfolgt und als unauffällig dokumentiert. Die Vorstellung erfolgte ebenfalls zur Therapieübernahme bei okkultem Primum. Wir fanden am DI der rechten Hand eine verdickte Nagelplatte mit subungualen bräunlichen Hyperkeratosen und einem rötlichem Tumor am proximalen Nagelfalz ohne positives Hutchinsonzeichen. Die Nagelextraktion mit tiefer Probeexcision aus dem Nagelbett sicherte die Diagnose eines akrolentiginösen ulcerierten malignen Melanoms, TD 5 mm. Es erfolgten die Amputation des Endgliedes, die Lymphadenektomie axillär rechts (15/18 Lymphknoten Melanommetastasen), eine adjuvante Radiatio rechts axillär und die Einleitung einer adjuvanten Interferon-Therapie. Wir möchten mit unseren beiden Fällen darauf aufmerksam machen, dass eine erneute vollständige kutane Untersuchung der Haut und angrenzenden Schleimhäute der Patienten die Diagnose „okkult“ mitunter revidieren lassen kann.

P140 Hämophagozytotisches Syndrom bei subkutanem pannikulitisartigen T-Zell-Lymphom Rudolph N.1, Ziemer M.1, Klemke C.D.2, Simon J.C.1, Treudler R.1 1 Universitätsklinikum Leipzig, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Leipzig, Germany 2 Universitätsmedizin Mannheim, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Mannheim, Germany

Hintergrund: Das weltweit seltene subkutane pannikulitisartige T-Zell-Lymphom (SPTL) wurde erstmals 1991 beschrieben. Wir berichten über einen Fall mit SPTL und Hämophagozytosesyndrom (HPZS). Kasuistik: Eine 43-jährige Patientin entwickelte über 10 Monate multiple, erythematöse Knoten bis max. 5cm an Extremitäten und Abdomen mit inguinaler Lymphadenopathie. Histologie: innerhalb der Subkutis dichte Infiltrate lymphoider Zellen (CD3-, CD8-, und Perforin-positiv) untermischt mit Makrophagen. Die neoplastischen T-Lymphozyten exprimierten den Alpha Beta T-Zell-Rezeptor. Labor: Leuko- und Thrombopenie, sIL-2-Rezeptor-Anstieg: 4300 kU/l, erhöhte Transaminasen, Ferritin-Erhöhung, Gesamteiweiß-Verminderung. CT: Splenomegalie, subkapsuläre hypodense Leberläsion. Knochenmarkbiopsie: reaktive Veränderungen im Sinne eines Reizmarks.

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Unter einer systemischen Glukokortikosteroidtherapie zeigte sich nur ein ungenügendes Ansprechen des initial als Erythema nodosum eingeordneten Befundes. Nach Dosisreduktion entwickelte die Patientin hohes Fieber, was zunächst mit einer Sepsis in Zusammenhang gebracht wurde. In einem externen Krankenhaus erfolgte nach einer intensivmedizinischen Therapie (einschließlich Antibiose) erneut eine prolongierte Glukokortikosteroidgabe mit Dexamethason 40 mg und im Verlauf die Einstellung auf MTX. Diskussion: Die Symptome Panzytopenie, Fieber, Splenomegalie, Ferritin-Erhöhung, Triglyceridämie und sIL-2 Rezeptor-Anstieg führte zur Diagnose eines HPZS. Bei SPTL vom αβ -Typ ist das Auftreten eines HPZS mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert (46% 5-JÜR). Aufgrund der weltweit beschriebenen niedrigen Fallzahl existiert aktuell keine einheitliche Therapieempfehlung. Beschrieben sind derzeit neben CHOP-Zyklen, Stammzelltransplantationen und Radiotherapie vor allem immunsuppressive Ansätze, z.B. mit systemischen Glukokortikosteroiden oder Cyclosporin A als Monotherapie. Der Verlauf bei unserer Patientin bleibt abzuwarten.

P141 The effectiveness of dermoscopy in the diagnostics of dysplastic Melanocytic Nevi and Cutaneous Melanoma Maciuliene R.1, Makstiene J.2, Karciauskiene J.1, Valiukeviciene S.1 1 Department of Skin and Venereal Diseases of the Lithuanian University of Health Sciences, Medical Academy, Kaunas, Lithuania 2 Department of Pathological Anatomy of the Lithuanian University of Health Sciences, Medical Academy, Kaunas, Lithuania

Background: Early diagnostics of cutaneous melanoma (CM) is highly important for patient survival. Studies have shown that dermoscopy improves CM diagnostics. However, the data on the effectiveness of the digital dermoscopy evaluation software are rather contradictory. Objectives: To compare the effectiveness of the conclusions made automatically and by a dermatologist in diagnosing dysplastic melanocytic nevi (MN) and CM. Methods: Over the period of 2010–2011, 54 melanocytic skin tumors were analyzed prior to their excision. Based on histological analysis, 32 benign MN, 11 dysplastic MN, and 11 cases of CM were diagnosed. The thickness of CM was measured following Breslow's technique (pT). Two dermatologists conducted qualitative and quantitative evaluation of dysplasia (in points) on the digital images of the nevi using the ABCD rule, and automatically, using the Moleanalyzer software of the FotoFinder dermatoscope. Due to the small number of cases, for the final analysis CM and dysplastic MN were combined in a single group. Results: The sensitivity of the conclusion in the diagnosis of dysplastic MN and CM made by a dermatologist and automatically was, accordingly, 75% and 56%, and specificity – accordingly, 65% and 64%. The sensitivity of the conclusion in the diagnosis of CM (mean pT – 0,99 ± 1,08 mm) made by a dermatologist and automatically was, accordingly, 100% and 80%, and specificity – accordingly, 63% and 61%. Conclusions: The software of the digital dermatoscope may be used for the screening of dysplastic MN and CM not larger than 15,4 mm in diameter. However, an experienced dermatologist using the ABCD rule may more effectively diagnose malignant melanocytic lesions.

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P142 Basosquamous carcinoma of the head and neck: Clinical and histologic characteristics and their impact on disease progression Wermker K.1, Rocnik N.1, Gößling K.1, Klein M.1, Schulze H.-J.2, Hallermann C.2 1 Fachklinik Hornheide, Abteilung für Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie, Münster, Germany 2 Fachklinik Hornheide, Abteilung für Dermatologie und Venerologie, Dermatohistopathologie, Münster, Germany

Objectives: Basosquamous carcinoma (BSC) is a rare tumor entity and most common onset is in the head and neck region (BSCHN). Data on diagnosis, treatment and especially risk assessment concerning disease course and outcome is deficient or inconsistent. The aim of this study was to evaluate potential risk factors for local relapse (LR) and lymph node metastasis (LNM) and their impact on progression free survival (PFS). Materials and methods: In a retrospective monocentric study patients with BSC-HN treated between 1999 and 2011 were analyzed with regard to clinical and histologic characteristics. Possible prognostic parameters for LR, LNM and PFS were evaluated using univariate statistics. Results: In total 89 patients (55 male, 34 female, mean age 71.8 years) with a mean follow-up time of 47.7 months (range 12 – 112) were included. LR occurred in 4 patients (4.5%) and 5 patients (5.6%) developed LNM, showing significantly shorter PFS time of 16.1 months compared to 154.2 months in patients without LNM (p < 0.001). Tumor depth and size (T classification), incomplete resection, localization at the ear, deep maximal vertical invasion, muscle and vessel invasion showed significant (p < 0.05) association to LR, LNM and shorter PFS time. Conclusion: Whereas histology shows some typical characteristics of basal cell carcinoma, biological behavior and aggressiveness of BSC is similar to cutaneous squamous cell carcinoma. The in this study firstly described potential risk factors for LR and especially LNM can help to identify patients with higher risk for unfavorable outcome.

P143 20 MHz-Sonographie der Haut in der Differenzialdiagnostik zwischen nodulärem Basalzellkarzinom und seniler Talgdrüsenhyperplasie des Gesichts: eine Pilotstudie Bens G.1, Binois R.1, Roussel A.1, Kerdraon R.2, Estève E.1 1

Centre Hospitalier Régional d’Orléans, Service de Dermatologie, Orléans, France 2 Centre Hospitalier Régional d’Orléans, Service d’AnatomoPatholgie, Orléans, France

Die klinische Differenzialdiagnose (DD) zwischen beginnendem nodulärem Basalzellkarzinom (nBZK) und seniler Talgdrüsenhyperplasie (STH) des Gesichts kann schwierig sein. Ausgehend von einer Analyse der histologischen Struktur dieser beiden Entitäten postulierten wir, dass die Echogenitätsunterschiede zwischen nBZK und STH ausreichend sind, um in der 20 MHz-Sonographie der Haut zwischen ihnen zu unterscheiden. 79 kleine Hauttumoren des Gesichts, die einer histologischen Abklärung zwischen nBZK und STH bedurften, wurden vor ihrer

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Exzision sonographisch untersucht. Die Fotos der Sonobefunde wurden 2 unabhängigen Untersuchern vorgestellt, die für den klinischen und histologischen Befund blind waren. Die Sonobefunde der Hautveränderungen (HV) wurden von ihnen als echoarm versus echoreich im Vergleich zum angrenzenden Korium eingestuft. Ein echoarmer Befund wurde als Diagnosekriterium für ein nBZK in der DD zur STH definiert. Von 77 sonographisch darstellbaren HV waren histologisch 38 maligne (24 nBZK, 8 infltrative Basalzellkarzinome [BZK], 1 follikuläres BZK, 4 Plattenepithelkarzinome und 1 aktinische Keratose) und 39 benigne (24 STH, 5 dermale Naevi und 10 andere gutartige HV). Die Reproduzierbarkeit der Einstufung des Sono-Befundes betrug 90% für 2 verschiedene Bilder eines selben Tumors. Die Konkordanz zwischen den beiden Untersuchern erreichte 87,4% für ein bestimmtes Bild. Die Sensitivität der Methode betrug 92,2% für die Detektion eines nBZK und 89,4% für die Detektion aller malignen Tumoren. Die Spezifizität betrug 69,6% für die Detektion von BZK und 78,8% für die Detektion aller malignen HV. Die 20 MHz-Sonographie ist ein non-invasives Verfahren mit guter Sensitivität für die Identifizierung von nBZK in der DD gegenüber der STH. Ein echoarmer Befund ist nicht spezifisch für nBZK. Andere DD des nBZK und eine Tumorlokalisation in den seborrhoischen Gesichtsarealen scheinen die Spezifizität der 20 MHz-Sonographie zu verschlechtern.

P144 Fataler Verlauf eines Patienten mit metastasiertem Dermatofibrosarcoma protuberans unter der Therapie mit Imatinib mesylat (Glivec®) Babic V.1, Dabrowski E.1, Dippel E.1 1

Klinikum Ludwigshafen, Hautklinik, Ludwigshafen, Germany

Das Dermatofibrosarcoma protuberans ist ein seltener langsam wachsender Weichteiltumor. Es ist charakterisiert durch seltene Metastasierungsneigung (< 5%), jedoch besteht eine hohe Lokalrezidivrate (10–30%). Der Tumor tritt vor allen bei Erwachsenen in einem Durchschnittsalter von ca. 40 Jahren auf. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen. [1,2] Die häufigste Lokalisation ist der Stamm (42–72%), gefolgt von den proximalen Extremitäten (16–30%) und Kopf- Halsbereich (10–16%). [3,4,5]Beim DFSP wird in 90% der Fälle eine chromosomale Translokation t(17q22; 22q13) beschrieben. Somit entsteht ein überzähliges Ringchromosom. Dieses exprimiert das COL1α1-PDGFβ -Fusionsprotein, welches als kontinuierlicher Stimulator für den Wachstum der DFSP Zellen wirkt. [3,6,7] Die radikale chirurgische Resektion ist die Therapie der Wahl. Dabei sollte ein Sicherheitsabstand von 1–3 cm eingehalten werden. Bei inoperablen, lokal rezidivierten oder metastasierten DFSP wird die molekular zielgerichtete Therapie mit dem Thyrosinkinase Inhibitor Imatinib (Glivec®) empfohlen. Die Therapie führt zur Unterbrechung der pathologischen Aktivierung des PDGFβ -gerichteten Wachstumstimulus. Wir berichten über einen 81-jährigen Patienten mit metastasierten Dermofibrosarcoma protuberans, der unter der Imatinib Therapie mit 800 mg schwere Nebenwirkungen, von gastrointesinalen Beschwerden, Ödembildung bis hin zum Nierenversagen, entwickelt hatte. Imatinib ist ein Präparat das sorgfältig eingesetzt werden muss. Besonders bei älteren Patienten mit kardialen oder nephrologischen Vorerkrankungen, sollte eine Dosierungreduktion erwogen werden.

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Aktuelle Studien sprechen für ein Ansprechen von ca. 50%. Dabei sind die Dosierungen von 400–600mg/täglich der Dosierung von 800mg in der Wirkweise gleichgestellt, jedoch mit deutlich weniger Nebenwirkungen. [18]

P145 Erfolgreiche Toleranzinduktion bei einem Patienten mit Marginalzonenlymphom und Rituximab Hypersensitivität Schultheis K.1, Barudoni A.1, Meissner M.1, Kaufmann R.1, Valesky E.M.1 1

Universitätsklinikum Frankfurt, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Frankfurt, Germany

Vorgestellt wird ein 64-jähriger Patient mit einem multilokulären extranodalen Marginalzonenlymphom mit kutanen Plaques und axillären Lymphknoteninfiltrationen (Stadium III nach modifizierter Ann-Arbor-Klassifikation). Trotz Prämedikation mit 1g Paracetamol, 100mg Prednisolon und 2mg Clemastin entwickelte der Patient bei der Erstgabe von Rituximab nach 15min eine Urtikaria mit Angioödemen. Die Gabe musste umgehend abgebrochen werden. Ein erneuter Versuch der Applikation unter Eskalation der Prämedikation scheiterte ebenfalls aufgrund einer akuten Urtikaria nach wenigen Minuten. Bei weiter bestehender Therapiebedürftigkeit des Marginalzonenlymphoms erfolgte der Versuch einer Toleranzinduktion. Zum Ausschluss einer Typ-I Reaktion erhielt der Patient einen Prick- und Intrakutantest. Es zeigten sich keine Reaktionen. Im Verlauf wurde Rituximab in aufsteigenden Konzentrationen (1:100, 1:10, 1:1) mit ansteigenden Infusionsgeschwindigkeiten in 12 Schritten nach standardisiertem Protokoll infundiert. Insgesamt erhielt der Patient die notwendige Gesamtdosis von 732 mg Rituximab über 5 h 50 min. Bei der Maximalgeschwindigkeit (120 ml/h) traten erneut generalisierte Quaddeln auf. Mittels Gabe von i.v. Glucocorticosteroiden und Antihistaminika konnte die Reaktion gut kontrolliert werden. Nach erneuter Reduktion der Geschwindigkeit (80 ml/h) wurde die verbleibende Infusion problemlos vertragen. Die zweite Gabe nach o.g. Schema zur Toleranzinduktion verlief komplikationslos. Durch das o.g. 12-Stufen Aufdosierungsschema konnte bei unserem Patienten eine kurzfristige Toleranz erzeugt und das Präparat (Rituximab) verabreicht werden. Es ist zu empfehlen, dass bei Patienten mit einer Hypersensitivitätsreaktion die Toleranzinduktion versucht werden sollte, bevor auf möglicherweise schlechtere Therapiealternativen zurückgegriffen wird.

P146 Atypisches Fibroxanthom mit Lymphknotenmetastasierung Strunk T.1, Materna U.2, Eufinger H.3, Szeimies R.-M.2 1 Klinikum VEST, Klinik f. Dermatologie u Allergologie, Recklinghausen, Germany 2 Klinikum VEST, Klinik für Dermatologie, Recklinghausen, Germany 3 Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Recklinghausen, Germany

Wir berichten über einen 79-jährigen Patienten, der sich im Juli 2012 mit einem seit 6 Monaten bestehenden, rezidivierend blutenden Tumor am Kapillitium links vorstellte. Es zeigte sich ein ca. 1,5 cm durchmessender, zentral ulzerierter Nodus mit

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aufgeworfenem Randwall und randständigen Teleangiektasien. Nach chirurgischer Exzision konnte die Diagnose eines atypischen Fibroxanthoms gestellt werden. Vier Monate später präsentierte sich der Patient erstmals mit Rezidiv im proximalen Anteil der Narbe, das mit 2 cm SA zu allen Seiten reseziert wurde. Ein erneutes Lokalrezidiv wurde im Juni 2013 diagnostiziert. Bei Nachweis einer knöchernen Tumorinfiltration erfolgte die Resektion unter Mitnahme der Tabula interna mit anschließender modellierender Osteotomie, Skalprotationsplastik und Spalthauttransplantation. Im Rahmen der Nachsorge zeigte sich im Januar 2014 im CT das Bild einer zervikalen Lymphadenopathie links. Histologisch konnte eine lymphogene Metastasierung des vorbekannten atypischen Fibroxanthoms diagnostiziert werden, sodass eine erweiterte radikale Neck dissection mit anschließender Radiatio erfolgte. In der Nachsorge konnte seitdem kein Rezidiv und keine Fernmetastasierung festgestellt werden. Das atypische Fibroxanthom (AFX) wird vorwiegend bei Männern um das 70. Lebensjahr in UV-exponierten Arealen beobachtet. Es handelt sich um ein undifferenziertes pleomorphes, spindelzelliges Sarkom der Dermis mit niedrig-malignem Potential. Zwar neigt das AFX zur Ausbildung lokaler Rezidive, Fälle mit einer lymphogenen Metastasierung werden in der Literatur aber nur vereinzelt beschrieben. Schwierig ist die Abgrenzung zu dem deutlich aggressiver wachsenden und frühzeitig metastasierenden malignen fibrösen Histiozytom (MFH), da sowohl histologisch, als auch immunhistochemisch, mit Ausnahme der Infiltrationstiefe, keine Unterschiede zu erkennen sind. Einige Autoren vertreten daher die Auffassung, dass es sich beim AFX um eine oberflächliche Variante des MFH handelt.

P147 Isolierte Nagelwachstumsstörung – eine diagnostische Herausforderung Ehrig S.1, Materna U.1, Blume J.-H.1, Eickelmann M.1, Szeimies R.-M.1 1

Klinikum VEST, Klinik für Dermatologie, Recklinghausen, Germany

Eine 72-jährige Patientin stellte sich mit einer seit einem Jahr bestehenden Nagelwachstumsstörung am rechten Daumen ohne vorangegangenes Trauma vor. Bei der klinischen Untersuchung zeigte sich im ulnaren Nagelanteil des rechten Daumens ein hautfarbener subungualer Tumor mit partieller Destruktion des Nagels. Hutchinson-Zeichen negativ, restliche Nägel unauffällig. Da die Patientin eine Probebiopsie ablehnte, erfolgten neben mykologischer Diagnostik und dem Röntgen des Fingerstrahls zunächst zytologische Abklatschpräparate des Tumors auf Melan-A, HMB45 und S100-Protein, die deutlich positiv waren. Eine daraufhin entnommene Probebiopsie bestätigte den Verdacht auf ein amelanotisches akrolentiginöses malignes Melanom. Die Staginguntersuchungen (Röntgen-Thorax, Sonographie Lymphknoten und Abdomen, CT Schädel, Thorax und Abdomen) und SLNB zeigten keine weitere Melanommanifestation. Zusammenfassend fand sich bei der Patientin ein amelanotisches akrolentiginöses malignes Melanom mit einer Tumordicke von 1,67 mm, Clark Level II-III, < 1 Mitose/mm2, pT2aN0M0, Stadium IB. Therapeutisch erfolgten eine Extraktion des Daumennagels mit 1 cm SA zu den Seiten und zur Tiefe bis auf das Periost sowie eine Sentinel-Lymphknoten-Biopsie. Das akrolentiginöse maligne Melanom ist mit einem Anteil von 2–3% eine seltene Variante des malignen Melanoms, von

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denen 30% als amelanotische Tumoren imponieren. 90% der ALM finden sich am Daumen oder der Großzehe. Insbesondere bei amelanotischen Tumoren wird die Diagnose oft erst in fortgeschrittenen Stadien gestellt. Die Rolle vorangegangener Traumata in der Pathogenese wird kontrovers diskutiert. Die Therapie entspricht der des malignen Melanoms, die Amputation der distalen Phalanx ist nur bei high-risk Melanomen zu empfehlen. Der cKIT-Mutationsanalyse kommt beim metastasierten ALM auch im Hinblick auf eine „targeted-Therapy“ eine besondere Bedeutung zu. Eine zytologische Untersuchung, insbesondere mit HMB45 kann diagnostisch hilfreich sein.

