Forschungswerkstatt Rivaroxaban

S11

Head Dossier / Fachwissen Vorhofflimmern in Deutschland Eine prospektive Krankheitskostenstudie

Hintergrund Vorhofflimmern (VHF) ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung in der klinischen Praxis und mit einem hohen Risiko für Schlag­ anfall, Herzinsuffizienz und Hospitalisierung verbunden [1]. Trotz der hohen Prävalenz des VHF gibt es jedoch nur wenige Studien zu den ökonomischen Folgen des VHF. Die vorliegende Krankheitskostenstudie fokussiert auf die Darstellung der jährlichen indikationsspezifischen direkten Kosten von gesetzlich versicherten VHF-Patienten in Deutschland.

Methoden Die nicht-interventionelle, prospektive, multizentrische Erhebung erfolgte von November 2010 bis September 2012 bundesweit bei 54 ­niedergelassenen Allgemeinmedizinern, praktischen Ärzte und hausärztlich tätigen Internisten

(„Hausärzte“) sowie bei 12 niedergelassenen Kardiologen. Die teilnehmenden Ärzte dokumentierten alle indikations- und abrechnungs­ relevanten Maßnahmen und Leistungen, die für die teilnehmenden Patienten innerhalb eines Jahres anfielen. Überweisungen zu Fachärzten und Krankenhäusern wurden ebenfalls dokumentiert. Die Kosten für die stationär erbrachten Leistungen wurden den Arztbriefen entnommen. Die Kostenanalyse wurde aus der Perspektive der gesetzlichen Krankenkasse durchgeführt. Darüber hinaus wurden neben soziodemografischen, administrativen und klinischen Variablen auch die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Patienten erfasst.

Ergebnisse

Institute 1 Institut für Empirische Gesundheitsökonomie, Burscheid 2 Abt. Cardiovascular / Hematology, Bayer HealthCare Deutschland, Leverkusen 3 Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité, Berlin

Korrespondenz Professor Dr. Dr. med. Reinhard Rychlik Institut für Empirische Gesundheitsökonomie Burscheid [email protected]

In die Kostenberechnung gingen Daten von 361 Patienten ein. Die Patienten waren im Durchschnitt 75 Jahre alt, 55 % von ihnen waren männ-

   

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Abb. 1  Verteilung der Kostenarten bei Patienten mit Vorhofflimmern. Ergebnisse aus der Pavomaxa Studie Spyra A et al. Vorhofflimmern in ...  Dtsch Med Wochenschr 2015; 140, Suppl. 1: S11–S12

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1 Anna Spyra , Dietmar Daniel1, Inga-Marion Thate-Waschke2, Sabine Berghaus2, Autoren vorne Stefan N. Willich3, Reinhard Rychlik1

Forschungswerkstatt Rivaroxaban 2014 lich. Bei mehr als der Hälfte der Patienten wurde das VHF als permanent eingestuft und mehr als zwei Drittel der Patienten wiesen einen CHADS2Score von ≥ 3 auf. Die überwiegende Mehrheit der Patienten (95 %) wurde mit Vitamin-K-Antagonisten behandelt, entweder ausschließlich (86,9 %) oder in Kombination mit Thrombozytenaggregationshemmern (8,1 %).

einem Anteil von 43,5 % (289 €) den größten ­Kostenblock dar, gefolgt von den Kosten für ­ambulant erbrachte Behandlungsleistungen der Hausärzte (22,8 %, 151 €) und der Fachärzte (überwiegend Kardiologen). Die Kosten für die anti­ koagulative Therapie machten dagegen nur 7,8 % (52 €) an den Gesamtkosten aus.

Im Rahmen der Studie wurden alle Arztbesuche im Verlauf eines Jahres dokumentiert. Im Mittel erfolgten 13 Besuche pro Patient und Jahr, wobei bei 84 % der Arztbesuche das VHF als Grund für den Kontakt angegeben wurde.

Folgerungen

Bei annährend 60 % der Patienten wurde die ­indikationsrelevante Medikation im Beobachtungszeitraum geändert, überwiegend erfolgten Dosisanpassungen (51,6 %). Bei 21,5 % der Patienten erfolgte jedoch während der Studie eine Neuverordnung der antikoagulativen Therapie und bei 20,9 % wurde die Medikation abgesetzt. ▶▶ Bei 85,6 % der Visiten wurde auch eine INRKontrolle durchgeführt. ▶▶ Im mehr als der Hälfte der Fälle erfolgte diese konventionell mittels Blutabnahme in der Praxis, ▶▶ zu einem Viertel durch Einsatz von CoaguChek® in der Praxis und ▶▶ 1 % der Patienten führte ein Selbstmonitoring durch. Während des 12-monatigen Beobachtungszeitraums wurden insgesamt 47 Krankenhausaufenthalte für 31 Patienten (8,6 %) aufgrund des VHFs dokumentiert. Insgesamt ergaben sich durchschnittliche jährliche Gesamtkosten von 664 € pro Patient. Dabei stellten die stationären Behandlungskosten mit

DOI 10.1055/s-0041-101328 Dtsch Med Wochenschr 2015; 140: S11–S12 © Georg Thieme Verlag KG · Stuttgart · New York · ISSN 0012-0472

Spyra A et al. Vorhofflimmern in ...  Dtsch Med Wochenschr 2015; 140, Suppl. 1: S11–S12

Die Ergebnisse dieser repräsentativen, prospektiv erhobenen Krankheitskostenanalyse zum VHF in der Alltagsversorgung in Deutschland zeigen die sozioökonomische Belastung durch VHF. Dabei fällt auf, dass die Kosten maßgeblich durch die indikationsbedingten Krankenhausaufenthalte dominiert werden. Trotz der im Vergleich zu anderen sogenannten Volkskrankheiten wie Diabetes relativ niedrigen jährlichen Kosten weist das VHF eine hohe sozioökonomische Relevanz auf, da mit höheren Altersdekaden eine ansteigende Prävalenz vorliegt. Daher erscheint es sinnvoll gezielte Maßnahmen zur Prävention, Gesundheitsförderung und zur frühzeitigen Diagnostik des VHF mit Blick auf den demogra­ fischen Wandel und den damit verbundenen zu erwartenden Anstieg der Kosten zu entwickeln.

Literaturverzeichnis 1 Statista, das Statistik-Portal. URL: http://de.statista. com/statistik/daten/studie/1217/umfrage/­ entwicklung-der-gesamtbevoelkerung-seit-2002/ Letzter Zugriff am 05.03.2014.

Interessenkonflikt Die Autoren geben an, dass die durchgeführte Studie von Bayer HealthCare Deutschland finanziell unterstützt wurde.

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[Atrial Fibrillation in Germany].

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