P148 Automatisiertes Hautkrebs-Screening mit berührungsloser „Remote-Dermatoskopie“ Haenssle H.A.1, Hofmann L.2, Schön M.2, Werfel T.3, Günther A.4, Basu C.4, Roth B.4, Niemann K.-H.5, Schmerling O.5, Scharenberg S.6, Lüllau F.7, Vogt K.8, Rosenhahn B.8, Meinhardt-Wollenweber M.4, Emmert S.2 1 Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitätsklinikum Heidelberg, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Dermatologie, Heidelberg, Germany 2 Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität Göttingen, Göttingen, Germany 3 Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Medizinischen Hochschule Hannover, Hannover, Germany 4 Hannoversches Zentrum für Optische Technologien, Leibniz Universität Hannover, Hannover, Germany 5 Hochschule Hannover, Fakultät I – Elektro- und Informationstechnik, Hannover, Germany 6 tpm taberna pro medicum GmbH, Lüneburg, Germany 7 Lumedtec GmbH, Lüneburg, Germany 8 Institut für Informationsverarbeitung, Leibniz Universität Hannover, Hannover, Germany

Einleitung: Strategien zum Hautkrebs-Screening, wie das deutsche Hautkrebs-Screening Programm der gesetzlichen Krankenkassen, sollen Morbidität und Mortalität durch maligne Hauttumore in der Bevölkerung reduzieren. Der zeitliche und personelle Aufwand für Ganzkörper-Screening Untersuchungen inklusive der Dermatoskopie ist jedoch sehr hoch. Um Ärzte im medizinischen Alltag zu entlasten und eine gleichbleibend hohe Qualität und Standardisierung des Hautkrebs-Screenings zu ermöglichen, erscheinen Technologien für ein weitgehend automatisiertes Hautkrebs-Screening wünschenswert. Material/Methoden: Kooperationsprojekt des „Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM)“ mit führenden Partnern aus Industrie und Akademie mit dem Ziel der technologischen Entwicklung und medizinischen Validierung eines automatisierten Hautkrebs-Screening Gerätes mit der Möglichkeit einer kontaktfreien „Remote-Dermatoskopie“. Ergebnisse: Die getrennt geführten Entwicklungsstränge für die erforderlichen Technologien zielen auf i) einen automatisierten Scanvorgang von Körperabschnitten, ii) eine automatisierte Erkennung von entzündlichen und/oder neoplastischen Hautveränderungen, iii) einen Ausgleich von Körperbewegungen durch Motion-Tracking Technologien, iv) eine kontaktfreie Dermatoskopie aus der Distanz (Remote-Dermatoskopie), v) eine Segmentierung und strukturelle Analyse gewonnener Aufnahmen sowie

Poster der 48. DDG-Tagung

vi) die automatisierte digitale Entfernung störender Artefakte wie Körperbehaarung (virtuelle Rasur). Nach Realisierung erster Teilaspekte bestehen weitere Ziele in der Integration der Systemkomponenten sowie der Generierung von automatisierten Computeralgorithmen für eine Hilfestellung bei der Diagnose häufiger kutaner Neoplasien. Zusammenfassung: Ein automatisiertes Hautkrebs-Screening mit integrierter „Remote-Dermatoskopie“ soll spezialisierte Zentren und Praxen personell entlasten und Ärzten differentialdiagnostische Hilfestellung bieten.

P149 Dermatoonkologische Versorgung von Patienten im ländlichen Bereich am Beispiel Mecklenburg Vorpommern Lutze S.1, Arnold A.1, Jünger M.1 1

Universitätsmedizin Greifswald, Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten, Greifswald, Germany

In den letzten Jahren hat sich die Behandlung dermatoonkologisch erkrankter Patienten stark verändert: Neben neuen Behandlungsoptionen in der medikamentösen Behandlung von fortgeschrittenen und metastasierten Hauttumoren, insbesondere dem malignen Melanom sind in den aktuellen Leitlinien viele weitere Aspekte fixiert, die eine zunehmend individuelle und interprofessionelle Therapieplanung und Betreuung dieser Patienten erfordern. Die Erfüllung der Leitlinienvorgaben erfordert die Mitbetreuung der Patienten an einer zentralen Struktur, vorrangig einem Hauttumorzentrum. Dies betrifft sowohl die dokumentierte interdisziplinäre Indikationsstellung für eine Tumortherapie als auch deren Umsetzung. Gerade in einer ländlich geprägten Region mit weiten Anfahrtswegen für die oft älteren und/ oder schwer erkrankten Patienten ist aber eine belastbare Zusammenarbeit mit den niedergelassenen dermatologischen Fachärzten und auch anderen Fachärzten (z.B. dem betreuenden Hausarzt) erforderlich, um die Sicherheit der Behandlung zu erhöhen. Das Nebenwirkungsspektrum neuer Melanomtherapien ist teilweise komplex und bedarf exakter Kenntnisse und guter Kooperation. Neben klaren und schnellen Kommunikationswegen (auch unter Nutzung der Telemedizin sowie vernetzter Ambulanzsoftware) und ständiger Erreichbarkeit mit festen Ansprechpartnern gehören Information und Einbeziehung der Kollegen in neue Therapien durch Weiterbildungsangebote sowie die Möglichkeit jederzeitiger Vorstellung von Patienten mit Akutsymptomatik dazu. Intersektorale Versorgungsmodelle für die Patienten einschliesslich der Organisation der Weiterbetreuung – häuslicher Pflege, spezialisierter ambulanter palliativmedizinischer Versorgung oder Betreuungsorganisation auf einer Palliativstation und im Hospiz – sind weitere wichtige Punkte. Am Beispiel des Hauttumorzentrums Greifswald soll ein Überblick über die besonderen Herausforderungen der dermatoonkologischen Versorgung in einem Flächenland gegeben werden.

P150 Therapie mit Vemurafenib nach Myokardinfarkt Kirsten H.1, Ziemer M.1, Weidauer-Zuniga S.1, Thorn N.1, Simon J.C.1 1

Universität Leipzig, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Leipzig, Germany

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Hintergrund: Zu den bekannten kardialen Nebenwirkungen von Vemurafenib gehört die Verlängerung der QT-Zeit. Ein erhöhtes Myokardinfarktrisiko unter der Therapie ist nicht bekannt. Es werden nur Einzelfälle von Myokardinfarkten unter Vemurafenib beschrieben. Wie sollte also vorgegangen werden, wenn es unter der Therapie mit Vemurafenib zu einem Herzinfarkt kommt? Ein Fallbericht eines 58-jährigen Patienten. Kasuistik: Der Patient erhielt aufgrund eines metastasierten Melanoms (pulmonale und Nebennieren-Metastasierung) Vemurafenib. Nebenbefundlich bestand eine hypertensive Herzkrankheit. Auffällig zeigte sich außerdem die Familienanamnese (Vater: Myokardinfarkt, Großvater: Myokardinfarkt, Großmutter: Apoplex). 48 Tage nach Ersteinnahme von Vemurafenib (mit zwischenzeitlicher Pause von 14 Tagen aufgrund eines acneiformen Exanthems) und 9 Tage nach Wiederbeginn der Medikation kam es bei dem Patienten zu einem ST-Hebungsinfarkt der Vorderwand mit Verschlechterung der LVEF auf 25%. Dem Patienten wurden zwei Stents in die LAD implantiert, woraufhin sich im weiteren Verlauf ein Anstieg der LVEF auf 44% zeigte. Aufgrund eines anamnestisch ausgeprägt stressigen Tages für den Patienten vor dem ST-Hebungsinfarkt als mögliche Ursache und aufgrund der bekannten Familienanamnese sahen wir einen Zusammenhang zwischen Vemurafenib-Therapie und Myokardinfarkt als eher nichtwahrscheinlich an. 25 Tage nach dem Ereignis wurde Vemurafenib in reduzierter Dosierung (720 mg 2 x tägl.) wieder angesetzt. In der letzten Staging-Untersuchung fand sich eine Complete Response. Kommentar: Bezüglich der weiteren Therapie mit Vemurafenib nach Myokardinfakt gibt es keine Empfehlungen den Wiedereinstieg der Medikation betreffend. In diesem Fall wurde die Therapie mit Vemurafenib fortgeführt. Der Patient befindet sich in engmaschiger Kontrolle. Die LVEF zeigte sich zuletzt mit 50% weiterhin gebessert.

P151 Lokalisiertes B-Zell lymphoblastisches Vorläufer-Lymphom der Haut Buchner M.1, Wehkamp U.1, Grewe L.1, Horst H.A.2, Klapper W.3, Weichenthal M.1 1

Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Klinik für Dermatologie, Kiel, Germany 2 Universitätsklinikum Schleswig- Holstein, Campus Kiel, Medizinische Klinik II, Kiel, Germany 3 Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Sektion Hämatopathologie, Kiel, Germany

Wir stellen einen 30-jährigen Patienten mit einem rasch wachsenden Tumor am Hinterhaupt vor. Unter dem Verdacht auf ein kutanes B-Zell Lymphom wurde eine Hautbiopsie vorgenommen, welche sich in der bioptischen Untersuchung als kutanes B-Zell lymphoblastisches Vorläufer (“Precursor”)-Lymphom (pB-LBL) herausstellte. Die darauf erfolgten hämatopathologischen Untersuchungen, Knochenmarkspunktion und CT-Befunde zeigten jedoch keine weiteren Manifestationen in Form eines nodalen bzw. systemischen Lymphoms bzw. einer lymphoblastischen Leukämie. Das pB-LBL ist ein sehr seltenes NHL, welches sich häufig im Weichteilgewebe, Knochen und Lymphknoten manifestiert. Die Abgrenzung des pB-LBL von einer lymphoblastischen Leukämie

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ist fließend und oftmals finden sich Übergänge. Durch Chemotherapie und ggf. Radiotherapie ist häufig eine komplette Remission erreichbar (bis zu 70%) und die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt 45% bis 55%. Eine primär kutane Manifestation eines pB-LBL ist sehr selten beschrieben. Den vorliegenden Berichten zufolge kann eine isolierte Manifestation an der Haut mit einer günstigen Prognose verbunden sein. Im vorliegenden Fall kam es unter einer durchgeführten Polychemotherapie zu einer kompletten Remission der kutanen Lymphominfiltration. Regelmäßige Staging-Untersuchungen und eine langfristige Nachsorge sind bei signifikantem Rezidivrisiko jedoch langfristig notwendig.

P152 Elektrochemotherapie von Satellitenmetastasen eines malignen blauen Nävus Wölker J.1, Hallermann C.1, Schultewolter T.1, Tiemann M.2, Schulze H.-J.1 1

Fachklinik Hornheide, Dermatologie, Münster, Germany Institut für Hämatopathologie, Hamburg, Germany

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Ein 59-jähriger Patient stellte sich zwischen 2010 und 2014 mehrfach in unserer Klinik vor mit rezidivierenden kutanen Metastasen eines malignen Naevus bleu hochfrontal rechts. Im Vorfeld wurde 2009 ein Naevus exzidiert; es kam jedoch 2010 zu erneutem Wachstum in Form eines Lokalrezidivs. Die Histologie des Tumors war zu diesem Zeitpunkt charakterisiert durch einen epidermisnah proliferationsaktiven und zur Tiefe zunehmend epitheloidzellig transformierten, zellreichen blauen Naevus. Die molekulare Charakterisierung wies eine NRAS-Mutation nach bei fehlenden Nachweisen für das BRAF- und cKIT-Gen. 2011 entwickelten sich 10 stecknadelkopfgroße Satellitenmetastasen; diese wurden operativ entfernt und eine daraufhin durchgeführte SLNB zeigte eine Mikrometastase im Wächterlymphknoten, Die regelmäßig durchgeführte Ausbreitungsdiagnostik ergab bis zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anhalt für eine Fernmetastasierung. Nach dem Auftreten von inoperablen Rezidiven und lokoregionären Metastasen des Naevus bleu führten wir 2013 eine Elektrochemotherapie mit Bleomycin i.v. durch, initial mit kompletter Remission. 14 Monate sowie 20 Monate später trat jeweils eine weitere operativ sanierbare kutane Metastase auf. Der vorliegende Fall zeigt eindrucksvoll den Übergang eines initial benignen Befundes in einen maligne entarteten blauen Nävus mit rezidivierender Bereitschaft zu lokoregionärer Metastasierung bei fehlender Fernmetastasierung und die Wirksamkeit der Elektrochemotherapie. Bei der Häufigkeit blauer Nävi ist eine maligne Entartung in der Literatur selten beschrieben, in einzelnen Fällen jedoch mit ausgeprägter Metastasierung in Lymphknoten und Gehirn bis zum letalen Ausgang.

P153 Erfolgreiche Kombinationstherapie von BRAF- und MEK-Inhibitor nach Progress unter BRAF-Inhibitor Monotherapie: Bericht eines Patienten mit hirnmetastasiertem Melanom Asper H.1, Satger I.1, Tolk H.1, Kapp A.1, Gutzmer R.1 1

Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Germany

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Wir berichten über einen 59-jährigen Patienten, der nach Progress unter einer Monotherapie mit dem BRAF-I.Vemurafenib auf die Kombinationstherapie mit dem BRAF-I. Dabrafenib und dem MEK-I.Trametinib ansprach. Bei dem Patienten wurde im Jahr 2012 ein malignes Melanom am Rücken mit 1,6mm Tumordicke diagnostiziert und entfernt mit Nachweis einer BRAF V600E Mutation. Es erfolgte gleichzeitig eine Lymphknotendissektion bei Vorliegen einer Makrometastase axillär li. Nach einer Radiatio in diesem Bereich schloss sich eine adjuvante Therapie mit Hochdosis-Interferon an, die aufgrund eines Tumorprogresses abgebrochen werden musste. Im April 2013 wurde bei Auftreten von Lymphknotenfiliae inguinal bds. u. axillär li., einer Lebermetastase sowie Hirnfiliae eine Therapie mit Vemurafenib begonnen. Die Therapie wurde vom Patienten insgesamt gut vertragen. Die laborchemischen Untersuchungen und EKG-Kontrollen zeigten keine pathologischen Befunde. Nach kompletter Remission der peripheren Filiae und partieller Remission der cerebralen Filiae ließen sich im März 2014 mindestens sechs größenprogrediente Filiae in beiden Großhirnhemisphären nachweisen. Alle übrigen Metastasen waren weiter in kompletter Remission und der Patient hatte subjektiv weiterhin keine Beschwerden. Daraufhin wurde die Kombinationstherapie mit Dabrafenib 150 mg 2xtgl und Trametinib 2mg 1xtgl.initiiert. Der Patient zeigte bis auf eine Xerosis cutis wenig Nebenwirkungen und hat die Therapie gut vertragen. In den aktuellen Staginguntersuchungen vom Oktober 2014 zeigten sich die bekannten Hirnmetastasen unverändert ohne Hinweis auf weitere Filiae. Nach Progress auf eine BRAF-Inhibitor Monotherapie stellt die Kombination aus einem BRAF- und MEK-Inhibitor eine Therapieoption dar, die im Einzelfall diskutiert werden kann. Erste publizierte Fallserien legen allerdings nahe, dass die Erfolgsaussichten des Ansprechens auf die Kombination nach Progress unter Monotherapie geringer sind als der direkte Einsatz der Kombination.

P154 Lymphknoteninfiltration durch ein großzellig, anaplastisches, CD30-positives T-Zell-Lymphom oder M. Hodgkin – eine Herausforderung für Pathologen und Kliniker Messerschmidt A.1, Hartmann S.2, Kaufmann R.1, Meissner M.1 1 Klinik f. Dermatologie, Venerologie und Allergologie Universität Frankfurt, Frankfurt am Main, Germany 2 Dr. Senckenbergisches Institut für Pathologie Universitätsklinikum, Frankfurt am Main, Germany

Bei einem 62-jährigen Patienten war seit 16 Jahren ein kutanes großzellig, anaplastisches, CD30+ T-Zell-Lymphom (CD30+TCL) bekannt. Vor 7 Jahren wurde zusätzlich ein M. Hodgkin (MH) diagnostiziert und mit einer Polychemotherapie erfolgreich behandelt. Das kutane Lymphom war im Laufe der Jahre mit PUVA, MTX oder Radiotherapie therapiert worden. Sonographisch zeigte sich inguinal im Rahmen der Nachsorge ein pathologischer Lymphknoten. Der Lymphknoten (LK) wurde exstirpiert. Es stellte sich ein LK mit Infiltraten aus einer hellzellig imponierenden atypischen Zellpopulation mit vergrößerten Kernen und verplumptem Chromatin sowie teilweise bohnenförmigen Kernen dar. Immunhistochemisch kamen reichlich CD30+ pleomorphe Blasten zur Darstellung. Diese waren von CD3+ T-Zellen umgeben. Die Blasten zeigten teilweise eine Expression von CD15 bei Negativität für TIA1, Granzym-B und ALK1. Die

Poster der 48. DDG-Tagung

Proliferationsrate lag bei etwa 50%. Die Blasten waren weiterhin positiv für MUM1 und fraglich spezifisch positiv für PAX5 bei Negativität für CD10. Zur Abgrenzung gegenüber einem MH wurde eine molekulare Analyse durchgeführt. Die Reaktionen des Immunglobulin-Schwerketten-Lokus fielen polyklonal aus. Auch in den Reaktionen für die T-Zell-Rezeptor Gamma- und Beta-Kette fand sich ein polyklonales Bild. In der Literatur wird ein Zusammenhang zwischen MH und CD30+TZL beschrieben. Häufiger sind wohl morphologische und immunphänotypische Überschneidungen zwischen dem MH und der Lymphknoteninfiltration durch CD30+TZL. So kann die Koexpression von CD30 und CD15 bei gleichzeitiger morphologischer Ähnlichkeit der Zellen mit Hodgkin-Zellen irrtümlich zur Diagnose eines MH führen. Der gehäuft beobachtete Zusammenhang zwischen MH und CD30+TZL scheint einer Re-Evaluation häufig nicht Stand zu halten. Auch in unserem Fall wurde die Diagnose Lymphknoteninfiltration durch ein CD30+TZL und nicht MH gestellt. Inwieweit bei unserem Patienten die Diagnose MH vor 7 Jahren korrekt war, gilt es zu überprüfen.

P155 Optische Kohärenztomographie und Imiquimod Therapie der Erythroplasie Queyrat: eine Fallstudie Schmitz L.1,2, Bierhoff E.3, Gambichler T.1, Dirschka T.2,4 1

Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, St. Josef-Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, Bochum, Germany 2 CentroDerm, dermatologische Praxis, Wuppertal, Germany 3 Heinz-Werner-Seifert-Institut für Dermatopathologie Bonn, Bonn, Germany 4 Fakultät für Gesundheit, Universität Witten-Herdecke, Witten-Herdecke, Germany

Die Erythroplasie Queyrat (EQ) ist ein seltenes in-situ Plattenepithelkarzinom der Schleimhäute, das sich bei nicht beschnittenen Männer zumeist im Bereich der Glans Penis manifestiert. Die frühzeitige Erkennung und Behandlung ist entscheidend, um die Entwicklung eines invasiven Plattenepithelkarzinoms zu verhindern. Für die Prognose und Therapie ist die Frage nach Invasivität entscheidend. Den diagnostischen Goldstandard stellt die histologische Untersuchung dar. Damit lässt sich prätherapeutisch jedoch nur eine Aussage über das Biopsat und nicht über die vertikale Ausdehnung der gesamten Läsion treffen. Die optische Kohärenztomographie (OCT) ermöglicht die Erstellung von nicht invasiven, vertikalen Echtzeitbildern der Haut, die an gleicher Stelle beliebig oft reproduzierbar ist. Wir berichten über einen 55-jährigen Patienten, der sich mit seit 2 Jahren bestehendem, progressivem Erythem im Bereich der Glans Penis vorstellte. Bei histologisch gesicherter EQ war dem Patienten extern die partielle Penektomie empfohlen worden. Die OCT ermöglichte uns die nicht invasive Darstellung einer intakten dermo-epidermalen Junktionszone über die gesamte Läsion. Daher entschlossen wir uns nach unauffälligen Stagingbefunden zur Durchführung einer konservativen, topischen Therapie mittels Imiquimod 5%. Imiquimod ist ein topischer Immunmodulator mit antitumoralen und antiviralen Eigenschaften. Nach einer 8-wöchigen Therapiephase ließen sich sowohl klinisch als auch OCT-morphologisch keine pathologischen Veränderungen mehr nachweisen. In einer Follow-up Untersuchung

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nach einem Jahr ergaben sich weiterhin keine Hinweise auf ein Rezidiv. Die OCT kann somit die diagnostische Abklärung bei EQ ergänzen und ist als nicht-invasives Verfahren zur Therapiekontrolle geeignet. Die topische Therapie mit Imiquimod 5% ermöglicht eine wirksame, konservative Behandlung für Patienten mit EQ.

P156 Atonal homolog-1 gene sequencing in Merkel cell carcinoma tissue and cell cultures Mothezebsade S.1, Schmitz L.1, Schaller J.2, Schulze H.J.3, Oellig F.4, Oellig W.P.4, Kreuter A.5, Becker J.C.6, Gambichler T.1 1 Department of Dermatology, Skin Cancer Centre, Ruhr-University Bochum, Bochum, Germany 2 Dermatopathology, Duisburg, Germany 3 Fachklinik Hornheide, Skin Cancer Centre, Department of Dermatology and Dermato-Histo-Pathology, Münster, Germany 4 Institute for Pathology, Mülheim/Ruhr, Germany 5 Department of Dermatology, Venereology and Allergology, HELIOS St. Elisabeth Hospital Oberhausen, Oberhausen, Germany 6 Department of Dermatology, University Hospital Essen, West German Cancer Centre, University Duisburg-Essen, Essen, Germany

Background: Atonal homolog 1 (ATOH1), also called Math1 or Hath1, may have an anti-oncogenic function for the Atonal group of pro-neural basic helix-loop-helix transcription factors. It has recently been reported that ATOH1 is mutated in Merkel cell carcinoma (MCC) and may represent a tumour suppressor gene. Objectives: We aimed to verify the aforementioned data by investigating the ATOH1 gene in tissue and cell cultures of patients with MCC. Methods: Genomic DNA isolation and amplification via PCR was successfully performed in 33 MCCs (FFPE tissue), 3 MCC cell lines and one small cell lung cancer cell line as a control for neuroendocrine neoplasms. Sanger sequencing of the whole ATOH1 gene was applied in order to detect mutations. Results: Neither in MCC samples of 33 patients nor in cell lines we could discover ATOH1 mutations. In one case we found a single nucleotide polymorphism which has previously been reported to be a natural variant (H237Q). Conclusions: On the basis of our preliminary data we conclude that ATOH1 mutations do unlikely play a role in the pathogenesis of MCC.

P157 Morphenwechsel von kutanem T-Zell-Lymphom vor zu Morbus Hodgkin nach einer Gravidität Fiedler E.1, Friedling F.1, Marsch W.C.1 1 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Halle (Saale), Germany

Graviditäten werden in Mitteleuropa gegenwärtig zumeist zwischen dem 18. und 35. Lebensjahr ausgetragen. Die Koinzidenz von Malignomen ist vergleichsweise selten, da die Altersgipfel der meisten Malignome erst im höheren Alter liegen. Ob durch die besonderen Bedingungen (Immun- und Hormonstatus) unter der Gravidität engere Verbindungen zwischen der Malignommanifestation mit dem biologischen Zustand Schwangerschaft

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Poster der 48. DDG-Tagung

bestehen, ist Gegenstand vielfacher Untersuchung und wird kontrovers diskutiert. Eine 26-jährige, bis dato gesunde Frau stellte sich mit juckenden hellroten Knoten lumbal vor, die innerhalb von 6 Monaten entstanden seien. Anhand der Immunhistologie wurden diese als lokalisiertes kutanes T-Zell-Lymphom von Typ Mycosis fungoides bewertet, wobei sich die Abgrenzung zu einem Pseudolymphom auf den Klonalitätsnachweis (T-Zell-Rezeptor-Rearrangement) stützte. Unter einer mittlerweile eingetretenen Schwangerschaft ergab sich eine stetige Remission des Befundes ohne Therapie bis zur kompletten Remission. Jedoch traten wenige Tage nach Entbindung erneut klinisch gleichartige Knoten lumbal sowie derbe Lymphknotenschwellungen gleichseitig inguinal auf. Histologische Untersuchungen von Haut und Lymphknoten zeigten nun jedoch ein klassisches Hodgkin-Lymphom. Unter einer adäquaten Radio-Chemotherapie konnte eine komplette Remission erreicht werden. Der hier berichtete Übergang eines Non-Hodgkin-Lymphoms in einen Morbus Hodgkin ist äußerst selten. Bei den wenigen berichteten Fällen liegen die Manifestationen zumeist um Jahre auseinander, bestehen an verschiedenen Lokalisationen und stehen durchaus in einem möglichen Zusammenhang mit der Chemotherapie des ersten Lymphoms. Die klinische Remission in unserem Fall ist nahezu identisch mit dem Zeitraum der Gravidität, was auf eine Rolle der Gravidität für die zwischenzeitliche Remission (und Transformation?) hinweist. Im Gegensatz zu häufigem Lymphomprogress unter Gravidität beobachteten wir eine vorübergende Komplettremission.

P158 Effektive Therapie kutaner Metastasen eines Mammakarzinoms mit Elektrochemotherapie: ein Fallbericht Maul L.V.1, Hauschild A.1, Kähler K.C.1 1

Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Kiel, Germany

Hintergrund: Das Mammakarzinom ist die häufigste Ursache für die Manifestation kutaner Metastasen. Ihr Management stellt oftmals eine therapeutische Herausforderung dar. Die Elektrochemotherapie (ECT) ist eine innovative, palliative Behandlungsmethode von kutanen Metastasen solider Tumoren. Mittels Elektroporation wird eine signifikant erhöhte Zytotoxizität des intravenös applizierten Chemotherapeutikums Bleomycin in den Tumorzellen erzielt. Die ECT wird bereits vor allem von Dermatoonkologen in vielen deutschen Kliniken eingesetzt. Methodik: Wir beobachteten bei einer 59- und 76-jährigen Patientin eine kutane, symptomatische, lokoregionäre Metastasierung 6 bzw. 7 Jahre nach Erstdiagnose eines Mammakarzinoms. Nach vorangegangener Mastektomie, Radiato und verschiedenen Systemtherapien unterzogen sich die Patientinnen einer ECT mit Bleomycin (15mg/m2 Körperoberfläche) in palliativer Intention. Während im ersten Fall bei ausgedehnter Filialisierung ein zweiter Zyklus nach 8 Wochen indiziert war, erfolgte im zweiten Fall bei lokalem Befund nur ein ECT-Zyklus. Ergebnis: Die ECT stellte sich als wirksame und verträgliche Behandlungsmethode zur Verbesserung der lokalen Tumorkontrolle im Rahmen eines interdisziplinären Therapiekonzeptes dar. Die symptomatischen Hautmetastasen wiesen eine anhaltende

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Remission 10 bzw. 20 Monate nach ECT auf. Blutungen, Fibrinbeläge, putride Sekretion, Nekrosen und Foetor zeigten sich im Verlauf unter Therapie mit Wundgel, Gaze- und Alginatverbänden sowie Nekrosektomie deutlich regredient. Das sezernierende Tumorgewebe wandelte sich zu einer trockenen Nekrose um. Fazit: Dieser Fallbericht weist auf eine gute Effektivität und Tolerabilität der ECT bei Patienten mit Hautmetastasen eines Mammakarzinoms hin. Obwohl dieser lokale Behandlungsansatz keinen Einfluss auf das Gesamtüberleben ausübt, kann jedoch durch Linderung tumorassoziierter Symptome wie Foetor, Schmerzen oder Blutungen häufig die Lebensqualität der Patienten verbessert werden.

P159 „Laser-assisted drug delivery“: Verstärkte Entzündungsreaktion von Ingenolmebutat nach ablativer fraktionierter Laserbehandlung Braun S.A.1, Homey B.1, Gerber P.A.1 1

Heinrich-Heine Universität, Hautklinik, Düsseldorf, Germany

Hintergrund: Studien der letzten Jahre zeigen, dass fraktionierte ablative Laser (AFXL) ein neuartiges Verfahren darstellen, die dermale Barriere zu überwinden, um somit die Penetration von lokal applizierten Pharmaka zu erhöhen und deren dermale Bioverfügbarkeit im Sinne einer laser-assisted drug delivery (LADD) zu steigern. Ingenolmebutat (IM) ist effektiv bei der Behandlung von flachen aktinischen Keratosen (AK). Die Therapie von hypertrophen AK und AK an Hand- und Fußrücken mit IM stellt jedoch häufig weiterhin eine Herausforderung dar. Methode: Wir behandelten Patienten mit hypertrophen AK und AK an den Hand- und Fußrücken in Kombination mit AFXL (Fraktionierter 4.940 nm Er:YAG-Laser, MCL 30 Dermablate® and MCL 31 Dermablate®, Asclepion Laser Technologies, Jena; spot size : 350 μ m; density : 10%; total fluence : 42–63 J/cm2) und IM. Ergebnisse: Beispielhaft präsentieren wir Patienten, die auf die Kombinationsbehandlung (AFXL-IM) eine deutlich verstärkte Entzündungsreaktion entwickelten. Ein Patient mit hypertrophen AK am Hinterkopf zeigte eine komplette klinische Abheilung aller Läsionen nach AFXL-IM. Eine Patientin mit aktinischer Feldkanzerisierung der Fußrücken, die keine Entzündungsreaktion auf die Monotherapie mit IM entwickelte, zeigte nach AFXL-IM eine komplette klinische Abheilung der AK im behandelten Areal mit deutlich verbesserten taktilen Hautbefund. Systemreaktionen wurden nicht beobachtet. Diskussion: Unsere Beobachtungen zeigen, dass IM mit AFXL kombiniert werden kann und die Nebenwirkungen tolerable sind. Es finden sich erste Hinweise, dass die AFXL-IM-Therapie erfolgreich an schwer zu behandelnden Arealen wie Hand- und Fußrücken und bei hypertrophen AK eingesetzt werden kann. Klinische Studien werden dringend benötigt, um das Potential und die Limitationen dieser Kombinationsbehandlung weiter zu untersuchen.

P160 Beurteilung von Behandlungserfolg und Lebensqualität bei Patienten mit aktinischen Keratosen unter Therapie mit Ingenolmebutat (Picato®) im Zeitraum von 8 Wochen

Poster der 48. DDG-Tagung

Diepgen T.L.1, Eicke C.2, Gilzinger A.3 1

Hautklinik des Universitätsklinikums Heidelberg, Abteilung für Klinische Sozialmedizin, Heidelberg, Germany 2 Dres. Eicke GbR, Bad Vilbel, Germany 3 LEO Pharma GmbH, Medical Department, Neu-Isenburg, Germany

Fragestellung: Ingenolmebutat (IngMeb) ist eine neue Substanz zur feldgerichteten AK-Behandlung mit guter Evidenzlage aus mehreren randomisierten klinischen Studien für beide verfügbaren Konzentrationen (150μ g/g für Gesicht/Kopfhaut, 500μ g/g für Stamm/Extremitäten). Allerdings existieren nur wenige Daten zur Anwendung in der täglichen Routine. In dieser Studie wurde u.a. Krankheitsverlauf, Lebensqualität, Patientenadhärenz und -zufriedenheit bei ambulanter Routinebehandlung aktinischer Keratosen mit IngMeb über einen Zeitraum von 8 Wochen dokumentiert. Methodik: Nicht-interventionelle Studie, in der 829 Patienten in 292 dermatologischen Praxen in Deutschland mit IngMeb behandelt wurden. Die Wirksamkeit wurde von Dermatologen und Patienten bewertet, zusätzlich durch die Patienten Verträglichkeit und Behandlungskomfort bei der Anwendung von IngMeb. Ergebnis: 79% der Dermatologen bewerteten die Wirksamkeit mit sehr gut/gut, nur 4% als ungenügend. 83% der Patienten waren sehr/ziemlich zufrieden mit der Wirksamkeit von IngMeb, nur 32% mit den topischen Vortherapien, mit welchen 22% der Patienten “gar nicht zufrieden” waren. Hinsichtlich der Verträglichkeit gab es keine Unterschiede zwischen Vortherapien und IngMeb. Jedoch wurde der Behandlungskomfort bei IngMeb, verglichen mit anderen topischen Behandlungsoptionen, deutlich besser bewertet (41% vs 26% sehr zufrieden, 85% vs 67% sehr/ziemlich zufrieden). Alle von den Patienten berichteten Hautbefunde (Rauigkeit, Faltigkeit, Fleckigkeit) sowie alle im Skindex-16-Fragebogen erfassten QoL-Dimensionen (Funktionen, Symptome, Emotionen) waren durch Therapie mit IngMeb statistisch signifikant verbessert (jeweils p< 0.01). 79% der Patienten würden sich direkt wieder für IngMeb entscheiden, nur 7% dagegen. Schlussfolgerung: Die kurze Feldbehandlung mit IngMeb zeichnet sich durch gute Wirksamkeit und Verträglichkeit aus, was in einer hohen Zufriedenheit und Steigerung der Lebensqualität bei Patienten mit Aktinischen Keratosen resultiert.

P161 Komplette Remission eines in-transit metastasierten Plattenepithelkarzinoms unter chronischer Immunosuppression nach Nierentransplantation durch Ingenolmebutat Boettjer J.1 1

Dermatologie am Johannes-Wesling-Klinikum Minden, HautTumorCentrum Minden, Minden, Germany

Einführung: Organtransplantierte Patienten haben aufgrund chronischer Immunosuppression ein deutlich erhöhtes Risiko, Hauttumoren zu entwickeln. Plattenepithelkarzinome werden oft erst spät als solche erkannt, verlaufen im Falle einer Filialisierung foudroyant und sprechen nur erschwert auf etablierte Therapien an. Kasuistik: Ein 74 jähriger seit 1997 nierentransplantierter, chronisch immunsupprimierter Patient entwickelt seit 2009 multiple segregierende Plattenepitelkarzinome der rechten

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Gesichtshälfte. Seit 09/2012 rezidivierend Auftreten von miliaren kutanen Filiae zunächst präaurikulär später auch am Ohr und retroaurikulär (T3 N0 M0, Stadium III). Neben periodischen Exzisionen der Filiae erfolgte zunächst eine Feldbestrahlung der rechten Wange nachfolgend der rechts cervicalen Lymphome (09–10/2012) sukzessive eine Therapie mit dem EGFR-Antagonisten Cetuximab ohne anhaltende Remission. In 06/2013 Elektrochemotherapie der Filiae mit Bleomycin. Auch hier nur ein vorübergehendes Ansprechen. Erst die Lokaltherapie mit Ingenolmebutat in 10/2013 erbrachte eine anhaltende komplette Remission über inzwischen 12 Monate. Fazit: Ingenolmebutat (Picato) ist seit 2012 in der EU zur topischen Behandlung von nicht-hyperkeratotischen aktinischen Keratosen bei Erwachsenen zugelassen. Bereits 2012 konnte gezeigt werden, dass Ingenolmebutat in der humanen Plattenepithelcarcinom-Zelllinie HSC-5 apoptose-auslösend war. 2013 wurden Plattenepithelkarzinome erfolgreich am Wildtyp-Mausmodel (SKH1) topisch mit Ingenolmebutat therapiert. Unsere Kasuistik zeigt, dass Ingenolmebutat eine komlette Remission bei therapieresistenten kutanen Metastasen eines Plattenepithelkarzinoms beim Menschen induzieren kann.

P162 Monozentrische Therapieerfahrung mit Ipilimumab an 41 Patienten mit metastasiertem Melanom Eleftheriadis V.1, Stadler R.2 1

Johannes Wesling Klinikum, Dermatologie, Minden, Germany Johannes Wesling Klinikum, Minden, Germany

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Der Zusammenhang zwischen therapeutischer Beeinflussung des Immunsystems und des malignen Melanoms ist seit Jahren bekannt. Bescheidene Erfolge aus der Vergangenheit mit Interleukin-2 und Interferon-alpha sind hierfür ein Beleg. Mit der Entdeckung der „Checkpoint-Moleküle“ und deren Inhibition mit modernen Antikörpern hat eine neue Ära in der Immuntherapie des Melanoms begonnen. Als erster Vertreter dieser Substanzklasse gilt der Anti-CTLA-4 Antikörper Ipilimumab. Als Immunmodulator wirkt diese Substanz als ein Verstärker der T-Zellfunktion, welcher speziell das inhibitorische Signal von CTLA-4 blockiert. Der Wirkmechanismus ist indirekt und erfolgt über die Verstärkung der T-Zell-vermittelten Immunantwort. Darüber hinaus breitet sich auch das Nebenwirkungsspektrum des Präparates aus, das eine Reihe von Autoimmunprozessen und -phänomenen aufweist. In der Hautklinik Minden wurden seit 2010 innerhalb von Studien und seit Zulassung der Substanz, 41 Patienten mit Ipilimumab behandelt, 24 männlich, 17 weiblich. Das mediane Alter unserer Patienten betrug 64,2 Jahre. Etwa 37,5% der Patienten (15) waren zum Zeitpunkt der Auswertung noch am Leben; 4 davon unter laufender Ipilimumabtherapie. Unter den verstorbenen Patienten konnte eine durchschnittliche Gesamtüberlebenszeit von 8,8 Monaten (1,5–28,7 Monate) dokumentiert werden. Unter der Therapie traten folgende Nebenwirkungen auf: Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit, juckendes Exanthem, Kribbeln, Diarrhoe/ Collitis, Schüttelfrost, Gewichtsabnahme,

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Poster der 48. DDG-Tagung

Übelkeit, Erbrechen, erhöhte Leberparameter, Bauchschmerzen, Fieber, Muskelschmerzen, Pneumonie, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Obstipation, vermehrtes Schwitzen, Blutbildveränderungen (Anämie), Beinödeme, Schwindel, Vorhofflimmern, Zoster, sowie Darmperforation (1), Perikarderguss (1), und Krampfanfall (1). In dieser monozentrischen Arbeit stellen wir die Effektivität und die Ansprechraten von Ipilimumab in unserem Patientenkollektiv vor.

P163 Systemic treatments in melanoma influence the accessibility of the immune system to the tumor: A retrospective histopathological investigation Krähenbühl L.1,2, Goldinger S.M.1, Matsushita S.3, Amann V.C.4, Kempf W.1, Levesque M.P.1, Dummer R.1 1

Universitätsspital Zürich, Dermatologische Klinik, Zürich, Switzerland 2 Centre Hospitalier de Bienne, Service de Médecine Interne, Biel/ Bienne, Switzerland 3 Kagoshima University, Department of Dermatology, Kagoshima, Japan 4 Universitätsspital, Zürich, Switzerland

In the last few decades, immunohistochemical (IHC) stainings in histopathology have seen major progress. Microscopically analyzing melanoma slides using conventional stainings as well as specific markers and multiplex stainings have been crucial for better understanding of melanoma and it's susceptibility to certain treatments. PD1 and PD-L1 are targets of promising new anti-tumor medications, specific stainings are now available. Furthermore, published data indicate differing survival depending on PD-L1 status. However, the influence of different types of systemic treatments in melanoma on the evolution of previously immune privileged tumors towards immune accessibility has not yet been sufficiently investigated. Therefore, we have performed various IHC stainings of tumor samples before and after relevant treatments. Systemic treatments assessed in our study include immune therapy, targeted therapy as well as chemotherapy. We retrospectively identified patients with available pre- and post-treatment tumor samples and appropriate follow up data. Each sample was stained for H&E, PD1, PD-L1, CD3, CD8, CD68, CD163 and IDO. In the microscopical analysis emphasis was on lymphocyte infiltration within the tumor. Obtained results demonstrate the transformation from an immune privileged environment to an immune accessible tumor under certain treatments. This is illustrated by an evolution from lymphocytes arranged around the tumor in a grenz zone phenomenon before treatment and an important lymphocyte infiltration of the tumor post treatment. A correlation to clinical evolution highlights prognostic relevance of the observed phenomenon.

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Valesky E.1, Kaufmann R.1, Meissner M.1 1

Universitätsklinik Frankfurt, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Frankfurt, Germany

Background: The plastic reconstruction of the ear after microscopically controlled tumor surgery is a particular challenge. The chondrocutaneous helix rim advancement flap (CHRAF) is perfectly suited for the repair of different defects of the helix and even defects beyond. Objective: Here, we describe two known and two new modifi cations of the chondrocutaneous helix rim advancement fl ap that enlarge the scope of application in tumor surgery of the ear. Methods: We demonstrate the different techniques and practical application of the repair and evaluate the benefits and limitations. Results: The CHRAF and its modifications is an excellent method for repair of various defects of the helical region of the ear. Conclusion: The CHRAF and its modifications proves to be an good alternative to other methods of closure by preserving the anatomical contour and mechanical and acoustic functions in a single-staged procedure with excellent aesthetic results. The two new modifications we introduced here, enlarge the known armentarium for very large defects of the upper pole and the midhelix of the ear.

P165 Subcutaneous non-absorbable polypropylene (SNAP) sutures in serial excision of congenital nevi: A new time-saving technique reducing dehiscence with optimized aesthetic results Valesky E.1, Kaufmann R.1, Meissner M.1 1

Universitätsklinik Frankfurt, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Frankfurt, Germany

Operative Dermatologie

Background: Large and medium sized melanocytic nevi are removed based on their tendency of the developemt of cutaneous malignant melanoma as well as on cosmetic reasons. A good surgical treatment option is the serial excision with subsequent procedues every 2–3 months. A common problem of this method is the tendency of dehiscence and the development of hypertrophic scar formation during serial excisions especially when using standard subcutaneous polyglactin and polydioxanone sutures. Especially problem regions, as for example jutaarticular areas, are prone to dehiscence increasing the number of mandatory excisions. Methods: Therefore, we changed the approach for serial excisions and introduced subcutaneous non-absorbable polypropylene sutures, we call in short SNAP sutures. Results: They reduce the tendency for dehiscence thus reducing the number of excisions and hence result in a better cosmetic outcome. Conclusion: Therefore, SNAP sutures are an alternative effctive procedure in serial excisions.

P164

P166

Chrondocutaneous helix rim advancement flap: Two classical and two new modifications for very large defects of the ear

Akzidentielle Verletzung eines Astes der Arteria facialis durch Biopsie der Mundschleimhaut

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Poster der 48. DDG-Tagung

Mohr M.1, Zillikens D.1, Kahle B.1

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Universität zu Lübeck, Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, Lübeck, Germany

Bei einem 79- jährigen Patienten mit bekanntem Schleimhautpemphigoid (Anti-BP180 Antikörper, aktuell klinische Remission) erfolgte eine Mundschleimhautbiopsie der Wangenschleimhaut rechts paraläsional mittels Stanze zur Kontrolle der direkten Immunfluoreszenz. Intraoperativ gestaltete sich der Eingriff unauffällig und der Wundverschluss erfolgte mit einer 4/0 Vicryl- rapid Einzelknopfnaht. Zwei Tage postoperativ kam es zu deutlicher Schwellung und Schmerzen der rechten Wange, sodass eine notfallmäßige Vorstellung erfolgte. Klinisch zeigte sich die rechte Wange apfelgroß geschwollen, leicht überwärmt, aber kaum gerötet. Die enorale Schleimhaut war bis auf eine diskret gerötete Papille unauffällig. Sonographisch sahen wir an der rechten Wange eine diffus homogen echoreiche Substanzvermehrung sowie multiple kleine arterielle Gefäße. HNO- ärztlich zeigte sich in Zusammenschau der Befunde eine akzidentielle Verletzung eines Astes der Arteria facialis mit Hämatom und Begleitödem, jedoch keine Parotisverletzung. Bei Verdacht auf eine beginnende Superinfektion und bei erhöhten laborchemischen Entzündungswerten (CRP 17,6 mg/l) wurde eine orale Antibiose mittels Cefpodoximproxetil 200 mg 2x/d über 7 Tage durchgeführt. Unter mehrmals täglichen Mundspülungen mit Stomatitislösung und adäquater Schmerz- und antiphlogistischer Therapie kam es zur kompletten Abheilung. Dieser Fall zeigt, dass bei schmerzhafter Wangenschwellung nach Mundschleimhautbiospie an eine akzidentielle Verletzung der Arteria facialis gedacht werden muss. Die Biospie sollte daher nicht unnötig tief sein. Oberflächliche Biospien lassen sich meist besser mittels Sklapell als mit einem Stanzgerät durchführen. Die Biospiestelle sollte im vorderen Drittel der Wangenschleimhaut erfolgen, um das Verletzungsrisiko der Arteria facialis zu minimieren.

P167 Spalthauttansplantationen in der Dermatochirurgie: Ergebnisse einer randomisierten kontrollierten Studie zur Wahl der Donorstelle („occipital“ versus „femoral“) Kovacs M.1, Karsai S.1, Podda M.1 1

Hautklinik, Darmstadt, Germany

Fragestellung: Spalthauttransplantationen zur Defektdeckung gehören zu den häufigsten Eingriffen in der Dermatochirurgie. Standard an den meisten deutschen Kliniken ist bis dato die Entnahme des Transplantates von der Oberschenkelstreckseite. Bereits seit den 1960-er Jahren liegen Fallserien und retrospektive Studien vor, die bei der Entnahme der Spalthaut vom Hinterkopf insgesamt ein gutes Ergebnis hinsichtlich der Einheil- und Komplikationsrate sowie der Patientenzufriedenheit vermuten lassen. Methodik: Um evidenzbasierte Ergebnisse zur erhalten, verglichen wir erstmalig im Rahmen einer randomisierten, kontrollierten Studie die unterschiedlichen Donorstellen („occipital“ versus „femoral“) in einem ausreichend großen und homogenen Patientenkollektiv (N = 117) anhand folgender Parameter miteinander: - Re-Epithelialisierungsrate an der Entnahmestelle - maximalen Einheilrate an der Empfängerstelle - Vancouver Scar Scale

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Komplikationen Schmerzintensität (anhand einer visuellen Analogskala) Kosmetisches Gesamtergebnis Patientenzufriedenheit

Die Bewertung erfolgte an den postoperativen Tagen: 3, 5, 7, 14, 30 und 90. Ergebnisse: Vielversprechende Interimsergebnisse wurden 2014 im Rahmen der DGDC präsentiert. Die Studie schließt im November 2014. Wir möchten auf der DDG-Tagung die endgültigen Ergebnisse vorstellen. Schlussfolgerung: Durch die objektiv gewonnenen Erkenntnisse erhoffen wir uns, einen neuen Standard hinsichtlich der Entnahmestelle zu definieren.

P169 Dicke Zehe – ein operativer Fall Nitzsche G.1, Ziemer M.1, Simon J.-C.1, Kendler M.1 1

Universitätsklinikum Leipzig, Dermatologie, Leipzig, Germany

Einleitung: Eine selektive digitale Vergrößerung durch einen exophytischen Tumor kann die klinische Grundlage für unterschiedliche benigne und maligne Differentialdiagnosen sein. Material: Wir berichten über einen 72 jährigen Patienten, der sich mit einem seit sieben Jahren langsam größenprogredienten Tumor der rechten Großzehe vorstellte. Die Konsultation erfolgte auf Grund eines Spannungs- und Druckgefühls und Problemen beim Anziehen des Schuhwerks. Ein vorangegangenes Trauma wurde verneint. Ergebnisse: Klinisch zeigte sich ein 3×3×3 cm großer erythematöser Nodus, der von plantar umschlagend, auf den Nagelbereich zuwuchs. Das übrige Integument war erscheinungsfrei. Nach bioptischer Sicherung zeigten sich histologisch dermal dicht gedrängte, kompakte, sich mit einander verflechtende Kollagenfaserbündel mit zwischenliegenden Inseln reifer Fettzellen. Es wurde die Diagnose einer Fibromatosis plantaris Ledderhose (ML) gestellt. Aufgrund der progredienten Beschwerden erfolgte die Exzision des Hauttumors unter Einbeziehung des exophytischen Nagelanteils. 5 Wochen später wurde der Defekt mittels Spalthauttransplantats verschlossen. Der Patient zeigt sich seit 20 Monaten beschwerde- und rezidivfrei. Schlussfolgerung: Die bei unserem Patienten festgestellte Fibromatosis digitalis wurde als ML deklariert. Denkbare klinische Differentialdiagnosen sind einerseits epitheliale Tumoren, andererseits benigne oder maligne Erkrankungen des Bindegewebes. Superfizielle Fibromatosen, die sich an der Zehe im Erwachsenenalter als reaktiver Prozess oder seltener als M. Ledderhose äußern, stellen wichtige Differentialdiagnosen dar.Die reaktive Fibrose als wichtigste histologische Differentialdiagnose war auf Grund eines fehlenden vorangegangen Traumas unwahrscheinlicher. Ein Zehenbefall bei ML ist tendenziell möglich, da die Plantaraponeurose am Tuber calcanei entspringt und ausstrahlend in der Subkutis der Zehen endet. Therapie der Wahl ist die operative Versorgung.

P170 Laserrauch – Risiken und Präventionsmaßnahmen

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Poster der 48. DDG-Tagung

Karsai S.1,2 1

Hautklinik Darmstadt, Darmstadt, Germany, 2Universitätshautklinik Greifswald, Greifswald, Germany

Laserchirurgisch induzierter Rauch kann relevante Mengen toxischer, karzinogener sowie infektiöser Gase und Partikel enthalten. Auch wenn aktuell nur wenig Gefährdungsdaten auf wissenschaftlicher Basis vorliegen, die Art und Ausmaß der tatsächlichen Gefährdung exponierter Personen beschreiben, sollen und dürfen vor dem Hintergrund der Gefahr irreversibler gesundheitlicher Schäden entsprechende Schutzmaßnahmen nicht hinausgezögert werden. Alle potenziell exponierten Personen (Patienten, medizinisches Personal und Reinigungskräfte) müssen über das Gesundheits- und Berufsrisiko im Umgang mit laserchirurgisch induziertem Rauch unterrichtet werden. Ziel des Vortrages ist es, die aktuelle Datenlage zur bestehenden Gefährdung durch laserchirurgisch induzierten Rauch kurz darzustellen und Empfehlungen zu risikoadäquaten Schutzmaßnahmen für Anwender, Assistenz und OP-Personal zusammenzufassen. Literatur:

P173

Karsai S, Däschlein G. “Smoking guns”: hazards generated by laser and electrocautery smoke. J Dtsch Dermatol Ges. 2012 Sep;10(9):633–6.

Doppelseitige U-Lappenplastik und enorale V-Y-Lappenplastik zur Defektrekonstruktion bei einem ausgedehnten fibrosierenden Basalzellkarzinom der Oberlippe

P171

Kofler L.1, Schippert W.1, Schulz C.1, Volz T.1, Röcken M.1, Häfner H.-M.1

Hyperhidrosis axillaris- Mikrowellen (Miradry ®) vs axilläre Saugkurettage Jokisch R.1 1

Hautmedizin-Kelkheim, Kelkheim, Germany

Die permanente Reduktion axillären Schwitzens erforderte bislang ein operatives Prozedere bevorzugt durch die laserassistierte axilläre Saugkurettage. Das Ende 2014 in Deutschland eingeführte Miradry ® Mikrowellensystem ist ein konservatives Verfahren mit der gleichen Zielsetzung eines permanenten Therapieerfolges. Präsentiert werden die beiden konkurrierenden Verfahren, erste Behandlungsergebnisse mit dem Mikrowellensystem und ein kritischer Vergleich der beiden Vorgehensweisen, auch in Bezug auf die entsprechende Leitlinie

P172 Der Erbium:YAG Laser als alternative Therapieoption bei Sebocystomatosis scroti. Kleemann J.1, Ochsendorf F.1, Kaufmann R.1, Meissner M.1 1

Uniklinik Frankfurt, KDVA Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Frankfurt am Main, Germany

Bei der Sebocystomatosis scroti handelt es sich um eine benigne Erkrankung, die durch das Auftreten multipler Epidermalzysten am Skrotum definiert ist. Diese stellen sich in Form von gelblichen, prall-elastischen, indolenten Papeln und Knoten dar. Die Diagnosesicherung kann histologisch erfolgen. Die Ätiologie dieser Erkrankung ist bisher nicht geklärt. Bisherige Therapieverfahren sind rein chirurgisch. Zahlreiche verschiedene Techniken wurden beschrieben. Als Standardtherapie gilt die spindelförmige

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Exzision, bei der die Zyste in toto mit Zystensack entfernt wird und der Defekt anschließend mit Nahtmaterial primär verschlossen wird. Bei ausgedehnten Befunden gilt die großflächige Exzision mit Entfernung der Tunica dartos als effektive Alternative mit geringer Rezidivrate, aber großem Gewebedefekt. Ein von uns angewandtes, schonendes Verfahren ist die Therapie mit dem Erbium:YAG Laser. In Lokalanästhesie wird die Epidermis über den Epidermalzysten mittels Erbium YAG Laser (5J/cm2 5–8Hz, 5 mm Spot) bis zum Freiligen des Zystensacks abgetragen. Die Zyste wird mit einer Pinzette gefasst, der Zystensack stumpf freipräpariert und in toto entfernt. Nach Anlage eines Polividonjod Verbandes erfolgte die sekundäre Wundheilung. Die angewendete Technik ermöglicht eine schnelle und gewebesparende Entfernung multipler Epidermalzysten in lokaler Betäubung. Die Sekundärheilung am Skrotum erfolgt in kurzer Zeit und mit einem guten kosmetischen Ergebnis. Vorteil des Erbium:YAG Lasers ist die kalte Ablation mit minimalen thermischen Begleitschäden und geringem Narbenrisiko.

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Universitäts-Hautklinik Tübingen, Tübingen, Germany

Im Juli 2013 stellte sich eine 35-jährige, aus Japan stammende Patientin mit einer seit mehreren Jahren größenprogredienten Hautveränderung an der Oberlippe vor, die über Jahre in Japan als Herpes labialis interpretiert und behandelt wurde. Klinisch zeigte sich eine über 3 cm durchmessende, scharf begrenzte, erythematöse Plaque mit randständigen Teleangiektasien, unregelmäßig erosiv verändert und mit Serokrusten belegt, mit teils narbig imponierenden Arealen. Aufgrund der Klinik sowie der auflichtdermatoskopischen Befunde wurde die Verdachtsdiagnose eines Basalzellkarzinoms der Oberlippe geäußert und histologisch bestätigt Nach der Exzision ergab sich ein 58 mal 30 mm messender Defekt. Der Defektverschluss wurde mittels einer doppelseitigen U-Lappenplastik durchgeführt, wobei die verbliebene Mukosa mobilisiert und nach unten an den Lappen vernäht wurde. Bei insuffizientem Lippenschluss wurde die Indikation zur Philtrum-Korrektur durch Z-Plastik gestellt. Weil weiterer Narbenzug sichtbar war, wurde im August 2014 die Indikation zur erneuten Korrekturoperation gestellt wurde. Dabei wurde an der enoralen Mukosa ein V-förmiger Lappen gebildet, in Richtung Lippenrot mobilisiert und fixiert. Der enorale Defektverschluss erfolgt durch eine Dehnungsplastik im Sinne einer V-Y-Plastik mit Einzelknopfnähten. Die hier durchgeführte doppelseitige U-Lappenplastik erlaubt einen Verschluss mit einem geringen Risiko des Narbenzuges nach vertikal und ändert die Muskelverlaufsrichtung nicht. Hervorzuheben ist der letzte Folgeeingriff, bei dem eine enorale V-Y-Plastik zur Korrektur der oralen Schlussinsuffizienz angewandt wurde. Durch diese Technik konnte ein suffizienter Lippenschluss ohne weitere sichtbare Narbe und ohne Erweiterung der bereits durchgeführten Defektdeckung erzielt werden.

Poster der 48. DDG-Tagung

P174 Einzeitige Exzision und Rekonstrukion von multiplen Zylindromen mittels Dermisersatzmaterial (Integra®) in Kombination mit Spalthauttransplantaten – funktionelle Vorteile und unerwartete kosmetische Nachteile dieser neuen operativen Methode Nestoris S.1, Keiler A.1, Stege H.1 1

Klinikum Detmold, Dermatologische Klinik, Detmold, Germany

Einleitung: Das Brooke-Spiegler Syndrom (BSS) ist eine autosomal dominante Genodermatose mit einer variablen Expression und Penetration sowie einer großen inter- und intrafamiliären phänotypischen Variabilität. Ursächlich sind zahlreiche unterschiedliche Mutationen im CYLD Gen im Chromosom 16q. Betroffene Patienten entwickeln in der Regel insbesondere Zylindrome, Trichoepitheliome und Spiradenome, überwiegend im Kopf- und Nackenbereich. Zwar ist eine maligne Transformation der Tumore selten, vor dem Hintergrund des Wachstumsprogresses und der kosmetischen Beeinträchtigung ist eine Exzsion der Tumore jedoch in der Regel die Therapie der Wahl und bei Einzelläsionen problemlos möglich. Ist jedoch die gesamte behaarte Kopfhaut betroffen, ist das operative Vorgehen weiterhin eine Herausforderung und sowohl in Bezug auf den zeitlichen Ablauf (ein- vs. mehrzeitig) und die rekonstruktiven Maßnahmen als auch in Bezug auf das kosmetische und funktionelle Ergebnis uneinheitlich. Methodik: Wir berichten über die Vor- und Nachteile einer einzeitigen Skalpierung und Rekonstruktion mittels gemeshter Spalthauttransplantate in Kombination mit Dermisersatzmaterial (Integra®, Integra), die mittels Vakuumtherapie (VAC®, KCI) temporär fixiert wurden. Ergebnis: Die mit Dermisersatz transplantierten Areale wiesen gegenüber den lediglich mittels Spalthaut transplantierten Arealen eine höhere Gewebedicke und Belastbarkeit auf. Unerwarteter Weise zeigte sich in diesen Arealen allerdings eine netzförmige Hyperpigmentierung, die bisher in diese Form noch nicht beschrieben worden ist. Fazit: Das einzeitige operative Vorgehen ist zwar zeitlich und infrastrukturell aufwendig und technisch anspruchsvoll, führt jedoch zu einem insgesamt guten Ergebnis bei hoher Patientenzufriedenheit und kurzer stationären Verweildauer. Die kombinierte Rekonstruktion mittels Spalthauttransplantat und Dermisersatz führt im Vergleich zur Spalthauttransplantation allein zu einem besseren funktionellen Outcome.

P175 Radiotherapie der postoperativen prolongierten Lymphorrhoe bei Wächterlymphknotenbiopsie und radikaler Lymphadenektomie Stadie V.1 1

Universitätsklinikum Halle/Saale, Klinik für Dermatologie und Venerologie, operative Dermatologie, Halle/Saale, Germany

Neben traumatisch und infektiös bedingten Lymphorrhoen tritt die Lymphorrhoe infolge operativer Eingriffe an den Lymphgefäßen nicht selten auf. Je nach Umfang des operativen Eingriffes und der Lokalisation (Hals, Thorax, Abdomen, Inguinalregion) wird in der Literatur das Auftreten einer Lymphfistel, Lymphzyste oder

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Lymphorrhoe mit 2–15% angegeben. Die meisten Lymphzysten bleiben asymptomatisch, nur bei Symptomen oder Infektionsgefahr sollte eine Intervention (Punktion/Reoperation) erfolgen. Bei den meisten Patienten mit postoperativen Lymphorrhoen wird ein Verschluss bzw. ein Sistieren innerhalb der ersten 14 postoperativen Tage beobachtet. Die wenigsten Patienten neigen zu einer über diesen Zeitraum hinaus andauernden Lymphorrhoe. Dabei sind Lymphverluste von 100 bis 2000 ml/d beschrieben worden. Die prolongierte postoperative Lymphorrhoe zählt zu den typischen und häufigen Komplikationen bei radikalen axillären und (aortoilio-) inguinalen Lymphadenektomien im Rahmen der Onko-Chirurgie. Sie tritt bei ca. zwei Drittel unserer jährlichen 20 – 30 Lymphadenektomiepatienten auf. Diese Komplikation bedingt eine erhöhte Infektionsrate und verzögerte Wundheilung. Unser Therapieregime besteht bei 2 Wochen bestehender postoperativer prolongierter Lymphorrhoe in der Durchführung einer niedrigdosierten Strahlentherapie (ED 2 Gy, max. Dosis 20 Gy). Wir haben nun die Daten der Patienten, die in den letzten 10 Jahren diese Therapie erhalten haben, aufgearbeitet. Die Therapie wurde insgesamt bis auf eine leichte Nausea gut toleriert, an der Haut wurden keine akuten Strahlennebenwirkungen beobachtet.

P176 Pseudoaneurysma der Arteria temporalis superficialis als seltene Komplikation nach chirurgischer Tumorentfernung im Schläfenbereich Benjamin M.1, Kendler M.1, Simon J.-C.1, Grunewald S.1, Voth H.1 1

Uniklinik Leipzig, Klinik für Dermatologie, Leipzig, Germany

Wir berichten über einen 81-jährigen Patienten, der sich eine Woche nach auswärtiger Operation eines Basalzellkarzinoms temporal rechts mit einer größenprogredienten und schmerzhaften pulsierenden Raumforderung in unserer Klinik vorstellte. Im Rahmen der operativen Exploration erwies sich der Tumor als Pseudoaneurysma der Arteria temporalis superficialis, welche durch Ligatur des proximalen und distalen Gefäßanteils sowie Resektion des thrombosierten, ektatischen Abschnitts behandelt wurde. Pseudoaneurysmen der Arteria temporalis superficialis stellen eine seltene Komplikation bei Hauttumoroperationen im Schläfenbereich dar. Während perforierende Verletzungen der Arteria temporalis superficial aufgrund der intraoperativ meist starken Blutung eine sofortige Ligatur des verletzten Gefäßabschnittes erfordern, können stumpfe oder unvollständig penetrierende Gefäßtraumen unentdeckt bleiben und zur Ausbildung von Pseudoaneurysmen führen, die sich klinisch erst Tage bis Wochen nach dem traumatischen Ereignis als langsam größenprogrediente pulsatile Tumoren zeigen. Die Diagnose ist leicht durch Anamnese und klinische Untersuchung zu stellen und kann durch bildgebende Verfahren (Doppler-Sonographie, kontrastmittelgestützte Computertomographie, Angiographie) bestätigt werden. Therapie der Wahl ist die Ligatur der zuführenden Gefäße mit vollständiger Exzision des Pseudoaneurysmas, obwohl in Einzelfällen auch endovaskuläre Verfahren (Embolisation mit Thrombin oder Coils) beschrieben sind.

P177 Tinea nigra plantaris unter dem klinischen Bild eines melanozytären Prozesses

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Poster der 48. DDG-Tagung

Czarnecka A.1, von Vegesack E.C.1, Marsch W.C.1, Stadie V.1

Literatur:

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[Stallings et al. The Reverse Dermis Graft- A Choice Not a Flap, Journal of Iowa Medical Society 1971 Oct;61 (10):606–11]

Universitätsklinikum Halle/Saale, Klinik für Dermatologie und Venerologie, Halle, Germany

Wir berichten über einen 31-jährigen Mann, der sich mit einem seit 1 Jahr bestehenden und größenprogredienten, hellbraun pigmentierten Fleck plantar rechts vorgestellt hat. Aufgrund des klinischen Bildes einer 1,5 cm durchmessenden, kreisrunden, inhomogen hellbraunen, unscharf begrenzten, nicht schuppenden Makula stellten wir eine Verdachtsdiagnose eines melanozytären Prozesses. Auflichtmikroskopisch jedoch zeigte sich kein typisches melanozytäres Pigmentmuster der Leistenhaut sowie keine weiteren Strukturmerkmale. Wir führten eine Probebiopsie durch. Hier zeigte sich überraschender Befund einer superfiziellen Schimmelpilzinfektion der Haut. Bei der Tinea nigra handelt sich um eine harmlose, meist tropische (in Süd- und Mittelamerika sowie Afrika vorkommende) Schimmelpilzerkrankung, die bei Europäern bisher ausschließlich an Handtellern und Fußsohlen beobachtet wurde. Die Pilze bilden aus Tyrosin über Dopa ein melanoides Pigment, deshalb differentialdiagnostisch sollte man solche Erkrankungen wie Pityriasis versicolor, melanozytärer Naevus, malignes Melanom oder Schmutztätowierungen ins Kalkül ziehen.

P178 Umgekehrtes Korium-Transplantat bei großen Fußsohlendefekten Vander Stichele D.1, Horn T.1, Assaf C.1 1

Helios Klinik für Dermatologie und Venerologie, Krefeld, Germany

Große Fußsohlendefekte im Plantarbereich sind aufgrund des hohen Gewichtsdrucks und der schlechten Vaskularisierung oft schwierig operativ zu verschließen. Primärverschlüsse oder Verschiebeplastiken sind kaum durchführbar. Außerdem werden hohe mechanische Anforderungen für eine vollständige postoperative Belastbarkeit gestellt. Die Technik des umgekehrtes Korium-Transplantates ermöglicht eine solche belastungsstabile Rekonstruktion von größeren plantaren Weichteildefekten. Wir stellen hier eine 73-jährige Patientin mit einem Rezidiv eines 1999 exzidierten superfiziell spreitenden malignen Melanoms, Clark Level II TD 0,45 mm rechts plantar vor. Bei der körperlichen Inspektion sahen wir in der Umgebung der reizlosen Narbe zahlreiche neue großflächige, stärker pigmentierte Areale. Histologisch zeigte sich ein akrolentiginöses malignes Melanoma in situ. Bei ausgedehntem Befund erfolgte zur plantaren Wundgrundkonditionierung die Anlage einer Vakuumpumpe. Nach 2 Wochen wurde ein umgekehrtes Korium-Transplantates unter anschließender Fortführung der Vakuumtherapie eingenäht. Nach weiteren 2 Wochen konnte dann bei ausreichender Vaskularisation des Transplantates eine Vervollständigung der Defektdeckung mittels einem zusätzlichen Spalthauttransplantat durchgeführt werden. Postoperativ besteht eine normal belastbare Fußsohle ohne funktionelle Einschränkungen. Konklusion: Das umgekehrte Korium-Transplantat ist eine gute Möglichkeit zum Verschluß größerer Defekte in mechanisch belasteten Bereichen der Fußsohlen.

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[Fratila AA, Bertlich R. The reversed dermal graft: surgical procedure and clinical applications, Facial Plast Surg 1997 Apr;13(2):93–9]

P179 Composite grafts für die Rekonstruktion von Nasenflügeldefekten Papapanagiotou M.1, Beissert S.1, Maschke J.1 1 Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden, Germany

Basalzell- und Plattenepithelkarzinome der Haut treten in den UV-exponierten Arealen des Gesichts und hier insbesondere an der Nase ab der 6.Lebensdekade auf. Spezielle Herausforderungen hinsichtlich der plastischen Rekonstruktionen nach vollständiger Tumorexzision ergeben sich bei komplexen Defekten am distalen Anteile der Nase, wie zum Beispiel am Nasenflügel. Wir berichten über zwei Patienten bei denen nach Exzisionen eines Basalzell- und eines Plattenepithelkarzinoms 1,5 cm bis 2,8 cm weite penetrierende dreischichtige Defekte am Nasenflügel mit Verlust des caudalen Nasenflügelrandes entstanden und bei denen die plastische Rekonstruktion jeweils mittels freiem Hautund Knorpeltransplantat (Composite graft) aus der Helix der ipsilateralen Ohrmuschel erfolgte. In Tumeszenzlokalanästhesie erfolgten die Tumorexzisionen und die Transplantatentnahmen. Donor- und Empfängerstellen wurden mehrschichtig verschlossen. Intraoperativ wurde flächenadaptiert niedermolekulares Heparin in den Empfängerbereich des Composite grafts injiziert und eine Mupirocin-haltige Nasentamponade eingelegt. Postoperativ zeigten die Composite grafts eine gute Adaptation und im Verlauf eine komplette Einheilung. Beide Patienten waren mit dem ästhetischen und funktionellen Ergebnis sehr zufrieden. Composite grafts von Ohrhelix sind dorsal konvex und ventral konkav, so dass eine ideale Rekonstruktion des Nasenflügels erreicht werden kann. Zudem kann aufgrund der ähnlichen Hautfarbe und Konsistenz von Donor- und Empfängerareal ein gutes ästhetisches Ergebnis erwartet werden. Da die Versorgung des Transplantats anfangs ausschließlich durch Diffusion erfolgt, spielen die Kontaktfläche und Gesamtgröße eine wichtige Rolle. Die intraoperative Gabe von Heparin hat sich zur Vermeidung von Transplantatnekrosen bewährt.

P180 Lippenwechsellappenplastik zur Rekonstruktion von ausgedehnten Unterlippendefekten Triebe F.1, Beissert S.1, Maschke J.1 1 Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden, Germany

Nach der Exzision von ausgedehnten Plattenepithelkarzinomen an der Unterlippe ist eine Rekonstruktion des Defekts in funktioneller wie in ästhetischer Hinsicht sehr wichtig. Wir berichten über zwei Patienten bei denen nach Exzisionen von ausgedehnten Plattenepithelkarzinomen an den Unterlippen die plastischen Rekonstruktionen jeweils mittels an der A. labials superior

Poster der 48. DDG-Tagung

gestielter Lippenwechsellappenplastik („reverser Abbe-Lappen“) erfolgten. Die Tumorexzisionen, die primären Rekonstruktionen als auch die Lappenstieldurchtrennungen nach ca. 3 Wochen konnten komplikationslos in Tumeszenzlokalanästhesie durchgeführt werden. Die funktionellen und ästhetischen Ergebnisse, insbesondere hinsichtlich Lippensymmetrie, Artikulation, Ästhetik, Prothesensitz und Nahrungsaufnahme wurden von den Patienten als sehr gut bewertet. Lippenwechsellappenplastiken können zum Verschluss von penetrierenden Lippendefekten verwendet werden, bei denen die Defektgröße ein Drittel bis die Hälfte der Unterlippe beträgt. Als Erstbeschreiber der Lippenwechsellappenplastik (engl. cross-lip flap) wird Johann Gustaaf Hjertzeel aus Schweden bereits im Jahr 1756 benannt. Die Methode wurde ursprünglich zur Korrektur von Spaltbildungen der Oberlippe verwendet. Nach mehrfacher Modifikation fand die Lippenwechsellappenplastik im Jahr 1898 seine Verbreitung durch den Chirurgen Robert Abbe (1851 – 1928). Nach seinem Namen wird diese Technik auch „Abbe-Lappen“ benannt. Wir haben die Technik des „reversen Abbe-Lappens“ im Rahmen der dermatologischen Tumorchirurgie bei zwei Patienten zur Korrektur von ausgedehnten Unterlippendefekten angewendet und konnten einen optimalen Erhalt der Lippenfunktion und eine Rekonstruktion innerhalb der ästhetischen Einheit erreichen.

Pädiatrische Dermatologie P181 Infantiles, akutes, hämorrhagisches Ödem Messerschmidt A.1, Wolter M.1, Ter-Nedden J.1, Kaufmann R.1, Ochsendorf F.1 1

Universitätsklinik Frankfurt, Dermatologie, Frankfurt am Main, Germany

Anamnese: Bei einem 17 Monate alten, männlichen Kleinkind traten erstmals vor wenigen Stunden an beiden Armen und Beinen gerötete Schwellungen auf. Es bestanden weder Juckreiz noch Fieber oder eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes. Befund: An den Streckseiten der Extremitäten zeigten sich livid-erythematöse, teils kokardenartige, ödematöse, hämorrhagische Plaques. Histologie: Es fand sich eine die gesamte Dermis durchsetzende interstitielle Entzündungsreaktion mit neutrophilen und eosinophilen Granulozyten. Fokal sah man einzelne frische Einblutungen. Diagnose: In Zusammenschau von Klinik und histologischem Befund stellten wir die Diagnose eines infantilen, akuten, hämorrhagischen Ödems. Verlauf: Ohne jede Therapie waren die Hautveränderungen innerhalb einer Woche nahezu komplett abgeheilt. Ein Auslöser konnte nicht gefunden werden. Diskussion: Beim infantilen, akuten, hämorrhagischen Ödem (Kokardenpurpura) handelt es sich um eine leukozytoklastische Vaskulitis, die ausschließlich die Haut betrifft und spontan abheilt. Bis 2007 waren weltweit ca. 300 Fälle der Erkrankung beschrieben worden. 80% der Patienten waren bei Diagnosestellung zwischen 6 und 24 Monaten alt. Jungen sind doppelt so häufig betroffen wie Mädchen. In 70% der Fälle geht der Erkrankung ein Infekt (Atemwegsinfekt, Diarrhoe oder Harnwegsinfekt)

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voraus. Laborkontrollen sind in der Regel nicht wegweisend. Die Haut veränderungen entstehen typischerweise rasch und umfassen große, runde, erythematöse bis livide Plaques an Wangen, Ohren und Extremitäten. Oft treten kokardenartige Läsionen und Ödeme der distalen Extremitäten auf. Andere Organe werden in der Regel nicht befallen. Die Hautveränderungen heilen meist innerhalb von 2 bis 60 Tagen spontan ab. Eine effektive Therapie ist nicht bekannt, systemische Steroide haben keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Wichtig ist, die Krankheit zu kennen und die Eltern über das selbst-limitierende, harmlose Krankheitsbild aufzuklären.

P182 Kutane Langerhanszellhistiozytose – eine diagnostische Herausforderung Wilhelm N.1, Fahrig A.1, Schönfeld J.1, Kreft B.1 1 Universitätsklinikum Halle (Saale), Dermatologie, Halle (Saale), Germany

Langerhanszell-Histiozytosen bieten ein heterogenes Spektrum maligner und benigner Erkrankungen. Charakteristisch ist eine gestörte Immunregulation mit abnormer Proliferation von Langerhanszellen in unterschiedlichen Organen. Aufgrund der vielgestaltigen morphologischen Erscheinungsformen bei der kutanen Form, sollte bei nicht eindeutigen papulösen, ekzematoiden oder ulzerierten Befunden eine Langerhanszell-Histiozytose differentialdiagnostisch mit ins Kalkül gezogen werden. Ein 17-jähriger Patient berichtet, zunächst juckende stammbetonte erythematöse Papeln bemerkt zu haben. Im weiteren Verlauf kam es zu einem Progress im Sinne eines kleinpapulösen Exanthems mit vorwiegend nächtlichem Juckreiz. Zunächst erfolgte unter dem Verdacht einer Skabies-Infestation eine 2-malige Lokaltherapie mit Permethrin. Anschließend wurde eine antientzündliche Lokaltherapie mit topischen Glukokortikoiden veranlasst. Eine Befundregredienz konnte dadurch nicht erreicht werden, vielmehr traten neue Effloreszenzen flexural und auch genital auf. In der konventionellen Histologie als auch in der Immunhistochemie zeigten sich eindeutige Hinweise für das Vorliegen einer Langerhanszell-Histiozytose. Eine Beteiligung anderer Organe konnte ausgeschlossen werden. Eine zeitlich befristete Lokal- als auch Systemtherapie mit Glukokortikoiden erbrachte einen guten Therapieerfolg. Nach Literaturrecherche ist bei der Langerhanszell-Histiozytose eine hohe Zahl von anfänglichen Fehldiagnosen auffällig, die im Krankheitsverlauf gestellt werden. Das Spektrum reicht von der Candidose, Ekzem, Varizellen, M. Darier bis hin zur seborrhoischen Dermatitis. Auch bei unserem Patienten konnte zunächst keine eindeutige Diagnose gestellt werden. Um dies zu vermeiden, sollten die Varianten der Langerhanszell-Histiozytose bekannt sein. Eine frühzeitige Diagnosestellung durch eine histologische Untersuchung ist entscheidend, da die Prognose der Erkrankung von einem möglichst frühen Therapiebeginn abhängt.

P183 Comparison of the influence of sunflower seed oil and skin care lotion on the skin barrier function of newborns: a randomized controlled trial

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Poster der 48. DDG-Tagung

Kanti V.1, Lünnemann L.1, Günther M.1, Stroux A.1,2, Henrich W.3, Abu-Dakn M.4, Blume-Peytavi U.1, Garcia Bartels N.1 1

Charité – Universitätsmedizin Berlin, Department of Dermatology and Allergy, Clinical Research Center for Hair and Skin Science, Berlin, Germany 2 Charité – Universitätsmedizin Berlin, Department of Medical Statistics and Clinical Epidemiology, Berlin, Germany 3 Charité – Universitätsmedizin Berlin, Department of Obstetrics, Berlin, Germany 4 St. Joseph Clinic Berlin Tempelhof, Department of Obstetrics, Berlin, Germany

Background: Skin care practices influence skin barrier function during the first weeks of life. The application of sunflower seed oil for neonatal skin care has been investigated in previous studies, with controversial findings, varying from lowering mortality rate to decelerating skin barrier maturation in preterm infants. Objective: To investigate the effect of sunflower seed oil compared to a commercially available skin care lotion on the skin barrier function of healthy full-term newborns using standardized, objective, non-invasive methods. Methods: In a prospective, randomized clinical study, 50 healthy full-term newborns aged ≤96 h were randomly assigned to two groups receiving three times per week: topical baby lotion application (group L, n = 22) and topical sunflower seed oil application (group SSO, n = 24). Skin barrier function was evaluated in three anatomical areas (front, abdomen, upper leg) by non-invasive assessment of transepidermal water loss (TEWL), stratum corneum hydration (SCH), sebum and skin-pH at inclusion and after five weeks. Clinical skin condition was assessed using the neonatal skin condition score. Results: Both groups showed a significant decrease of skinpH and an increase of SCH in all measured anatomical areas after 5 weeks compared to baseline. A significant decrease of TEWL was observed on the forearm in both groups. TEWL decreased significantly on the leg in group L and on the abdomen in group SSO. Skin condition remained stable. Conclusions: The use of sunflower seed oil showed comparable results to the use of an infant specific emollient in healthy term neonates. Both skin care regimes seem to maintain postnatal maturation of skin barrier function and skin condition.

P208 Das juvenile Xanthogranulom vom Plaque-Typ – eine ungewöhnliche klinische Variante mit meist chronischem Verlauf Benoit S.1, Wobser M.1, Kneitz H.1, Winkler B.2, Hamm H.1 1 Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum Würzburg, Würzburg, Germany 2 Kinderklinik und Poliklinik, Universitätsklinikum Würzburg, Würzburg, Germany

Das juvenile Xanthogranulom (JXG) gehört zu den Nicht-Langerhanszell-Histiozytosen (NLH) und tritt überwiegend bei Säuglingen und Kleinkindern auf. Klinisch ist es durch solitäre oder disseminierte, gelb-orangene Papeln und Knoten mit Neigung zur Spontanremission charakterisiert. Eine seltene klinische Variante ist das JXG vom fazialen Plaque-Typ („symmetrical giant facial plaque-type juvenile xanthogranuloma“, SGFP-JXG), bei dem großflächige Plaques im Gesicht auftreten und über Jahre persistieren.

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Ein 10 Monate alter, männlicher Säugling wurde uns mit ca. 30 gelb-orangenen Papeln vorgestellt. Ab dem fünften Lebensmonat waren zunächst das Kapillitium, im weiteren Verlauf auch Extremitäten, Stamm und zuletzt das Gesicht betroffen. Unter dem klinischen Verdacht auf disseminierte mikronoduläre JXG wurde eine Probebiopsie entnommen, histologisch passend zu einer – allerdings nicht eindeutig subtypisierbaren – NLH. In weiterführenden Untersuchungen ergab sich kein Anhalt für eine Organbeteiligung oder assoziierte Erkrankungen. Im Verlauf zeigte sich der Befund deutlich progredient mit multiplen Papeln und zunehmender Plaquebildung an Wangen und Armen. Eine erneute Biopsie zeigte nun einen JXG-typischen Befund mit Nachweis monomorpher, teils vakuolärer, CD68- und CD163-positiver Histiozyten, welche für S-100, CD1a und Langerin negativ waren, sowie mehrkerniger Riesenzellen vom Touton-Typ. In Zusammenschau mit dem eindrücklichen klinischen Bild diagnostizieren wir die seltene Variante eines SGFP-JXG, wobei sich bei unserem Patienten ungewöhnlicherweise auch Plaques an den Extremitäten entwickeln. Die Therapie des JXG ist schwierig, evidenzbasierte Empfehlungen existieren nicht. Bei fehlender extrakutaner Beteiligung entschieden wir uns bei unserem Patienten im Einvernehmen mit den Eltern zunächst lediglich zu engmaschigen dermatologischen, kinder- und augenärztlichen Kontrollen mit Labor- und sonografischen Untersuchungen.

Phlebologie P184 Die Behandlung der akuten Varizenblutung mit der Schaumsklerotherapie Proske U.1 1

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, TU Dresden, Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Dresden, Germany

Die akute Varizenblutung ist eine gefürchtete Komplikation bei chronisch venöser Insuffizienz (CVI), die für den Patienten als dramatisches Ereignis in Erscheinung tritt. Es handelt sich um einen Notfall, da bei fehlender suffizienter Versorgung Todesfälle beschrieben wurden. Blutungsquellen sind in den meisten Fällen sehr oberflächliche Venen am Unterschenkel oder Knöchel (blow outs). Die Blutung startet nach einem minimalen Trauma, z.B. einem Stoß oder Kratzen. Die Notfallversorgung besteht im Anlegen eines Kompressionsverbandes und Hochlagerung der Extremität. Für die nachfolgende Behandlung kann die chirurgische Umstechung oder die Schaumsklerotherapie eingesetzt werden. Untersuchung haben gezeigt, dass trotz chirurgischer Intervention eine Rezidivblutung auftreten kann (1). Im Gegensatz dazu wird durch die Schaumverödung, auch bei Patienten, die eine Antikoagulation erhalten, eine sehr rasche und effektive Abheilung erreicht (1,2). Wir berichten über 6 Patienten, bei denen eine Varizenblutung durch Schaumsklerotherapie behandelt wurde. Eingesetzt wurde ÄthoxysklerolÒ in Konzentrationen von 0,5% bis 2%, das mit einem Gas (Luft oder CO2) aufgeschäumt wird. Es stehen dabei verschiedene Techniken zur Verfügung, wobei wir das Doppel-Spritzen-System n. Wollmann zur Schaumherstellung nutzen.

Poster der 48. DDG-Tagung

Mögliche Begleitreaktionen sind umschriebene Phlebitiden und Hyperpigmentierungen. Insgesamt handelt es sich bei der Schaumsklerotherapie um eine sehr effektive, einfache, kostengünstige und damit ambulant durchführbare Option zur Behandlung der akuten Varizenblutung. Allerdings sollte nachfolgend auch die zugrundeliegende Varikose einer Therapie zugeführt werden. (1) (2)

Labas P, Cambal M. Profuse bleeding in patients with chronic venous insufficiency. Int Angiol 2007 Mar; 26(1): 64–6 Hamahata A, Yamaki T, Osada A et al. Foam sclerotherapy for spouting haemorrhage in patients with varicose veins. Eur J Vasc Endovasc Surg. 2011 Jun;41(6):856–8. Epub 2011 Mar 21.

P185 Neu konzipierter Kompressionsstrumpf: besserer Tragekomfort bei gleicher hämodynamischer Besserung Jünger M.1, Konschake W.1, Jütte A.K.1, Riebe H.1, Lutze S.1, Arnold A.1 1

Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten, Greifswald, Germany

Medizinische Kompressionsstrümpfe nach RAL-Norm (K-RAL) entwickeln den höchsten Anpressdruck auf Knöchelhöhe, nach proximal reduziert sich der Anpressdruck kontinuierlich. Der hier neu entwickelte Kompressionsstrumpf (K-neu) erzeugt den höchsten Anpressdruck in Wadenmitte, der Anpressdruck steigt somit von Knöchel bis Wadenmitte an und fällt dann erst nach proximal ab. In eine kontrollierten Studie wurden 30 gesunde Probanden und 30 Patienten mit CVI einbezogen: die beiden K-Strümpfe K-RAL und K-neu wurden jeweils für eine Woche getragen, zwischen den beiden Tragephasen wurde entweder kein K-Strumpf getragen oder ein K-Strumpf, den der Patient bereits gewohnt war. Ergebnisse: Beide Kompressionsstrümpfe verbesserten die venöse Abpumpleistung (venous ejection fraction) in gleicher Weise. Nach der einwöchigen Tragephase war das Unterschenkelvolumen der gesunden Probanden und der Patienten mit CVI reduziert, mit 70 ml ausgeprägter bei den Patienten mit CVI, dies wurde mit beiden K-Strümpfen erreicht. Probanden und Patienten empfanden den K-neu im Vergleich zu K-RAL angenehmer, insbesondere ließ sich K-neu wesentlich leichter anziehen.

Phototherapie /-diagnostik P186 Successful treatment of cutaneous leishmaniasis caused by leishmania tropica with topical photodynamic therapy Fink C.1, Schneiderbauer R.1, Enk A.1, Gholam P.1 1

Universitätshautklinik Heidelberg, Dermatologie, Heidelberg, Germany

Background: Cutaneous leishmaniasis is a widespread arthropod-borne protozoan zoonosis that represents a common health problem. Treatment choices are complicated by the

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paucity of well-controlled comparative trials and lack of standardized outcome measures. Standard treatments are often ineffective or yield poor cosmetic results. We report on the successful treatment of an 18-year-old female patient with a cutaneous leishmania tropica infection of the face, forearm and back of the hand. Methods: Three lesions were treated by PDT with aminolevulinic acid and subsequent irradiation with visible red light. The lamp was set to give a total light dose of 37J/cm2 in approximately 9 minutes at a distance of 8cm. PDT was performed once weekly for five weeks. Results: All three lesions treated by PDT were clinically leishmania free. One months after therapy there was no recurrence, and cosmetic outcome after PDT was excellent Conclusion: Excellent results were achieved with topical photodynamic therapy. Therefore, PDT may be an effective therapeutic alternative in cutaneous leishmaniasis.

P187 Optische Kohärenztomographie und UVA 1 Lasertherapie des Lichen planus palmoplantaris: Eine Fallstudie Schmitz L.1,2, Gambichler T.1, Dirschka T.2,3 1 Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, St. Josef-Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität, Bochum, Germany, 2 CentroDerm, dermatologische Praxis, Wuppertal, Germany 3 Fakultät für Gesundheit, Universität, Witten-Herdecke, Germany

Der Lichen planus (LP) ist eine subakut bis chronisch verlaufende entzündliche Dermatose, die sich am gesamten Integument, den Schleimhäute sowie den Hautanhangsgebilden mit einer großen klinisch-morphologischen Variationsbreite manifestieren kann. Je nach Lokalisation und Ausprägung der Erkrankung, stellt der LP eine erhebliche Einschränkung für das tägliche Leben der Betroffenen dar. Eine wirksame Standardtherapie insbesondere der seltenen Form des LP palmoplantaris ist bisher nicht beschrieben. Wir berichten den Fall einer 67-jährigen Patientin mit histologisch gesichertem LP palmoplantaris, der auf verschiedene Vortherapien kein Ansprechen zeigte. Daher entschlossen wir uns die Handinnenflächen mit einem neuen, hochenergetischen UVA 1 Laser zu behandeln. Dies ist ein Festkörperlaser, der als aktives Medium einen Neodynium Ytterbium Vanadat (Nd:YVO4) Kristall verwendet. Das emittierte Licht hat eine primäre Wellenlänge von 1064nm und wird ultrakurz gepulst sowie frequenzverdreifacht und erreicht somit eine therapeutische Wellenlänge von 355nm. Die Handinnenflächen der Patientin wurden dreimal pro Woche jeweils mit einer Energie von 100J/cm2 über einen Zeitraum von 4 Wochen behandelt. Der Verlauf wurde mittels optischer Kohäremztomographie (OCT) monitoriert. Die OCT ermöglicht die Erstellung von nicht invasiven, vertikalen Echtzeitbildern der Haut, die an gleicher Stelle beliebig oft wiederholbar sind. Sowohl klinisch als auch OCT-morphologisch zeigte sich eine vollständige Remission der Erkrankung. Die Patientin stellte sich ebenfalls in den Follow-up Untersuchungen als beschwerdefrei vor. Weitere klinische Erfahrungen konnten bereits gute Ergebnisse der Hochdosis UVA1 Therapie auch bei anderen Formen des LP zeigen. Es sind weitere systematische Arbeiten notwendig, um die vielversprechenden klinischen und bildmorphologischen Eindrücke zu belegen.

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Poster der 48. DDG-Tagung

Physiologie und Biochemie der Haut P188 Charakterisierung der kutanen Zytotoxizität von Niacinamid Wohlrab J.1,2 1

Universitätsklinikum Halle, Klinik für Dermatologie und Venerologie, Halle, Germany 2 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für angewandte Dermatopharmazie, Halle, Germany

Niacinamid (syn. Nicotinamid) ist das Amid des Vitamin B3 und ist als Bestandteil der Coenzyme Pyridinnucleotide Nicotinamid-adenin-dinucleotid (NAD) und Nicotinamid-adenin-dinucleotid-phosphat (NADP) auch in der Haut vorhanden. Niacinamid ist hydrophil und wurde als einer der Induktoren der keratinozytären Lipid- und Ceramidsynthese identifiziert. Durch Induktion der Aktivität der Serinpalmitoyltransferase (SPT), dem Schrittmacherenzym der Ceramidsynthese, wird ein komplexer Einfluss auf die Quantität der Bestandteile des Stratum corneums vermittelt. Darüber hinaus vermittelt Niacinamid als Inhibitor der PARP-1 über NFκ B inhibierende Effekte auf die Expression proinflammatorischer Zytokine, hemmt die cAMP-Phosphodiesterase, inhibiert reversibel den Melanosomentransfer zum Keratinozyten und vermittelt antimikrobielle Effekte. Niacinamid wird bereits in niedrigen Konzentrationen für die topische Applikation in Kosmetika eingesetzt. Bisher gibt es aber keine Daten zur kutanen Zytotoxizität, so dass die Unbedenklichkeit lediglich von begrenzten klinischen Erfahrungen abgeleitet wird. In der vorliegenden Studie wurden deshalb zytotoxische Parameter (Vitalität, Proliferation und Apoptoseverhalten) konzentrationsabhängig für Niacinamid an HaCaT-Zellen, nativen Keratinozyten, epidermalen Stammzellen, Fibroblasten sowie kutanen mesenchymalen Stammzellen ermittelt. Die Untersuchungen zeigen, dass Niacinamid auch in hohen Konzentrationen (bis 1000 μ mol/l) zytotoxikologisch als unbedenklich gelten kann.

P189 Quantifizierung der Diffusionspromotorwirkung von Hyaluronidase am Beispiel einer hydrophilen Phase Wohlrab J.1,2 1

Universitätsklinikum Halle, Klinik für Dermatologie und Venerologie, Halle, Germany 2 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für angewandte Dermatopharmazie, Halle, Germany

Hyaluronidase wird klinisch vermehrt als Diffusionspromotor von intrakutan applizierten Arzneimitteln eingesetzt. Insbesondere hydrophile Wirkstoffe wie Lokalanästhetika, rekombinante Proteine (z.B. Insulin) oder Immunglobuline (z.B. therapeutische Antikörper) werden diesbezüglich intensiv beforscht. Der diffusionsfördernde Effekt von Hyaluronidase auf intrakutan applizierte Wirkstoffe ist zwar z.B. für Lidocain, Insuline und Immunglobuline nachgewiesen, allerdings bisher mangels eines Modells bezüglich der intrakutanen Konzentrationen nicht oder nur unzureichend quantifiziert worden. Vor diesem Hintergrund wurde in den vorliegenden Untersuchungen der Einfluss von Hyaluronidase aktivitätsabhängig auf die Diffusion einer hydrophilen Phase im kutanen Bindegewebe

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im zeitlichen Verlauf detektiert. Mittels eines dreidimensionalen Diffusionsmodells an ex vivo Humanhaut wurde die Pharmakokinetik von D2O validiert. Dabei wurden 150 I.U./ml PH-20 (Hylase® Dessau) volumenäquivalent mit D2O ko-appliziert und die Diffusionsrate von D2O mittels Szintillationsmessungen mit zeitlichem Profil analysiert. Es zeigt sich, dass Hyaluronidase durch partiellen Abbau der extrazellulären Matrix die intrakutane Diffusion der wässrigen Phase bahnt und die lokale Bioverfügbarkeit deutlich (um den Faktor 2) steigern kann und gleichzeitig durch erhöhte Wasserbindungskapazität ein Homing-Phänomen induziert, welches das Risiko einer systemischen Bioverfügbarkeit reduziert. Die Ergebnisse belegen, dass die Ko-applikation von Hyaluronidase als Prinzip der Steigerung der lokalen Bioverfügbarkeit von hydrophilen Arzneistoffen Potential mit hoher praktischer Relevanz besitzt.

P190 Präklinische Validierung der kutanen Verträglichkeit von Emulgatoren Wohlrab J.1,2, Efkes G.1 1

Universitätsklinikum Halle, Klinik für Dermatologie und Venerologie, Halle, Germany 2 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für angewandte Dermatopharmazie, Halle, Germany

Emulgatoren werden in vielen topischen Präparationen zur stabilen Vermischung von lipophilen und hydrophilen Phasen bzw. zur Reinigung der Hautoberfläche eingesetzt. Durch die besonderen physikochemischen Eigenschaften der emulgierenden Moleküle, kann auch konzentrationsabhängig eine Interaktion mit den Membranen des Stratum corneums bzw. mit Zellmembranen eintreten. Daraus resultieren irritative und neurosensorische Effekte, die insbesondere bei Hautkranken bzw. bei Schleimhautkontakt klinische Relevanz erlangen können. Da diese Effekte einer Dosis-Wirkungs-Beziehung unterliegen, ist die präklinische Validierung klinisch unbedenklicher Konzentrationen von großer Bedeutung. Auch wenn die Bioverfügbarkeit der emulgierenden Phase einer topischen Präparation vom galenischen Gesamtkonzept abhängt, so können dennoch mit geeigneten Methoden unbedenkliche Konzentrationsbereiche ermittelt werden. Vor diesem Hintergrund wurde im HET-CAM-Modell und mittels unterschiedlicher Validierungsmethoden (visueller Score nach ICCVAM, Laser-Doppler-Fluxmetrie) die Verträglichkeit von insgesamt 12 gängigen Emulgatorsystemen in jeweils 8 Konzentrationsstufen (0,05–20%ig) untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass selbst als innert geltende Emulgatoren in hohen Konzentrationen irritative Effekte aufweisen können. Die Daten ermöglichen eine fundierte präklinische Sicherheitsbewertung von Präparationen bereits während der Entwicklungsphase, ersetzen aber die Validierung der Unbedenklichkeit der Gesamtpräparation nicht.

P191 Ammoniak, das von der Hautoberfläche verdampft, lässt sich mit Wasser als Absorptionsmittel unter Steady State-Bedingungen messen Reuther T.1, Shams G.1, Kerscher M.1 1

Studiengang Kosmetikwissenschaft, Fachbereich Chemie, Universität Hamburg, Hamburg, Germany

Poster der 48. DDG-Tagung

Als sehr kleines Molekül mit hohem Dampfdruck und vielfältigen Implikationen für die Physiologie der Haut erscheint Ammoniak als Parameter zur nicht-invasiven Untersuchung der Haut sehr interessant. In Pilotuntersuchungen konnten wir zeigen, dass es grundsätzlich mit Reinstwasser als Absorptionsmittel gut erfassbar ist. Ziel der vorliegenden Studie ist es die in diesem Versuchsaufbau vorzufindende Diffusionscharakteristik weiter zu untersuchen. Bei 12 Probanden (6 M, 6 F) wurde am mittleren Drittel der Unterarme eine mit Reinstwasser gefüllte Petrischale über jeweils 2,4 und 6 Min. so angebracht, dass zwischen Wasser und Haut stets ein freier Diffusionsspalt blieb. Die in das Wasser diffundierten Ammoniakmoleküle wurden photometrisch quantifiziert und deren Zusammenhang zur Messzeit statistisch untersucht. Der Status der Hautbarriere wurde mittels Messung des transepidermalen Wasserverlustes (TEWL) und des Hautoberflächen-pH-Wertes kontrolliert. Die Ergebnisse zeigen einen Anstieg der Ammoniakmengen mit der Messzeit. Während nach 2 Min. Werte von 6,86 ng/cm2 gemessen wurden, waren nach 4 Min. 11,62 ng/cm2 und nach 6 Min. 16,11 ng/cm2 in das Wasser diffundiert. Die Regressionsanalyse ergab einen linearen Zusammenhang zwischen Diffusionsstromdichte und der Zeit (R 2 = 1), wobei eine Steigung von 2,27 ng/cm2 pro Minute gefunden wurde. Über alle Messzeitpunkte gemittelt ergab sich ein Wert von 3,00 ng/cm2min. Für die TEWL und pH-Werte ergaben sich Normalwerte. Der lineare Anstieg der Ammoniakwerte mit der Zeit weist auf eine stetige, zeitlich konstante Diffusion hin wie sie für ein Steady State charakteristisch ist. Es kann außerdem daraus geschlossen werden, dass die Messung über einen längeren Zeitraum stabil ist und dass es somit auch möglich ist die Messzeit je nach Fragestellung zu variieren. Für die weitere Evaluation des Messaufbaus ist es erforderlich weitere physikochemische Einflussfaktoren wie zum Beispiel den pH-Wert des Wassers zu untersuchen.

P192 Einfluß verschiedener Öle auf die Hautschutzbarriere Hauser M.1 1

Johnson & Johnson GmbH, Scientific Relations, Neuss, Germany

Fragestellung: Welchen Effekt haben pflanzliche Öle im Vergleich zu Paraffinöl und Petrolatum auf die Hautschutzbarriere? Methodik: Es wurden vier pflanzliche Öle (Jojobaöl, Olivenöl, Sojaöl, Mandelöl) und Paraffinöl auf die Unterarmhaut von 12 Erwachsenen (20–40 Jahre alt) aufgetragen. Als Kontrolle diente Petrolatum. Die Substanzen ließ man 30 min lang einziehen, 5 min später erfolgte die Messung der Hautfeuchtigkeit und des TEWL und danach die Probennahme mittels Lipbarvis®, um Korneozytenschichten (4–8 μ m) abzutragen. Die Proben des SC wurden mittels TEM auf die Organisation und Anzahl der interzellulären Lipidlamellen untersucht und einer Lipidanalyse unterzogen. Ergebnis: Die Anwendung der Öle zeigte eine signifikante Absenkung der Oberflächenhautfeuchtigkeit und Reduktion des TEWL verglichen zum Zeitpunkt vor der Anwendung. Ebenso signifikant war der Unterschied zwischen Petrolatum und den Ölen einschließlich Paraffinöl. In der okklusiven Wirkung auf die Hautschutzbarriere war allerdings kein Unterschied zwischen den pflanzlichen Ölen und Paraffinöl festzustellen.

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Die Analyse der Anzahl der interzellulären Lipidlamellen zeigte durch Einwirkung der Öle eine signifikante Absenkung durch Petrolatum und einen signifikanten Anstieg bei Mandelöl, hier auch verglichen zu Soja-, Oliven- und Paraffinöl. Schlussfolgerung: Diese Studie konnte mittels TEWL-Messung zeigen, dass pflanzliche Öle und Paraffinöl sich in der Okklusionswirkung auf die Hautbarriere nicht unterscheiden. Damit bestätigt die Studie frühere Ergebnisse mit anderen Methoden wie Ramanspektroskopie und LSM/TEWL. Durch Anwendung der modernen nicht-invasiven Methode der Lipidlamellenanalyse zeigten Soja-, Mandel- und Jojobaöl einen positiven Effekt auf die Hautbarriere durch Zunahme in der Anzahl der interzellulären Lipidlamellen. Verglichen mit älteren Daten von Messungen der Lipidlamellen aus atopischer Haut sind diese Ergebnisse zwar statistisch signifikant aber klinisch eher nicht relevant.

Prävention P193 Evaluierung der Farbsensorik des Farbmessgerätes „Aphrodite“ Zieger M.1, Springer S.1, Wiegand C.1, Hipler U.C.1, Krumbein F.2, Sieß G.2, Röppischer M.2, Hailer F.2, Gohlke K.3, Sattler W.3, Schlesiger I.4, Stohr M.4, Meyer K.4, Kaatz M.1,5 1

Universitätsklinikum Jena, Klinik für Hautkrankheiten, Jena, Germany 2 MAZeT GmbH, Jena, Germany 3 Bauhaus-Universität Weimar, Weimar, Germany 4 ART-KON-TOR, Jena, Germany 5 SRH Wald-Klinikum Gera, Zentrum für klinische Studien, Gera, Germany

Einleitung: Bei zahlreichen Erkrankungen der Haut sind Farbunterschiede ein entscheidendes Kriterium für die Diagnostik und die Wahl einer Therapie. Eine subjektive Einschätzung durch das Auge ist jedoch zahlreichen Fehlerquellen unterworfen und in hohem Maße vom Untersucher abhängig. Zudem werden etablierte Farbmessverfahren nahezu ausschließlich in der Forschung verwendet. Im Verbundprojekt „Aphrodite“ wurde daher ein multifunktionelles Farbsensoriksystem entwickelt, das für vielfältige Anwendungen der Dermatologie geeignet ist. Material & Methoden: Das Farbmessgerät „Aphrodite“ ist zur Detektion von Wellenlängen zwischen 400–700 nm ausgelegt. Als Vergleichsgerät wurde das Chromameter CM-600d (Konica Minolta) eingesetzt. Die Messungen in vitro erfolgten an einem genormten Farbfächer für die Dermatologie (Skin Tone Guide, Pantone®). Als Parameter zur Evaluierung wurde der empfundene Farbabstand delta E bestimmt. Ergebnisse: Im direkten Vergleich mit einem Standardgerät wurden Messungen am genormten Farbspektrum in vitro durchgeführt. Darüber hinaus wurden verschiedene Hautfarbtöne, pigmentierte Bereiche sowie Rötungen (Prick-Test) in vivo vermessen. Eine sehr gute Übereinstimmung der Messwerte des „Aphrodite“-Systems mit den Werten des Standardgerätes verdeutlicht der empfundene Farbabstand delta E. Das System war in der Lage zwischen den verschiedenen Hautfarben zu differenzieren und wies nur minimale Unterschiede zum Standardgerät auf.

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Poster der 48. DDG-Tagung

Diskussion: Sowohl bei der Messung der Hautfarbtafeln als auch bei der Vermessung in vivo konnte für das System bereits eine sehr gute Übereinstimmung mit den Messwerten des Vergleichssystems festgestellt werden. In ersten Untersuchungen wurde damit die technische Eignung des Gerätes für die Messung von Hautfarben gezeigt. Für weiterführende Untersuchungen zur Evaluierung der Einsatzmöglichkeiten ergeben sich u.a. Fragestellungen aus den Bereichen der Lasertherapie, des Therapiemonitorings und der Hautkrebsvorsorge.

Pruritus P194 Der Histamin-Intrakutantest – ein prädiktiver Test für die Ursache von chronischem Pruritus? Zeidler C.1, Hamper C.M.1, Ständer S.1 1

Universitätsklinikum Münster, Dermatologie, Münster, Germany

Einleitung: Chronischer Pruritus (CP) ist ein häufig auftretendes Symptom vieler Erkrankungen. Histamin intradermal appliziert induziert Pruritus. Seit Jahrzehnten wird dies als experimentelles Modell zur Pruritusinduktion genutzt. Ob man anhand eines Histamin-Intrakutantestes auch differentialdiagnostische Aussagen bezüglich der zugrundeliegenden Diagnose bei chronischem Pruritus treffen kann, sollte diese Untersuchung zeigen. Methodik: Bei 150 Patienten mit chronischem Pruritus verschiedener Ursache (atopische Dermatitis, Urtikaria, Dermatosen mit und ohne Atopie, systemische, neurologische oder multifaktoriellen Erkrankungen als Ursache) und 15 Probanden ohne Pruritus (mit/ohne atopischer Diathese) wurde ein Histamin-Intrakutantest durchgeführt und die Intensität des Juckens auf der visuellen Analogskala (VAS), Quaddel- und Erythemgröße bestimmt. Ergebnis: Patienten mit Atopie zeigten einen signifikant höheren VAS und ein signifikant größeres Erythem im Vergleich zu den gesunden Kontrollen. Bei Patienten mit einer Dermatose ohne Vorliegen einer Atopie war die Quaddel signifikant kleiner als bei den Kontrollen; insbesondere bei Patienten mit Urtikaria. Jedoch zeigte sich eine größeres Erythem und höhere VAS Werte, je länger die juckende Dermatose bereits bestand. Ein Unterschied bei Patienten mit kutaner Genese des Pruritus zu Patienten mit systemischen Erkrankungen als Ursache des CP konnte nicht gesehen werden. Frauen gaben in fast allen Gruppen tendenziell höhere VAS-Werte an als Männer. Schlussfolgerung: Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass der Histamin-Intrakutantest einen gewissen Anhalt auf die Ursache des Pruritus geben kann, es ist jedoch keine zuverlässige Aussage machbar, daher muss weiterhin eine umfangreiche Untersuchung des Patienten erfolgen. Nichtsdestotrotz bedarf es in Zukunft weiterer, größerer Studien mit Histamin, um mehr Erkenntnisse über die Eigenschaften bei chronischem Pruritus zu sammeln.

P195 Lichen amyloidosus- erfolgreich mit 8% Capsaicinhaltigem Pflaster behandelt

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Zeidler C.1, Ständer S.1 1

Universitätsklinikum Münster, Dermatologie, Münster, Germany

Einleitung: Lichen amyloidosus (LA) ist eine stark juckende Dermatose, bei der histologisch Amyloid in der papillären Epidermis zu finden ist. Charakteristischerweise tritt der LA an den Extremitätenstreckseiten, vor allem Unterschenkeln, seltener aber auch am oberen Rumpf auf. In der Literatur findet man viele unterschiedliche symptomatische Therapieansätze zur Unterdrückung des Pruritus wie UV- Therapie, Laser Therapie, Einnahme von Acicretin oder Amitryptilin. Nicht alle Behandlungen verhelfen zu einer vollständigen Linderung und viele sind mit Nebenwirkungen behaftet. Methodik: Wir behandelten zwei Patienten (2 m; 47 Jahre, SD ± 9,9), welche seit durchschnittlich 22 Jahren (SD ± 2,8) an einem histologisch gesichertem LA litten. Vortherapien mit cortisonhaltigen Externa, Prednisolon oral und Antihistaminika brachten keinen ausreichenden Erfolg. Auf einer visuellen analog Skala (0–10) wurde die durchschnittliche Pruritusintensität mit VAS 7,75 (SD ± 3,5) angegeben. Bei einem Patienten bestand eine atopische Diathese, ansonsten bei beiden keine Komorbiditäten oder Medikamenteneinnahme. Prätibial bds. zeigten sich Papeln und Plaques in sklerotisch verdickter Haut. Wir applizierten direkt auf das juckende Hautareal ein 8%haltiges Capsaicin Pflaster (179 mg) für 60 min. Ergebnis: Einen Tag später kam es zu einem dramatischen Rückgang der Pruritusintensität auf VAS 0. Vorübergehend (< 2 h) bestand ein Erythem und ein Brennen in dem behandelten Areal. Ein Follow-up wurde zwei Monate nach einmaliger Applikation durchgeführt, hier zeigte sich weiterhin eine deutliche Reduktion der Pruritusintensität (VAS 1,5; SD ± 2.1) und eine Besserung des Hautbefundes. Schlussfolgerung: Das hochkonzentrierte Capsaicinpflaster könnte eine vielversprechende neue Therapie des LA darstellen. Jedoch werden weitere Daten von RCTs in einem größerem Kollektiv benötigt.

P196 Erste Analyse der Kosten und Nutzen einer Therapie mit einem 8% Capsaicin-Pflaster bei Notalgia parästhetika und brachioradialem Pruritus Steinke S.1, Gutknecht M.2, Dieckhöfer A.1, Lüling H.1, Zeidler C.1, Schedel F.1, Ständer S.1, Augustin M.2 1 Klinik für Hautkrankheiten, Universitätsklinikum Münster, Münster, Germany 2 CVDerm, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

Hintergrund: Für die Therapie der Notalgia parästhetika und des brachioradialen Pruritus existiert seit kurzem zusätzlich zu bereits etablierten Therapieoptionen ein Pflaster mit 8% Capsaicin. Methodik: Im Rahmen der Routineversorgung im Kompetenzzentrum Chronischer Pruritus (KCP) der Hautklinik Münster wurden Daten von 44 Patienten von 06/2011 bis 10/2013 retround prospektiv über je einen 6-Monatszeitraum (T1 = 6 Monate prä, T2 = 6 Monate post Erstapplikation Pflaster) erhoben. Diese dienten der Evaluation von Kosten sowie des Pruritus (VAS = Visuelle Analogskala von 0–10), der Lebensqualität (DLQI = Dermatologischer Lebensqualitätsindex von 0–30) und des patientenrelevanten Therapienutzens (PBI = Patient Benefit Index von 0–4).

Poster der 48. DDG-Tagung

Ergebnisse: Die mittleren Therapiekosten für das Capsaicin-Pflaster betrugen 560,49 € pro Patient. Der Anteil der stationären Aufenthalte sank von 15,9% (n = 7) auf 2,3% (n = 1) in 6 Monaten, so dass die mittleren stationären Behandlungskosten um 212,31 € (T1 = 316,90 €, T2 = 104,59 €) gesunken sind. Ebenso reduzierten sich die ambulanten Arztbesuche von 6,3 auf 4,7 Arztkontakte im entsprechenden 6-Monatshorizont. Die mittleren Kosten für ambulant verschriebene Systemtherapie sanken um 74,60 € (T1 = 352,34 €, T2 = 277,74 €), für Lokaltherapie um 11,63 € (T1 = 57,46 €, T2 = 45,83 €). Insgesamt sanken die ambulanten Kosten um 101,06 €, die Out-of-pocket-Kosten sogar um 134,13 € pro Patient. Die Therapie mit dem Capsaicin-Pflaster führte zu einem verminderten Pruritus (mVAS T1 = 4,48; T2 = 3,34) sowie zu einer um mehr als 30% verbesserten Lebensqualität (mDLQI T1 = 7,39; T2 = 4,63) und einem 40% höheren patientenrelevanten Therapienutzen (mPBI T1 = 1.5; T2 = 2.1). Konklusion: Den Therapiekosten des Capsaicin-Pflasters (560,49 €) stehen verminderte direkte medizinische Kosten (313,37 €) als auch Out-of-pocket Kosten (134,13 €) gegenüber. Bei gleichzeitiger Pruritusreduktion und verbesserten patientenrelevanten Nutzenwerten sind Kosten-Effektivitätsanalysen notwendig.

Psychosomatik P197 Erythem des Gesichts und der Palmae unklarer Genese Kleemann J.1, Pinter A.1, Ochsendorf F.1, Kaufmann R.1, Meissner M.1 1

Uniklinik Frankfurt, KDVA Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Frankfurt am Main, Germany

Die Erstvorstellung einer 16 jährigen Patientin erfolgte wegen seit 2 Wochen bestehenden, flächigen Erythemen im Gesicht und an den Handflächen. Sie gab an, seit einer Woche intermittierend bis zu 39°C Fieber zu haben. Die Patientin war 2 Wochen zuvor von einem Kurzaufenthalt aus Sri-Lanka zurückgekehrt. Zum Zeitpunkt der Vorstellung bestand kein Fieber. Eine systemische Vortherapie mit Clindamyicn sowie lokal mit Fucicort Creme über 5 Tage habe keine Besserung gebracht. In der klinischen Untersuchung waren die scheinbaren Erytheme mit alkoholischer Lösung abwischbar. Die Anwendung von jeglichen Externa wurde von der Patientin verneint. Bei Verdacht auf eine artifizielle Störung erfolgte eine Weiterbehandlung durch die Kollegen der Kinder-und Jugendpsychiatrie. In der psychiatrischen Exploration konnte eine außergewöhnliche Belastungssituation der Patientin (sexueller Missbrauch durch Freunde des Vaters, Suchtmittelmissbrauch des Vaters, unsichere Perspektive durch befristete Duldung der Familie in Deutschland) festgestellt werden. Die Selbstmanipulation wurde von der Patientin weiterhin bestritten. Bei den artifiziellen Störungen handelt es sich um eine heterogene Krankheitsgruppe, bei denen Betroffene Krankheitssymptome erzeugen, aggravieren oder simulieren. Dem liegt ein breites Spektrum an schweren emotionalen Störungen zugrunde. Besonders häufig sind diese mit Borderlin-Persönlichkeitsstörung, sexuellem Missbrauch, Essstörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen assoziiert. In dem hier präsentierten Fall wurden die Krankheitssymptome durch das Auftragen von Externa

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vorgetäuscht. Eine Zuordnung zur klassischen Dermatitis artefacta, die durch selbstschädigendes Verhalten definiert ist, ist daher nicht möglich. Artifizielle Störungen sind stets eine große diagnostische und therapeutische Herausforderung, die ein interdisziplinäres Vorgehen erfordern.

P198 Psychosomatische Behandlung der Körperdysmorphen Störung – eine interdisziplinäre Herausforderung Stierle C.M.G.1 1

Schön Klinik Bad Bramstedt, Bad Bramstedt, Germany

Menschen mit Körperdysmorpher Störung leiden unter Makeln in Ihrem Aussehen, die von anderen Menschen nicht oder nur leicht wahrgenommen werden. Sehr häufig betreffen die Sorgen und Makel den Bereich Haut. Daher werden Patienten zunächst häufig in der dermatologischen Versorgungspraxis vorstellig. Die Betroffene leiden jedoch häufig zusätzlich unter einer Vielzahl von psychopathologischen Symptomen wie Selbstmanipulation und Kontrollverhalten, Checking sowie massivem sozialen Rückzugsverhalten. Häufig werden als Lösungsversuche sogar plastisch-chirurgische Eingriffe erwogen. Ausgeprägte Suizidalität stellt ebenfalls ein zentrales Problem der Erkrankung dar und erschwert die Behandlung. Bislang gibt es jedoch in der Versorgungspraxis nur wenige spezialisierte psychotherapeutische Ansätze zur Behandlung der Körperdysmorphen Störung. Die Körperdysmorphe Störung ist mit einer Prävalenz von 1–2% dabei eine relativ häufige Störung. Ferner gibt es bislang wenig systematische Vernetzung zwischen den Fachgebieten Dermatologie und Psychosomatik zu diesem Thema. In diesem Beitrag wird ein gruppenbasiertes kognitiv-behaviorales Konzept für die stationäre Behandlung der Körperdysmorphen Störung vorgestellt. Anhand von Fallbeispielen sowie ersten Therapieoutcome-Daten wird ein Einblick in das Patientenklientel im akutpsychosomatischen Behandlungssetting gegeben. Erfahrungen und Schwierigkeiten (z.B. komorbide Störungen, Motivationsprobleme, reines somatisches Störungsverständnis) in der stationären therapeutischen Arbeit werden berichtet. Abschließend werden Ideen für eine mögliche interdisziplinäre Vernetzung diskutiert.

Venerologie/STI P199 Aortitis luetica bei sekundärer Syphilis Dietrich A.1, Gauglitz G.1, Herzinger T.1, Pfluger T.2, Braun-Falco M.1 1

Klinikum der Universität München, Dermatologie, München, Germany Klinikum der Universität München, Radiologie, München, Germany

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Die Syphilis ist eine sexuell übertragbare Infektion mit vielfältigen Symptomen. Die Aortitis luetica tritt typischerweise im Tertiärstadium der Syphilis auf und kann zu einem Aortenaneurysma führen. Infolge der Antibiotikatherapie ist die Aortitis luetica heutzutage sehr selten geworden. Dennoch stellt sie eine potenziell lebensbedrohliche Komplikation dar und sollte frühzeitig erkannt werden.

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Poster der 48. DDG-Tagung

Ein 70-jähriger Mann stellte sich mit einem nicht juckenden Exanthem, bilateraler Lymphadenopathie in leicht reduziertem Allgemeinzustand vor. In der körperlichen Untersuchung zeigten sich generalisierte rötlich-livide schuppende Knoten und Plaques mit palmoplantarer Beteiligung. Das Routinelabor zeigte ein erhöhtes CRP und erhöhte Leberwerte. Die histologische Untersuchung zeigte in der HE-Färbung ein entzündliches Infiltrat mit vereinzelten Plasmazellen. Immunhistologisch und serologisch konnte die Diagnose einer Syphilis gestellt werden. Die Röntgen-Thorax Aufnahme zeigte eine dilatative Angiopathie der Aorta, ohne Nachweis eines Aneurysmas. Computertomographisch zeigte sich eine breitflächige Verdickung der Aorta thoracalis. Mit Hilfe der FDG-Positronenemissionstomographie wurde eine floride Aortitis im Rahmen einer sekundären Syphilis diagnostiziert. Um eine Aortenruptur zu vermeiden, erhielt der Patient eine Herxheimer-Prophylaxe mit 100 mg Prednisolon vor Beginn der antibiotischen Therapie mit Penizillin. Die Aortitis luetica ist eine potenziell lebensgefährliche Komplikation einer tertiären Syphilis. Im Sekundärstadium tritt sie nur in Ausnahmefällen auf. Häufig ist die Aortitis ein radiologischer Zufallsbefund und Infektionszeichen wie Fieber oder Leukozytose fehlen. Die Computertomographie kombiniert mit der FDG-Positronenemissionstomographie erlaubt eine frühzeitige Diagnose der initial asymptomatischen Aortitis luetica und kann somit potenziell lebensbedrohliche Verläufe verhindern.

P200 Korrelation von Humanen Papillomviren-Status und Analer Zytologie mit Histopathologischer Diagnostik bei HIVPositiven Patienten Hermans C.1, Dietrich A.1, Ruzicka T.1, Schauber J.1, Reinholz M.1 1

Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Ludwig-Maximilians-Universität München, München, Germany

Humane Papillomviren (HPV) sind für ein weites Spektrum an mucokutanen Infektionen verantwortlich. HPV 16 und 18 werden den high-risk HPV zugeordnet und sind nachweislich an der Entstehung von Karzinomen des Analkanals beteiligt. Die Infektion mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) ist mit einer erhöhten Prävalenz von HPV-Infektionen sowie einer erhöhten Inzidenz von analen intraepithelialen Neoplasien (AIN) als auch von Analkarzinomen assoziiert. Die Entstehung von Analkarzinomen über AIN ist bei HIV-positiven Patienten, unabhängig von der antiretroviralen Therapie und des Immunstatus, verkürzt, was die Notwendigkeit von verlässlichen Screeninguntersuchungen bedingt. Im September 2013 wurde die Leitlinie “Anale Dysplasien und Analkarzinome bei HIV-Infizierten: Prävention, Diagnostik, Therapie” veröffentlicht. Mittels retrospektiver Auswertung der Analzytologie, HPV- Typisierung und Histologie von 123 HIV-positiven Patienten aus unserer HIV-Ambulanz, wurden die Empfehlungen der Leitlinie umgesetzt und überprüft. Alle Patienten (N = 123) erhielten PAP-Abstriche, eine HPV-Typisierung und eine High-Resolution-Anoskopie (HRA). Bei Patienten mit suspekten intraanalen Läsionen wurden Zangenbiopsien entnommen (N = 57). Eine erhöhte Anzahl von Patienten mit negativer (NILM) oder niedrig-maligner (LSIL) Zytologie zeigte histologisch höhergradige AIN (Grad 2 und 3). Der Nachweis von onkogenen HPV-Typen war wie erwartet mit dem Nachweis von

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höhergradig-dysplastischen Zellen (HSIL) assoziiert. Demnach wäre bei Nachweis von NILM und LSIL gegebenenfalls eine zusätzliche HPV- Typisierung sinnvoll, um die Patienten mit hohem Risiko für die Entwicklung von AIN zu identifizieren, engmaschiger zu screenen oder frühzeitig eine HRA durchzuführen.

Wundmanagement P201 Konsensusempfehlungen zur Elektrostimulationstherapie chronischer Wunden Herberger K.1, Göpel L.M.1, Heyer K.1, Baade K.1, Debus E.S.2, Diener H.2, Dissemond J.3, Lawall H.4, Protz K.1, Wild T.5, Augustin M.1 1

Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen, Hamburg, Germany 2 Universitäres Herzzentrum Hamburg Eppendorf, Klinik für Gefäßmedizin, Hamburg, Germany 3 Universitätsklinikum Essen, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Essen, Germany 4 Asklepios Westklinikum Hamburg, Abteilung für Angiologie, Hamburg, Germany 5 Städtisches Klinikum Dessau-Roßlau, Wundzentrum Dessau, Dessau, Germany

Einleitung: Zu den innovativen Verfahren der modernen Wundtherapie gehört die Elektrostimulationstherapie (EST). Die Effekte auf die Wundheilung wurden in vielen wissenschaftlichen Studien belegt, die EST ist positiv bewerteter Bestandteil von 10 internationalen Leitlinien und wird in den vorläufigen Ergebnissen eines Cochrane Reviews positiv bewertet. Ziel der Entwicklung des Expertenkonsens zur EST von Wunden war eine Analyse und Bewertung der EST auf Basis der verfügbaren Evidenz und die Empfehlung zur Umsetzung in die Praxis auf Basis klinischer Expertise. Material und Methoden: Das Konsensuspapier zur EST wurde im Sinne einer S1-Leitlinie der AWMF als Expertenkonsens entwickelt. Die Entscheidungsfindung basierte auf einer qualifizierten wissenschaftlichen Literaturrecherche und Datenanalyse nach den internationalen Cochrane-Kriterien. Der Konsensusprozess bestand aus zwei Konsensuskonferenzen sowie einer Onlinebefragung mit Delphikonsensus mit benannten Experten der Fachgesellschaften (ICW, DGA, DGG, DDG, BVDD, Wundzentrum Hamburg). Ergebnisse: Es wurden 104 Studien, davon 66 Primärstudien, 41 Reviews und 3 Metaanalysen als relevant eingestuft und ausgewertet. Neben der Analyse der Datenlage zur EST wurden Empfehlungen zur Indikationsstellung, zur praktischen Durchführung sowie Patienteninformationen ausgearbeitet. Zu den bestehenden kritischen Punkten und Evidenzlücken wurden Expertenempfehlungen formuliert und konsentiert. Diskussion: Insgesamt fand sich bei der Literaturrecherche eine gute Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit der EST bei chronischen Wunden, die sich in den Leitlinienempfehlungen widerspiegelt. Bezüglich der optimierten Behandlungsparameter, Behandlungsdauer, der gezielten Indikationsstellung inklusive Kontraindikationen und dem Vergleich verschiedener Therapiesysteme fehlt derzeit die notwendige Evidenz. Die

Poster der 48. DDG-Tagung

Konsensusempfehlungen sollen dazu beitragen, die EST dennoch sicher und effektiv einsetzen zu können.

P202 In-vitro -Evaluierung der Biofilm-Reduktion mit Hilfe eines Monofilamentfaserpads* und Untersuchung der Effektivität verschiedener Wundverbände die Neubildung von Biofilm in vitro zu unterbinden Wiegand C.1, Reddersen K.1, Abel M.2, Muldoon J.3, Ruth P.2, Hipler U.-C.1 1

University Medical Center Jena, Department of Dermatology, Jena, Germany 2 Lohmann & Rauscher GmbH & Co. KG, Rengsdorf, Germany 3 Activa Healthcare, Burton upon Trent, United Kingdom

Einleitung: Bakterielle Biofilme können zur Verzögerung der Wundheilung und Entstehung von chronischen Wunden führen. Der kombinierte Einsatz von Wunddebridement und antimikrobiellen Agens könnte dem entgegenwirken. Ein Monofilamentfaserpad* wurde hier zur in vitro Entfernung von Biofilm genutzt und anschließend die Biofilm-Neubildung unter Wundverbänden untersucht. Methodik: Für das Wundbiofilmmodel wurde S.aureus auf einer Glasplatte angezüchtet. Mit dem Monofilamentfaserpad* wurde der Biofilm unter standardisierten Bedingungen aufgebrochen (p = 0,067 N/cm2, v = 1,6 cm/s). Nach Behandlung wurden die Platten mit Wundverbänden# abgedeckt und für 24 h bei 37°C inkubiert. Das Wachstum von Biofilm wurde direkt nach Entfernung der Wundverbände sowie nach der 48 h-Wachstumsperiode mit Hilfe des fluoreszenten Alamar Blue-Assays evaluiert. Ergebnisse: Das Monofilamentfaserpad* wies eine signifikante Entfernung des Biofilmsin vitro auf. Es wurde gezeigt, dass die Behandlung mit Wundverbänden die Neubildung von Biofilm reduziert. Eine signifikant geringere Biomasse wurde bei antimikrobiellen Zusätzen wie Silber und Polihexanid gefunden. Außerdem erzielten die Polihexanid-freisetzenden Wundverbände einen persistierenden Effekt auf die Inhibition der Neubildung von Biofilm, während bei der Kontrolle sowie ohne Zusätze und mit Silber eine schnelle Neubesiedlung mit Bakterien beobachtet wurde. Diskussion: Die Studie hat gezeigt, dass das Monofilamentfaserpad* eine signifikante Biofilmreduktion in vitro ermöglicht. Des Weiteren reduzierte die Applikation von aktiven Wundverbänden dessen Neubildung . Die Kombination aus Biofilm-Aufbrechen und -Entfernung mit Monofilamentfasern* und der Behandlung mit antimikrobiellen Wundverbänden stellt daher eine Erfolg versprechende Antibiofilmstrategie dar. *Debrisoft® (Lohmann & Rauscher); #Vliwasorb®, Vliwaktiv ®, Vliwaktiv ® Ag, Suprasorb® A, Suprasorb® A+Ag, Suprasorb® X, Suprasorb® X+PHMB, Suprasorb® P (Lohmann & Rauscher),

P203 In-vitro -Analyse des Flüssigkeitsmanagements durch hydroaktive Wundverbände mit Hilfe eines Mazerationsmodells Wiegand C.1, Reddersen K.1, Springer S.1, Abel M.2, Ruth P.2, Hipler U.-C.1 1

University Medical Center Jena, Department of Dermatology, Jena, Germany 2 Lohmann & Rauscher GmbH & Co. KG, Rengsdorf, Germany

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Einleitung: Hydroaktive Wundauflagen bestehen zumeist aus Alginat oder enthalten Na-Carboxymethylcellulose. Beide Polymere bilden Fasern, die zu vliesartigen Kompressen oder Tamponadestreifen verarbeitet werden können und eine hohe Flüssigkeitsaufnahmekapazität aufweisen. Bei stark nässenden Wunden können die Wundränder allerdings mazerieren. Außerdem werden während der Gelbildung häufig Formverluste beobachtet, wodurch eine Wundabdeckung nicht mehr gegeben ist. Das Flüssigkeitsmanagement von derartigen Wundauflagen sollte daher in einem Mazerationsmodell untersucht werden. Methodik: Für die Versuche wurden Wundverbände mit Na-Carboxymethylcellulose (A: Aquacel®, ConvaTec; B: Aquacel®Extra, ConvaTec), Cellulose-/Cellulose-Ethylsulfonat-Fasern (C: Suprasorb®Liquacel, Lohmann&Rauscher) und Ca-Alginat (D: Suprasorb®A, Lohmann&Rauscher) ausgewählt. Für den Mazerationstest wurden die Wundverände auf eine künstliche Wunde in einem Gewebeersatz gelegt. Die Evaluierung der Flüssigkeitsaufnahme und -verteilung erfolgte mittels Videoaufnahmen. Darüber hinaus wurde der Formverlust der Wundauflagen, die maximale Flüssigkeitsaufnahme und die Zeit bis zur Mazeration bestimmt. Ergebnisse: Es wurde gezeigt, dass durch Flüssigkeitsaufnahme die Na-Carboxymethylcellulose-Wundverbände eine deutliche Schrumpfung aufwiesen (A: 29%, B: 36%). C wies mit nur 18% Formverlust eine deutlich höhere Stabilität auf. Bei D wurde keine signifikante Abnahme der Flächenbedeckung beobachtet. D wies jedoch mit nur 20mL Flüssigkeitsaufnahme die geringste Aufnahmekapazität auf. Eine vergleichbare Flüssigkeitsaufnahme bis zum Breakpoint der Mazeration wurde bei A beobachtet während B und C wesentlich höhere Werte erzielten. Diskussion: Mit Hilfe des Mazerationsmodells konnten Unterschiede zwischen hydroaktiven Wundauflagen quantifiziert und evaluiert werden. Das Modell erscheint daher geeignet, um das Flüssigkeitsmanagement von Wundauflagen in einer wundähnlichen Situation in vitro zu untersuchen.

P204 Bestimmung der Flüssigkeitsverteilung in unterschiedlichen Wundverbänden während der Vakuumtherapie mit Hilfe eines In-vitro-Modells Wiegand C.1, Springer S.1, Abel M.2, Ruth P.2, Hipler U.-C.1 1

University Medical Center Jena, Department of Dermatology, Jena, Germany 2 Lohmann & Rauscher GmbH & Co. KG, Rengsdorf, Germany

Einleitung: Die Vakuumtherapie hat einen positiven Einfluss bei der Behandlung von chronischen Wunden. Wundverbände für die NPWT unterscheiden sich in ihren Effekten auf die Zellen. Fibroblasten zeigen z.B. eine besonders hohe Tendenz in großporige Schäume einzuwachsen und auf das Gewebe selbst. In der vorliegenden Studie wurde untersucht, ob Unterschiede in der Flüssigkeitsverteilung während der Vakuumtherapie mit verschiedenen Wundverbänden auftreten können. Methodik: Getestet wurden der Wundverband Suprasorb ®CNP-Schaum/Lohmann&Rauscher, die Drainagefolie Suprasorb® NP-Drainagefolie/Lohmann&Rauscher und das ABThera System/KCI. Die Wundverbände wurden auf den Gewebeersatz gelegt und mit der Vakuumpumpe (Suprasorb ®CNP-P1/ Lohmann&Rauscher) verbunden. Die Experimente wurden mit

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Poster der 48. DDG-Tagung

-120mmHg über einen Zeitraum von 8h durchgeführt. Die Verteilung der Flüssigkeit in den Wundverbänden wurde mit Hilfe einer IR Kamera verfolgt. Dazu wurde die Reservoirflüssigkeit auf eine Temperatur von 4°C gekühlt während die Umgebungstemperatur während des Experiments konstant bei 22°C gehalten wurde. Ergebnisse: Die Wundverbände erzielten eine sehr schnelle Flüssigkeitsverteilung innerhalb von 60min mit Anstiegen von 0,97 bis 1,31. Nach ca. 160min stellte sich ein Gleichgewichtszustand ein. Allerdings erzielten nur der Suprasorb®CNP-Schaum und die Suprasorb®CNP-Drainagefolie eine komplette Verteilung der Flüssigkeit. Unter dem ABThera System wurde keine gleichmäßige Verteilung beobachtet und es wurden nur 70% der Fläche innerviert. Diskussion: Mit Hilfe eines In-vitro- Modells für die Anwendung der Vakuumtherapie bei chronischen Wunden konnte gezeigt werden, dass sich Wundverbände hinsichtlich ihrer Flüssigkeitsverteilung während der Vakuumtherapie unterscheiden. Dies ist von besonderem Interesse, da davon ausgegangen werden kann, dass die durch die Vakuumtherapie hervorgerufenen Druckgradienten für die Ableitung der interstitiellen Flüssigkeit verantwortlich sind.

P205 Analyse der Verklebungsneigung von silikonisierten PU-Schaumverbänden in vitro Wiegand C.1, Springer S.1, Zieger M.1, Abel M.2, Ruth P.2, Hipler U.-C.1 1

University Medical Center Jena, Department of Dermatology, Jena, Germany 2 Lohmann & Rauscher GmbH & Co. KG, Rengsdorf, Germany

Einleitung: Ein Wundverband mit einer klebenden Silikonbeschichtung soll die Fixierung des Wundverbandes unterstützen und eine zu starke Verklebung mit der Wundoberfläche verhindern, damit beim Entfernen das Wundbett nicht geschädigt und neues Gewebe nicht zerstört wird. Diese Verklebungsneigung kommt z.B. häufig bei einfachen Mullkompressen vor, kann aber auch bei Schaumverbänden ohne Wundkontaktschicht je nach Porengröße und Oberflächenbeschaffenheit partiell auftreten. Daher wurde in der vorliegenden Studie die Verklebungsneigung von modernen Wundverbänden mit einer Silikonbeschichtung in vitro evaluiert. Methodik: Silikonisierte PU-Schaumverbände (B: Suprasorb®P Silicone, Lohmann&Rauscher; C: Mepilex®border, Mölnlycke; D: Biatain®Silicone, Coloplast) wurden getestet. Für die Untersuchung der Verklebungsneigung wurde auf einem Gewebeersatz eine Fibrinogen/Thrombin-Schicht aufgetragen. Die Wundverbände wurden in 3cm x 4cm große Stücke geschnitten und mit einer Halteschlinge an dem Kraftmessgerät fixiert. In allen Fällen wurde nur das Wundkissen getestet. Eine Baumwollkompresse (A, Fuhrmann) wurde als Positivkontrolle verwendet. Die Beurteilung der Verklebungsneigung erfolgte durch Messung der Kraft, die zum Entfernen des Wundverbandes von dem Gewebeersatz notwendig war. Ergebnisse: Die Wundverbände B und D wiesen eine vergleichbar geringe Verklebungsneigung auf. Einzig für den Wundverband C war eine signifikant größere Kraft nötig, um den Wundverband von dem Gewebeersatz zu entfernen. Das

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Wundkissen von Wundverband C besitzt eine Klebschicht mit höherer Klebkraft, die dies erklärt. Diskussion: Die Verklebungsneigung von PU-Schaumverbänden mit einer Silikonbeschichtung konnte mit Hilfe eines Gewebemodells in vitro quantifiziert und evaluiert werden. Es konnte gezeigt werden, dass die untersuchten Wundverbände B und D eine deutlich geringere Verklebung als eine einfache Mullkompresse aufweisen.

P206 Evaluierung der antimikrobiellen Wirksamkeit und Zellverträglichkeit von Niedertemperatur-AtmosphärendruckPlasma in vitro Wiegand C.1, Fink S.1, Horn K.2, Pfuch A.2, Beier O.2, Schimanski A.2, Hipler U.-C.1 1

University Medical Center Jena, Department of Dermatology, Jena, Germany 2 Innovent e.V., Jena, Germany

Neben den technischen Anwendungen von Atmosphärendruckplasmen spielen ausgewählte Jet-Plasmaquellen auch im medizinischen Bereich eine wachsende Rolle. In den letzten Jahren wurden Untersuchungen zur Wechselwirkung von AD-Plasmen mit Zelllinien durchgeführt, um die Möglichkeit dermatologischer Applikationen besser einschätzen zu können. Die Plasmaquellen unterscheiden sich in der Art der Anregung, der Leistung, dem verwendeten Arbeitsgas und dem Gasdurchfluss. Damit ergeben sich spezifische Charakteristiken der resultierenden OES-Spektren und der Plasmatemperaturen im Jet und auf den Zellen. Wesentliche Wirkkomponenten von kalten Plasmen sind reaktive Stickstoff- und Sauerstoffspezies, UV-Strahlung und elektrische Felder. Es wurden Versuche mit gram-positiven (Staphylococcus aureus) und gram-negativen (Pseudomonas aeruginosa) Bakterien und Candida albicans als Vertreter der Hefepilze durchgeführt. Die Mikroorganismen wurden auf Agar-Platten ausgespatelt und nach der Plasmabehandlung 24 Stunden bei 37°C bebrütet. Die Ergebnisse zeigen eine eindeutige Abhängigkeit der bakteriziden Wirkung von der verwendeten Plasmaquelle. Weiterhin spielen Faktoren wie Behandlungsdauer und -intensität, Plasma-Leistung und verwendetes Prozessgas eine wichtige Rolle. Mit steigender Plasmaleistung nimmt die antimikrobielle Aktivität eindeutig zu, gleichzeitig aber auch die Zytotoxizität, wie in Vollhautmodellen aus Fibroblasten in einer Kollagenmatrix mit einer epidermalen Keratinozytenschicht gezeigt werden konnte. Die Untersuchungsergebnisse bilden die Grundlage für die Findung therapeutisch wirksamer Parameterfelder für die Plasma-Jets und die Identifizierung medizinisch wirksamer Plasma-Komponenten. Ziel weiterführender Arbeiten sind detaillierte Analysen zum bakteriziden Verhalten der Jet-Plasmen auf Mikroorganismen bei gleichzeitiger minimierter toxischer Wirkung auf menschliche Hautzellen zum Einsatz der Plasmen in der Dermatologie.

P207 Wound-QoL: Ein neuer, kurzer Fragebogen zur Lebensqualität bei Menschen mit chronischen Wunden

Poster der 48. DDG-Tagung

Blome C.1, Baade K.1, Herberger K.1, Debus S.2, Price P.3, Augustin M.1 1

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen, Hamburg, Germany 2 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik und Poliklinik für Gefäßmedizin, Hamburg, Germany 3 Cardiff University, Cardiff Institute of Tissue Engineering and Repair, Cardiff, United Kingdom

Fragestellung: Entwicklung und Validierung eines kurzen Fragebogens zur Lebensqualität bei Menschen mit chronischen Wunden. Methodik: Drei validierte Fragebögen zur Lebensqualität bei chronischen Wunden wurden von 154 Patienten mit Ulcus cruris in einer längsschnittlichen Studie ausgefüllt. In den neuen, wesentlich kürzeren Bogen “Wound-QoL” wurden diejenigen Items aufgenommen, die die Kerninhalte der drei Fragebögen abdeckten und gute psychometrische Eigenschaften aufwiesen. Itemformulierungen und Antwortskalen wurden vereinheitlicht und sprachlich vereinfacht. Subskalen wurden anhand einer Faktorenanalyse

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hergeleitet. Der finale Fragebogen wurde von 100 Patienten in der Routineversorgung ausgefüllt; als konvergente Validierungskriterium wurde der EQ-5D zur generischen gesundheitsbezogenen Lebensqualität erhoben und ein Fragebogen zur patientenseitigen Akzeptanz des Bogens wurde ausgegeben. Ergebnis: Der finale Wound-QoL umfasst 17 Items, aus denen ein Gesamtwert sowie drei Subskalenwerte zu Alltagsleben, Körper und Psyche berechnet werden können. In der Validierungsstudie zeigten sowohl der Gesamtwert als auch die Subskalenwerte gut interne Konsistenzen (Cronbachs Alpha von 0,85 bis 0,92). Die Korrelation des Gesamtwerts mit dem EQ-5D sprach für eine zufriedenstellende Konstruktvalidität (r = 0,65, p < 0,001). Für eine gute Anwendbarkeit und Patientenakzeptanz des Fragebogens sprach neben den Angaben der Patienten im diesbezüglichen Fragebogen auch der niedrige Anteil fehlender Werte von 1%. Schlussfolgerung: Mit dem Fragebogen Wound-QoL lässt sich die krankheitsspezifische Lebensqualität bei Menschen mit chronischen Wunden reliabel und valide erheben. Er umfasst nur eine Seite und ist somit wesentlich kürzer als bislang vorliegende Instrumente.

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